Die SPD wird leiser – und wieder gehört
Steinmeier, Steinbrück, Gabriel – die drei wirken gegenüber einer Regierung in der Dauerkrise wie ein Versprechen auf die Gegenwart. Wie eine tägliche Provokation, dass man anders, dass man besser regieren kann. Das Problem dabei: Das Versprechen auf die Gegenwart muss noch zwei Jahre halten.
Steinmeier würde wohl selbst gern noch einmal antreten, weil er der kompetenteste und kompletteste Kanzler wäre – und das wohl auch so sieht. In der Nach-Debakelphase hat er den programmatischen Totalabriss der SPD-Regierungsjahre persönlich verhindert und somit ermöglicht, dass SPD-Realos für eine Kandidatur 2013 überhaupt wieder infrage kommen. Er wird die bittere Ironie, wenn nicht gar Tragik, aushalten müssen, dass ausgerechnet der Debatten-Abstinenzler Steinbrück an ihm vorbeizieht. Als Entschädigung winkt eine Heimkehr ins geliebte Außenamt, das er mental nie ganz verlassen hat.
Gabriel muss nach außen den Glauben aufrechterhalten, er selbst käme als Kandidat infrage, da die SPD nur jemanden an ihrer Spitze akzeptiert, der auch Kanzler kann. Seine Aufgabe besteht aber darin, die Kräfte in der SPD so auszutarieren, dass der aussichtsreichste Bewerber am Ende auch Kandidat wird. Und wenn der aussichtsreichste, Steinbrück, ins Kanzleramt einzieht, wird Gabriel als Fraktions- und Parteichef der zweitmächtigste Mann einer rot-grünen Koalition sein. Und erster Nachfolge-Kandidat für einen dann 66-jährigen Regierungschef.
Steinbrück selbst wird seine Eitelkeit beherrschen, wird geduldig mit sich selbst sein müssen. Er darf sich nicht schon vor der Zeit so toll finden, dass er seine Ansprüche einfach rausposaunt.
Gelingt all das, wird die SPD von Zeit zu Zeit die drei politischen Schwergewichte mit all ihrer Minister- und Lebenserfahrung auftreten lassen. Kompetenz, Sachlichkeit, Erfahrung, Ironie – und ein Schuss Unberechenbarkeit: Die Summe aus Steinbrück, Steinmeier und Gabriel ergibt einen Politikermix, der die Merkel-Mannschaft mit ihren FDP-Frischlingen ziemlich jung aussehen lässt. Und gänzlich verloren.
Die SPD wird leiser – und wieder gehört
Das Verzagte verschwindet allmählich aus der Tonlage der SPD; es wird überlagert von einem neuen Sound. Ude lobt den Olympiakämpfer Seehofer, Gabriel bietet Zusammenarbeit an, der Vorwahlsieger Albig bindet seinen unterlegenen Widersacher Stegner ein. Und Ex-Kanzler Gerhard Schröder, sogar das ist möglich, zeigt in einem Interview Verständnis für die Nöte seiner Nachfolgerin. Eine Tonlage der Versöhnung, des Konstruktiven und Kooperativen macht sich breit unter den Genossen. Es entwaffnet zuweilen einen überraschten Gegner – und trifft die Erwartung einer Bevölkerung, die bei ritualisierter Konfrontationsrhetorik mittlerweile umgehend auf Durchzug schaltet. Die SPD wird leiser – und wieder gehört.
Vom Himmel gefallene Männer, eine neue Tonlage, die Dinge ändern sich in der SPD und auch außerhalb. Gabriel wollte einst die Hartz- und Rente-Verdrossenen zurückgewinnen, die Wähler vom linken Rand. Nun, in der neuen roten Welt, prägen aber Personen das Bild der Partei, die attraktiv sind für die Ratlosen aus der Merkel-Mitte, für die abgefallenen Christdemokraten. Die Steinbrücks und Scholzens, die Steinmeiers und Albigs nageln die SPD in der Mitte fest. In einer Mitte allerdings, die sich nach links verschoben hat. Steuererhöhung und Umverteilung gehören nun zum Mitte-Vokabular. Wir leben in sozialdemokratischen Zeiten. Mit Steinbrück als SPD-Kandidat stört das niemanden.
- Datum 11.09.2011 - 10:17 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 8.9.2011 Nr. 37
- Kommentare 94
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Steinbrück ist ein Deregulierer. Der noch vor gut 2 Jahre zeigen konnte, was er drauf hat: Die Banken mit Geld zu sch...
Mangelnde Kompetenz wird mit schneidiger Dampfplauderei wett gemacht.
Hoffentlich fallen die Wähler nicht nochmal darauf rein.
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Argumenten und verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen um eine konstruktive Diskussion zu gewährleisten. Danke. Die Redaktion/lv
Entfernt. Wir möchten Sie erneut bitten, sich in Ihren Kommentare an die Netiquette zu halten und das Artikelthema sachlich zu diskutieren. Danke. Die Redaktion/lv
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion und kehren Sie zum Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Argumenten und verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen um eine konstruktive Diskussion zu gewährleisten. Danke. Die Redaktion/lv
Entfernt. Wir möchten Sie erneut bitten, sich in Ihren Kommentare an die Netiquette zu halten und das Artikelthema sachlich zu diskutieren. Danke. Die Redaktion/lv
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion und kehren Sie zum Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz
kurzes Gedächtnis haben, dann verdient er es auch nicht anders.
Nur weil Westerwelle und Merkel das Ansehen der Politiker unter den Nullpunkt gedrückt haben und deswegen die SPD-Nullen im Vergleich dazu positiv wirken, bedeutet das nicht, dass diese auch gut sind.
Lernt endlich aus den Fehlern eurer Vergangenheit (ihr habt die alle schon mindestens einmal gewählt) und jagt sie aus dem Parlament indem ihr frische Parteien und Leute mit frischen Ideen rein wählt!
Nur weil Westerwelle und Merkel das Ansehen der Politiker unter den Nullpunkt gedrückt haben und deswegen die SPD-Nullen im Vergleich dazu positiv wirken, bedeutet das nicht, dass diese auch gut sind.
Lernt endlich aus den Fehlern eurer Vergangenheit (ihr habt die alle schon mindestens einmal gewählt) und jagt sie aus dem Parlament indem ihr frische Parteien und Leute mit frischen Ideen rein wählt!
lässt sich mit dem Satz „Der Führer wird´s schon richten“
am besten umschreiben. Außer seinem Bemühen um Selbstdarstellung ist er auf dem Felde der Finanzpolitik eine Niete. Er war sowohl als NRW-Ministerpräsident und Finanzminister an führender Stelle daran beteiligt, Schulden aufzutürmen. Schulden, die den Fortbestand unserer demokratischen und freiheitlich verfassten Republik gefährden.
Seine neuerlichen Bekundungen lassen darauf schließen, dass er die staatliche Verschuldung noch weiter in die Höhe treiben und die Grenzen der Demokratie testen möchte.
wird der Steinbrück ja der Westerwelle der SPD. Inhaltlich passen die beiden doch sicher auch ganz gut zusammen. Beides Kompetenz-Simulanten.
Und Steinmeier, der liebe Onkel, der oups, den armen Herrn Kurnaz in der Folterkammer der Amerikaner.. hm.. - vergessen hat?
Ich kann dem Artikel nur recht geben. Die SPD als Partei sollte sich weniger auf abstrakte Programme und Phrasen wie Demokratischer Sozialismus, Parteiöffnung und blabla konzentrieren, sondern viel mehr auf aktuelle Inhalte und Persönlichkeiten, die diese vorantreiben können. Unerträglich halte ich auch diese Macht- und Grabenkämpfe in der Partei. Z.B. SPD-Linke: gerade hat Gabriel ein Steuerkonzept vorgelegt, schon kommen die Jusos und andere Linke und fordern nochmal 3 Prozent mehr Steuern. Einigkeit erst einmal nicht in Sicht.
Zur Personalie Steinbrück: Er hat in der Vergangenheit durchaus Falsches gemacht. Aber er gibt den Leuten etwas, was sie vermissen, nämlich klare Aussagen. Wenn man etwas von Steinbrück hört, egal ob man dem zustimmt oder nicht, hat man etwas handfestes und eine Meinung gehört. Bei Frau Merkel sind es nur Phrasen ohne Bedeutung.
Ihr Satz: „Aber er gibt den Leuten etwas, was sie vermissen, nämlich klare Aussagen. Wenn man etwas von Steinbrück hört, egal ob man dem zustimmt oder nicht, hat man etwas handfestes und eine Meinung gehört.“
Meine Ergänzung: Und später heißt es dann: „Memelland ist abgebrannt“
Ihr Satz: „Aber er gibt den Leuten etwas, was sie vermissen, nämlich klare Aussagen. Wenn man etwas von Steinbrück hört, egal ob man dem zustimmt oder nicht, hat man etwas handfestes und eine Meinung gehört.“
Meine Ergänzung: Und später heißt es dann: „Memelland ist abgebrannt“
...nur weil man einen alten Hut in eine andere Schachtel legt, bedeutet das nicht das man etwas neues geschaffen hat.
Der SPD fehlt es immer noch am wichtigsten: am S in ihrem Namen.
Aber die SPD konnte auch nicht damit rechnen, dass schwarz/gelb fdermaßen schlecht auftreten würde. Dabei war das bei der FDP ja vorher schon zu erkennen. Aber die SPD wäre auch mit dieser Partei gern in die Regierung gegangen. Daran ist zu erkennen, dass das S weiter keine Rolle mehr spielen wird bei den Sozialdemokraten. Aber es kann sich noch viel ändern bis zur nächsten Bundestagswahl.
Aber die SPD konnte auch nicht damit rechnen, dass schwarz/gelb fdermaßen schlecht auftreten würde. Dabei war das bei der FDP ja vorher schon zu erkennen. Aber die SPD wäre auch mit dieser Partei gern in die Regierung gegangen. Daran ist zu erkennen, dass das S weiter keine Rolle mehr spielen wird bei den Sozialdemokraten. Aber es kann sich noch viel ändern bis zur nächsten Bundestagswahl.
Ihr Satz: „Aber er gibt den Leuten etwas, was sie vermissen, nämlich klare Aussagen. Wenn man etwas von Steinbrück hört, egal ob man dem zustimmt oder nicht, hat man etwas handfestes und eine Meinung gehört.“
Meine Ergänzung: Und später heißt es dann: „Memelland ist abgebrannt“
... SPON zitiert Steinbrück "Natürlich müssen die Deutschen zahlen." Das sei gut investiertes Geld, von dem die Deutschen profitieren würden.
Wie sehr Deutschland bisher profitiert hat, ist vermutlich bei ungefähr 76% der Bevölkerung, die gegen die Euro-Rettung sind, nicht angekommen. Seltsam.
Von wem möchte die SPD also gewählt werden? Wo sind sie bitte eine ernst zu nehmende Alternative der bestehenden Regierung Merkel?
Gibt es überhaupt eine Partei, die tatsächlich noch die Meinung der Bürger - des Volkes und Steuerzahlers - vertritt? Ich sehe weit und breit keine.
...nur eben die falschen: Es ist faszinierend zuzusehen, wie gleichgeschaltete "Kapital"-Medien für die Zeit nach Merkels Fall vorsorgen. Ob die Wähler darauf hereinfallen? Wir werden sehen.
...nur eben die falschen: Es ist faszinierend zuzusehen, wie gleichgeschaltete "Kapital"-Medien für die Zeit nach Merkels Fall vorsorgen. Ob die Wähler darauf hereinfallen? Wir werden sehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren