Liz Mohn"Schreib es auf"

Was hat Bertelsmann aus ihr gemacht? Liz Mohn über Männerrunden, die neue Macht der Frauen, über Mutproben und schlaflose Nächte. von  und

DIE ZEIT: Frau Mohn, schreiben Sie gerne?

Liz Mohn: Ein Buch zu schreiben ist schon anstrengend, auch weil viele persönliche Erinnerungen einfließen.

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ZEIT: Viele Autoren schreiben am liebsten in aller Frühe.

Mohn: Morgens steht bei mir zunächst Sport auf dem Programm.

ZEIT: Was genau?

Mohn: Schwimmen. Joggen. Der Beruf ist schließlich auch ein Langstreckenlauf. Meine Arbeit in der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat mich dazu bewogen, auf Bewegung und Ernährung zu achten. Manchmal fällt mir nur eines schwer: früh genug zu sehen, wann der Stress überhandnimmt. Und dann einfach mal zu bremsen.

ZEIT: Haben Sie das Gefühl, dass die Welt sich schneller dreht?

Mohn: Ja. Ich bin jetzt seit Jahrzehnten im Beruf. Ohne Pause. Die Folgen der Globalisierung merke ich sehr direkt. Auch früher war Bertelsmann schon durch seine Geschäfte mit dem Buchclub und den Druckereien international. Aber heute sind wir in mehr als 50 Ländern aktiv, in so vielen wie kein anderes europäisches Medienunternehmen.

ZEIT: Nehmen Sie sich die Zeit, das eine oder andere Buch aus Ihrem Verlag zu lesen?

Mohn: Natürlich! Meine Familie und ich leben für das Unternehmen und kennen seine Produkte.

ZEIT: Sie sind, wie man hört, mehr als 150 Tage im Jahr auf Reisen. Sie haben also genug zu tun, warum schreiben Sie da noch ein Buch?

Mohn: Mein Mann hat mich vor seinem Tod dazu angeregt. Er hat beobachtet, wie ich mehr und mehr in die Firma und in die unterschiedlichen Rollen hineingewachsen bin. Da sagte er zu mir: Dein Leben hat sich so verändert. Lass doch auch andere daran teilhaben. Erst wollte ich nicht so recht, aber dann habe ich doch angefangen. Mein Leben ist schließlich ein außergewöhnliches Frauenleben. Ich habe die Chance gehabt, etwas daraus zu machen. Ehefrau und Mutter bleiben, wie bei vielen Frauen meiner Generation üblich, passt nicht zu meinem Typ. Man bekommt eben etwas in die Wiege gelegt.

ZEIT: Welchen Preis bezahlen Sie für dieses Leben?

Mohn: Die große Disziplin und die Verantwortung. Hin und wieder mal vibrierende Nerven. Das ist durchaus eine Erfahrung, die Menschen machen sollten. Dann spüren Sie einmal, dass sie an der Grenze ihres Leistungsvermögens angekommen sind.

ZEIT: Wie belohnen Sie sich?

Mohn: Mit Ruhe und einsamen Spaziergängen.

ZEIT: Im Ernst? Am liebsten sind Sie alleine?

Mohn: Alleine oder zusammen mit Freunden. Einfach ohne Ziel durch die Natur streifen. Diese natürliche Schönheit lässt einen bescheiden werden.

ZEIT: Man stößt in Ihrem Leben immer wieder auf den Wunsch, die berufliche Rolle der Frauen zu stärken. Wenn Sie das aus heutiger Sicht beurteilen. Wo stehen wir?

Mohn: Es hat sich viel getan. Als ich bei Bertelsmann anfing, waren Frauen nicht in Führungspositionen vertreten. Das hat sich verändert. Denken Sie nur an die vielen leitenden Mitarbeiterinnen, die wir bei Gruner+Jahr, Random House und RTL haben. Sie besitzen ein gutes Gespür für Marketing, Vertrieb, Personalarbeit und können Menschen oft besser zusammenführen. Das liegt auch daran, dass sie oft in der Familie und mit Kindern wichtige Erfahrungen machen. Deshalb können sie auch Schicksalsschläge, die andere ereilen, besser verstehen. Für Mitarbeiter, denen so etwas widerfährt, versuche ich immer eine offene Tür zu haben und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Mein Verständnis dafür wuchs auch durch schwere Krankheiten in der eigenen Familie.

Leserkommentare
  1. die Bertelsmannstiftung aufgelöst werden würde. Sie ist ein Steuersparmodell, na schön.
    Aber sie macht Politik ohne jede demokratische Legitimation. Hartz4 ist auch ein Kind von Bertelmann und Liz Mohn.

    12 Leserempfehlungen
    • MeÖz
    • 11. September 2011 20:05 Uhr

    Liz Mohn und Friede Springer, könnten mit ihrer Medialen Macht heftig Politik machen, was sie in teilen schon machen.
    Eine Kampagne und Schwarz-Gelb wäre weg - das gilt für alle deutschen Regierung. Solche Medienmonster sind eine große Gefahr für unsere Demokratie.

    12 Leserempfehlungen
  2. Sie in Ihr Haus nach Sylt - Bleiben Sie Ihrem Vermögen "Treu", Ihre Freundin "Von der Leyen" hat die Rezepte.

    Fangen Sie "Bitte Bitte" nicht damit an das irgend jemand "Glaubt" das Sie "Frau Liz" das Sie ein Gewissen haben.

    10 Leserempfehlungen
    • Timo K
    • 11. September 2011 20:45 Uhr

    lese ich nichts lieber als eine Korrelation zwischen Frauen in Führungspositionen und dem Programm von RTL.

    Das ist ja ein inhaltliches Urankerngeschoß!

    5 Leserempfehlungen
  3. Aber so wie man in den Wald reinruft...

    4 Leserempfehlungen
  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen- Danke, die Redaktion/se

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    Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit solchen Fragen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

  5. Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit solchen Fragen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

    • gast007
    • 11. September 2011 22:12 Uhr

    Schon die Unterwürfigkeit, mit der die Fragen im Interview an Frau Patriarchin Liz herangetragen werden, zeigt alles. Forderndes Nachfragen: Fehlanzeige. Unsere Medien sind ein persistierendes Nachkriegsoligopol von amerikanischen Gnaden. Man geht miteinander um wie zu des US-Kommandanten Zeiten. Wer frech wird, war das zum letzten Mal. Also piano fragen.
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    Die öffentlich-Rechtlichen und die Frauen Springer und Mohn kontrollieren noch immer rund 80 Prozent des gesamten deutschen Informationswesens. Hier wird tagaus tagein geliefert, was wir tun sollen, aber nicht, was wir tun wollen. Kein Wunder, dass in den freien Foren grundsätzlich Anderes als die vorgeschriebene Meinungssülze zu lesen ist. Machen Sie die Probe, zum Beispiel bei der Europaklamotte: Die Medien liefern ständig Forderungen an uns, die wir nicht wünschen und arbeiten permanent gegen das Volk an - das ist überall zu lesen.
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    Das Einzige, was uns bleibt in der Obstruktion durch unsere Medienoligarchie und in der Leisetreterei der Journalisten gegenüber ihrer Obrigkeit , ist das Internet. Das soll zwar auch kontrolliert werden (Herr Innenminister, na?), aber es ist wenigstens eine nicht so leicht manipulierbare Informationsmaschinerie wie die Offiziellen.

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