Der 5. November 2011 soll ein Tag werden, den niemand vergisst. Hacker haben angekündigt, dass sie Facebook aus dem Internet verbannen wollen. Großspurig schreiben sie: »Bürger der Welt, das Medium der Kommunikation, das Sie alle so lieben, wird vernichtet.« Mehr als 600 Millionen Menschen nutzen das Soziale Netzwerk. Es ist eine der wichtigsten Drehscheiben für den Austausch von Nachrichten, Fotos und Terminen geworden, und nun wollen ein paar Hacker darüber entscheiden, ob Facebook existieren darf – weil es ihnen nicht passt, dass die Firma gelegentlich mit dem FBI zusammenarbeitet?

Noch gibt es Zweifel, ob es dazu kommt. Hacker-Aktivisten verwirklichen nicht alle ihre Pläne. Aber wenn, dann heben sie die vertraute Internetwelt aus den Angeln. Zuletzt haben sie das fast jede Woche getan.

Es begann, als Konzerne wie MasterCard und Amazon im Dezember 2010 bei der erdumspannenden Jagd auf den WikiLeaks-Gründer Julian Assange halfen. Kurz darauf traf sie ein spektakulärer Großangriff aus dem Internet : Von einer Sekunde auf die andere standen ihre Netze und Computer unter Datenbeschuss, und viele Dienste fielen tagelang aus. Aktivisten vom losen Zusammenschluss Anonymous bekannten sich zu dieser »Operation Payback«, und bald suchten sie sich neue Ziele. Eines war der Unterhaltungskonzern Sony. Sein beliebtes Playstation-Spielenetzwerk wurde im April von Hackern unterwandert , und Daten seiner Benutzer wurden offengelegt, sodass der Konzern das vernetzte Spielen mehrere Wochen lang abschalten musste.

Facebook zahlt für gefundene Sicherheitslücken

Die Sache ist also ernst, und das wissen auch die Verantwortlichen bei Facebook. Sicherheitschef Joe Sullivan belohnt deshalb gutwillige Hacker, die eine Sicherheitslücke entdecken, seit vier Wochen mit Prämien. Bug bounty nennt er sie, und 40.000 Dollar hat er inzwischen bezahlt. Zuvor zahlte Facebook nichts, sondern lobte die Helfer nur und trug sie auf einer Ruhmesliste ein, die gar nicht so rühmlich ist, weil sie tief im Netzauftritt versteckt ist. Warum? Die Liste ist mit 52 Namen schon verflixt lang, und es soll nicht jeder sehen, dass die populärste Kommunikationsplattform der Welt ihre Nutzer nicht allein schützen kann.

Wer sich in diesen Tagen an den Treffpunkten der Hackeraktivisten im Internet herumtreibt, bekommt ein gemischtes Bild von der »Operation Facebook« . Nicht alle Aktivisten halten die Sache für aussichtsreich; längst nicht alle halten sie für eine gute Sache; dafür ereifern sich andere umso mehr. Zurzeit stacheln sie sich vor allem im spanischen und englischen Sprachraum an.

»Am 5. November zeigt Anonymous der Welt: Dies ist die Rache der Unschuldigen!«, schreibt ein gewisser VetaTato.

»DESTROOOOOOOOOOOOOOY!«: Fabricio Mendez reicht ein Wort. »Zerstört!«

»Ich kenne mehrere Sicherheitslücken, die im Augenblick auf Facebook funktionieren. Ich sammele sie für den richtigen Moment«, schreibt ganz kühl leec85.

Halbstarke Computerfreaks mit Großunternehmen im Visier sind im Herbst 2011 zu einer Bedrohung für jeden Konzern geworden, der sich bei der Abwicklung seiner Geschäfte auf das Internet stützt. Und doch sind sie eine vergleichsweise kleine Gefahr. Mächtiger ist das Organisierte Verbrechen, mächtiger sind Hacker in staatlichen Diensten. Die Zwischenfälle, die ihnen zugeschrieben werden, wiegen mittlerweile so schwer, dass sie die Sicherheit und den Wohlstand der westlichen Welt bedrohen.

So mussten Verteidigungsexperten der USA eingestehen, dass Baupläne für das neueste Kampfflugzeug der amerikanischen Streitkräfte über elektronische Datenkanäle gestohlen worden waren. Sie gaben chinesischen Hackern die Schuld.