Schuldenkrise Die Rechnung, bitte

Europa muss sich endlich ehrlich machen: Schuldenschnitt für Griechenland, Schuldenbremse für alle.

Mit jedem neuen Versuch wird uns die Rettung Griechenlands vertrauter. Das griechische Volk beschimpft seine Politiker, weil sie zu viel sparen. Die Euro-Kontrolleure reisen an und zornig wieder ab, weil Athen seine Sparversprechen trotzdem nicht erfüllt. Dann geben sich die Griechen den üblichen Ruck – nur um kurze Zeit später achselzuckend festzustellen, sie brauchten leider doch mehr Geld als gedacht. Die Deutschen erklären in aller gebotenen Strenge, es gäbe keinen Rabatt für Athen, und nicken kurz darauf die nächste Tranche ab.

Griechenland ist die Wiege des Theaters, und heute führt es ein Stück auf mit der ganzen Welt als Publikum. Allein, die Hoffnung auf ein glückliches Ende ist zerstoben, weil sich die traurige Wahrheit nicht länger verbergen lässt. Griechenland ist pleite. Das südlichste Euro-Mitglied hat nicht etwa ein lösbares Bankenproblem wie Irland, nicht eine Immobilienkrise wie Spanien, es leidet auch nicht bloß an fortgesetztem Regierungsversagen wie Italien. Es hat schlicht mehr Schulden, als es bei seiner schmalen Wirtschaftskraft und seinem verlotterten Finanzwesen je abzahlen kann.

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Chronik Euro-Krise
Oktober 2009

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

8. Mai 2010

Das Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine "verheerende Inflationspolitik" betrieben.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

29. September 2010

EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
 

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

16. August 2011

Merkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August/September 2011
Banken Frankfurt

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

Mitte September 2011

Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen "zwecklos", aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
 

Mitte November 2011
Mario Monti

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Dezember 2011
David Cameron in Brüssel

Am 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor's Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.

13. Januar 2012

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

31. Januar

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem neuen Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Die Regierungschefs verabschieden auch den dauerhaften Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll. 

21. Februar

Die EU-Finanzminister bringen in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Einigung der Minister mit Griechenland ist auch Voraussetzung für die Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des überschuldeten Landes. Sie sollen nun auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands soll dadurch auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

8. März 2012
Der Parthenon auf der Akropolis

Der Parthenon auf der Akropolis

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

Die Behauptung, Griechenland sei zu »retten«, ist also eine (Selbst-)Täuschung. Berlin und Brüssel haben sie aufrechterhalten, weil sie hofften, die Krise würde schnell vorüberziehen. Danach wäre eine Umschuldung kein Drama mehr. Tatsächlich aber sorgen sie auf diese Weise dafür, dass die Krise täglich schlimmer wird.

Niemand soll in dieser Krise behaupten, er wisse wo es langgehe

Jüngstes Opfer ist die Idee einer freien Europäischen Zentralbank. Gedacht war sie als eine Art Tafelrunde der Stabilitätsritter. Unabhängig und unpolitisch. Aber weil die Regierungen angesichts der drohenden Griechenpleite zauderten, sprangen die Ritter ein und kauften gegen ihren heiligsten Schwur notleidende Staatsanleihen auf. Erst griechische, zuletzt auch italienische und spanische. Fast 150 Milliarden Euro hat die Zentralbank dafür ausgegeben. Geht ein Teil des Einkaufswerts verloren, ist sie selbst pleite, und Euroland muss sie auslösen. Unabhängig und unpolitisch war gestern.

Zunächst hat dieses Gebaren den führenden deutschen Notenbanker Axel Weber vertrieben, jetzt auch seinen Mitstreiter Jürgen Stark. Mit ihnen geht die urdeutsche Idee, dass Zentralbanker nicht Politiker spielen dürfen, weil sie sonst ihre Mission gefährden. Eigentlich müsste sich Berlin empören, aber nichts da. Vielmehr werden die Währungshüter durch zwei hochrangige Politikhelfer ersetzt, die viel Erfahrung haben – im Retten von Banken und Staaten. Der Zentralbankchef Jean-Claude Trichet darf im kalten Zorn seine hiesigen Kritiker beschimpfen, ohne dass die Regierung widerspricht. Die gegenseitige Abhängigkeit ist perfekt.

Nicht dass der honorige Franzose sich seine historische Entscheidung leicht gemacht hätte. Doch indem er die Rechnung übernimmt, lässt er Deutschland und die anderen Euro-Länder davonkommen mit ihrer Unfähigkeit zu entscheiden, wie es mit Athen und dem Euro dauerhaft weitergehen soll. Sie haben sich von Rettung zu Rettung geschleppt, aber immer nur zum halben Preis. Die wahren Kosten werden verschleiert, wann immer Trichet einkaufen geht.

Leser-Kommentare
    • Rex10
    • 16.09.2011 um 16:58 Uhr

    Einfach mal ganz nüchtern die Wahrheit sagen. Einfach mal aufhören, vom 3. Weltkrieg und allgemeinem Untergang zu schwadronieren.

    19 Leser-Empfehlungen
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    Hier wird mal wieder von der automatischen Bestrafung geredet ohne zu sagen wie diese Bestrafung aussehen soll und zwar weil es eine solche Bestrafung gar nicht sinnvoll geben kann. Wenn schon müsste man sich für eine demokratisch legitimierte Wirtschaftsregierung aussprechen, die die Haushaltsplanung der einzelnen Staaten einfach durchführt. Von einen solchen Schritt sind wir in Europa Jahrzehnte entfernt.

    Und dann wird auch noch die
    sinnlose Schuldenbremse erwähnt. Wir befinden uns in einem System das auf ewig exponentiell steigende Kredite angewiesen ist, da muss schon ein bisschen mehr kommen als eine Schuldenbremse, vor allen dann wenn man glaubt, dass wir dieses System einfach so fortführen könnten.

    Von der Erwähnung eines Schuldenschnittes mal abgesehen hat dieser Artikel keine wirklichen Lösungsansätze zu bieten.

    Hier wird mal wieder von der automatischen Bestrafung geredet ohne zu sagen wie diese Bestrafung aussehen soll und zwar weil es eine solche Bestrafung gar nicht sinnvoll geben kann. Wenn schon müsste man sich für eine demokratisch legitimierte Wirtschaftsregierung aussprechen, die die Haushaltsplanung der einzelnen Staaten einfach durchführt. Von einen solchen Schritt sind wir in Europa Jahrzehnte entfernt.

    Und dann wird auch noch die
    sinnlose Schuldenbremse erwähnt. Wir befinden uns in einem System das auf ewig exponentiell steigende Kredite angewiesen ist, da muss schon ein bisschen mehr kommen als eine Schuldenbremse, vor allen dann wenn man glaubt, dass wir dieses System einfach so fortführen könnten.

    Von der Erwähnung eines Schuldenschnittes mal abgesehen hat dieser Artikel keine wirklichen Lösungsansätze zu bieten.

  1. bestraft werden, sonst drohen Kungeleien unter den südländischen Ländern, die in der EU in der Mehrheit sind???

    Also, daß hört sich ja an wie in der Schule. Die schwachen Schüler kungeln untereinander, um den strengen Lehrer auszutriksen.

    Jeder Melodiegrandprix zeigt doch, wie untereinander gekungelt wird. Die Osteuropäer geben vorzugsweise ihre Stimmen an ihre Region, die Südeuropäer an u.s.w.

    Wenn da mal der Süden für den Norden stimmt oder der Osten für den Westen, erregt das Aufsehen.

    Nun ist das Europa-Parlament kein Melodie-Grand-Prix, leider geht es um Ernsteres als das schönste, beliebteste Lied.

    Aber das demokratische Abstimmen ist schon nicht schlecht, direkt und einmal im Jahr.

  2. Franz Hörmann & Margrit Kennedy: Zinsen, Schulden und der nächste Crash – Welches Geld hat noch Zukunft?

    http://goo.gl/gjLt4

    sehr empfehlenswert !

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    Ich habe mir den Link nur kurz angschaut, aber die Ideen sind ja nicht sonderlich neu, ich denke ddie gehen auf Silvia Gesell zurueck, was man bedenken muss, die Idee mit dem Geld, waere zur Zeiten der Deflation nicht schlecht, da es sich ja in einer Deflation lohnt Geld einfach zu halten, da es ja permanent an Wert zunimmt in Waren gemessen. Aber wir haben keine Deflation, das Geld verliert schon so an Wert. Und die Idee die Inflationsrate auf 0% zu beschraenken, fuehrt direkt in die Deflation. Und Land als Allgemeingut zu betrachten ist auch alles als effient, dass wuerde zu einer masslosen Uebernutzung fuehren (Tragedy of commons). Na ja von einer Architektin, darf man bzgl von Oekonomie nicht viel erwarten. Uebrigens jeder Schuld steht ein Vermoegen in gleicher Hoehe gegenueber, also die Welt kann nicht ueberschuldet sein. Aber na ja solche Binsenweisheiten geraten schon einmal in Vergessenheit.

    Ich habe mir den Link nur kurz angschaut, aber die Ideen sind ja nicht sonderlich neu, ich denke ddie gehen auf Silvia Gesell zurueck, was man bedenken muss, die Idee mit dem Geld, waere zur Zeiten der Deflation nicht schlecht, da es sich ja in einer Deflation lohnt Geld einfach zu halten, da es ja permanent an Wert zunimmt in Waren gemessen. Aber wir haben keine Deflation, das Geld verliert schon so an Wert. Und die Idee die Inflationsrate auf 0% zu beschraenken, fuehrt direkt in die Deflation. Und Land als Allgemeingut zu betrachten ist auch alles als effient, dass wuerde zu einer masslosen Uebernutzung fuehren (Tragedy of commons). Na ja von einer Architektin, darf man bzgl von Oekonomie nicht viel erwarten. Uebrigens jeder Schuld steht ein Vermoegen in gleicher Hoehe gegenueber, also die Welt kann nicht ueberschuldet sein. Aber na ja solche Binsenweisheiten geraten schon einmal in Vergessenheit.

  3. hat sich noch nicht ganz soweit vorgewagt.
    Ist dieser Artikel jetzt populistisch ?
    Tch würde ungern auf den Euro verzichten, weil er auch die deutschen Politiker zum sparen anregt. Es geht aber auch ohne.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dacapo
    • 16.09.2011 um 18:27 Uhr

    So einfach machen Sie sich das? Wenn es für Sie auch ohne Euro gehen sollte, aber wie ginge es der deutschen Wirtschaft, ohne einem Euro, mit der guten DM? Die DM wäre sicherlich hoch im Kurs, aber was dann?

    Und was wagt sich der Herr Rössler? Er wagt sich nicht, er macht auf ganz einfache Art Wahlkampf, will für die FDP ein paar Punkte hinzugewinnen. Das hat er ja offensichtlich geschafft.

    Anssonsten ist Herr Rössler einer unter mehreren Lausbuben in der FDP, hinter der dann ein paar Opas noch mehr Unordnung reinbringen, sodass alles durcheinander gerät.

    Dass eine solch kleine Partei soviel Unruhe stiften kann, ist ja nicht gerade gut zu verstehen oder nachzuvollziehen.
    Total überbewertet, mit viel Risiko.

    • dacapo
    • 16.09.2011 um 18:27 Uhr

    So einfach machen Sie sich das? Wenn es für Sie auch ohne Euro gehen sollte, aber wie ginge es der deutschen Wirtschaft, ohne einem Euro, mit der guten DM? Die DM wäre sicherlich hoch im Kurs, aber was dann?

    Und was wagt sich der Herr Rössler? Er wagt sich nicht, er macht auf ganz einfache Art Wahlkampf, will für die FDP ein paar Punkte hinzugewinnen. Das hat er ja offensichtlich geschafft.

    Anssonsten ist Herr Rössler einer unter mehreren Lausbuben in der FDP, hinter der dann ein paar Opas noch mehr Unordnung reinbringen, sodass alles durcheinander gerät.

    Dass eine solch kleine Partei soviel Unruhe stiften kann, ist ja nicht gerade gut zu verstehen oder nachzuvollziehen.
    Total überbewertet, mit viel Risiko.

  4. Entfernt. Bitte üben Sie Kritik sachlich und respektvoll. Danke. Die Redaktion/vn

  5. ..."Damit wird das Problem nur auf die Defizitländer verschoben. Für sie wird Konsolidierung unmöglich, es können nicht alle Sektoren Primärüberschüsse erzielen. Verstärken diese Länder dennoch ihre Sparbemühungen, ziehen sie sich tiefer in den Strudel: Die Wirtschaft schrumpft, die Zinsen steigen, die Staatsschuld auch. Gegen die Zinseszins-Mechanik hilft kein Sparen."

    "In neoliberaler Einfalt haben Ökonomen die dynamische Budgetbeschränkung nur dem Staat vorgehalten, den wichtigeren Unternehmenssektor vergessen. Statt auf Systemtherapie hat sich die EU auf die Symptomkur des Sparens fixiert, der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde zu einem Mechanismus der Selbstbeschädigung. Seine volle Wirkung entfaltet er, wenn gleichzeitig die Zinsen steigen und die Sparpolitik verschärft wird, wie seit 18 Monaten in Südeuropa und Irland."

    http://www.fr-online.de/m...

    Sparen am Volk wird zb Griechenland nicht helfen.
    Wichtiger wäre es, wirksam gegen Korruption und Schattenwirtschaft vorzugehen, um einen Schaden von jährlich 65 Milliarden Euro für Griechenland abzuwenden.
    Außerdem sollten (nicht nur) die Griechen konsequent vorgehen gegen Steuerhinterziehung, die sich auf ca. 30 Mrd. Euro jährlich summiert. Das entspricht ziemlich genau dem diesjährigen Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
    Die Griechen sollten überprüfen, ob sie 10 Mrd. Euro pa ausgeben müssen um 10 Millionen Griechen (vor wem?) zu beschützen.

  6. "Nicht dass der honorige Franzose sich seine historische Entscheidung leicht gemacht hätte. Doch indem er die Rechnung übernimmt, lässt er Deutschland und die anderen Euro-Länder davonkommen mit ihrer Unfähigkeit zu entscheiden, wie es mit Athen und dem Euro dauerhaft weitergehen soll."

    Abgesehen von der Frage nach Trichet's "Honorigkeit" ;

    Wer übernimmt denn die Rechnung letztendlich?
    Wer sind die Eigner der EZB?

    Zahlen - dürfen voll allem wir.

  7. Die Insolvenz Griechenlands stand bereits im Frühjahr 2010 als ernst zu nehmende Bedrohung im Raum. Befürchtungen in dieser Richtung haben sich seitdem nachfolgend fast schon im Quartalstakt als Wahrheit herausgestellt.

    Lediglich die Regierungen der Euroländer weigern sich bisher, diese Tatsache zur Kenntnis zunehmen. Mit der Gründung der EFSF, mit der Einflußnahme auf die EZB und mit anderen Manövern wurde lediglich dem Problem Zeit und Raum gegeben, noch weiter anzuwachsen - jetzt beißt es die Verantwortlichen in den Hintern.

    Wertvolle Zeit für die Schaffung von Rahmenbedingungen für staatliche Insolvenzen wurde vergeudet; nun steht man diesbezüglich im Hemd in Regen und Kälte. Aus einer Erkältung droht jetzt eine Lungenentzündung zu werden.

    Vielen Dank, liebe Politiker.

    12 Leser-Empfehlungen
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    ...es hat ein jährliches Potential von gut 100 Milliarden Euro (wie in #6 ausgeführt)- ohne zu privatisieren und ohne Sozialausgaben für die einfachen Bürger auch nur anzutasten.

    Wenn sich dann die EU und ihre Staaten endlich dazu durchringen könnten, die Zinswucher-Wetten gegen den Euro und die einzelnen EU-Staaten endlich zu unterbinden, könnten wir Europäer in Ruhe und ohne Not das Schuldenproblem angehen und lösen. Auch die reichsten Griechen müssen begreifen, dass sie bei der Rettung mithelfen müssen. Das klappt nicht, wenn ihre 300 Milliarden 'sicher' vor dem Staat auf schweizer Konten schlummern.

    Portugal kann ebenfalls nicht pleite sein, denn es sitzt auf großen Goldreserven in zweifacher Milliardenhöhe.

    • cegog
    • 16.09.2011 um 18:25 Uhr

    Da stimme ich völlig mit Ihnen überein. Im Frühjahr 2010 wurde unwiderbringlich die Gelegenheit versäumt, das kleine Griechenland zeitnah in eine geordnete Insolvenz mit eigener Währung zu entlassen.

    Erstens standen die anderen Südländer und Irland noch nicht so im Fokus, es bestand daher die berechtigte Hoffnung, das griechische Problem zu isolieren.
    Zweitens wären in diesem Falle CDS fällig geworden, wobei sich so einige Spekulanten finanziell gehörig die Finger verbrannt hätten. Das wäre ein m.E. ein wirkungsvolles Signal gewesen: Der europäische Steuerzahler rettet nicht um buchstäblich jeden Preis.
    Dasselbe Signal wäre auch bei den Schuldenländern angekommen, deren Regierungschefs (z.B. Berlusconi) Konsolidierungsprogramme gerne vor sich herschieben.

    Vermutlich hätte dies so manche unsägliche Diskussion über Auflagen, Schuldenbremsen, Wirtschaftsregierung usw. überflüssig gemacht.

    Ich meine, gleich hier, zu Beginn der europ. Schuldenkrise liegt Merkels größter, nicht wieder gutzumachender Fehler. Ab diesem Zeitpunkt konnte sie nur noch reagieren und ließ sich von Sarkozy zunehmend am Nasenring herumführen.

    ...es hat ein jährliches Potential von gut 100 Milliarden Euro (wie in #6 ausgeführt)- ohne zu privatisieren und ohne Sozialausgaben für die einfachen Bürger auch nur anzutasten.

    Wenn sich dann die EU und ihre Staaten endlich dazu durchringen könnten, die Zinswucher-Wetten gegen den Euro und die einzelnen EU-Staaten endlich zu unterbinden, könnten wir Europäer in Ruhe und ohne Not das Schuldenproblem angehen und lösen. Auch die reichsten Griechen müssen begreifen, dass sie bei der Rettung mithelfen müssen. Das klappt nicht, wenn ihre 300 Milliarden 'sicher' vor dem Staat auf schweizer Konten schlummern.

    Portugal kann ebenfalls nicht pleite sein, denn es sitzt auf großen Goldreserven in zweifacher Milliardenhöhe.

    • cegog
    • 16.09.2011 um 18:25 Uhr

    Da stimme ich völlig mit Ihnen überein. Im Frühjahr 2010 wurde unwiderbringlich die Gelegenheit versäumt, das kleine Griechenland zeitnah in eine geordnete Insolvenz mit eigener Währung zu entlassen.

    Erstens standen die anderen Südländer und Irland noch nicht so im Fokus, es bestand daher die berechtigte Hoffnung, das griechische Problem zu isolieren.
    Zweitens wären in diesem Falle CDS fällig geworden, wobei sich so einige Spekulanten finanziell gehörig die Finger verbrannt hätten. Das wäre ein m.E. ein wirkungsvolles Signal gewesen: Der europäische Steuerzahler rettet nicht um buchstäblich jeden Preis.
    Dasselbe Signal wäre auch bei den Schuldenländern angekommen, deren Regierungschefs (z.B. Berlusconi) Konsolidierungsprogramme gerne vor sich herschieben.

    Vermutlich hätte dies so manche unsägliche Diskussion über Auflagen, Schuldenbremsen, Wirtschaftsregierung usw. überflüssig gemacht.

    Ich meine, gleich hier, zu Beginn der europ. Schuldenkrise liegt Merkels größter, nicht wieder gutzumachender Fehler. Ab diesem Zeitpunkt konnte sie nur noch reagieren und ließ sich von Sarkozy zunehmend am Nasenring herumführen.

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