Nahost-Konflikt Feind wird Mensch
Israel will die Anerkennung Palästinas verhindern. Es begreift die Chance des Arabischen Frühlings nicht.
© Hazem Bader/AFP/Getty Images

Israelische Soldaten an einem Checkpoint in der Nähe von Hebron.
Auch das ist der Arabische Frühling: Es brennt die israelische Botschaft in Kairo, jüdische Mitarbeiter müssen aus Angst vor einem ägyptischen Mob fluchtartig das Land verlassen; im Süden Israels töten Raketen Menschen, in der Türkei wird der israelische Botschafter ausgewiesen. Das ist keine zufällige Verkettung einzelner Konflikte. Aus Israels Sicht sind die Ereignisse in der muslimischen Welt außer Kontrolle geraten und bedrohen den jüdischen Staat.
Aber die größte Herausforderung steht Israel kommende Woche noch bevor: Der Versuch des palästinensischen Präsidenten Machmud Abbas, eine Vollmitgliedschaft seines Landes bei den Vereinten Nationen zu erstreiten. Es würde faktisch die Anerkennung Palästinas bedeuten.
Israels Regierung hat mit der Weigerung, sich ernsthaft mit einer Zwei-Staaten-Lösung zu befassen, die Palästinenser erst dazu getrieben, einseitige Schritte zu unternehmen. Die Palästinenser wiederum spekulieren darauf, dass am Tag nach dem 20. September die arabische Welt sich wegen des schon angekündigten Neins Amerikas und anderer westlicher Mächte empören und ihre Solidarität mit den Brüdern in Palästina zeigen wird; dabei haben ihre Regierungen selbst jahrzehntelang wenig dafür getan, die Situation der palästinensischen Flüchtlinge in ihren Ländern menschenwürdiger zu gestalten.
Es gibt auch ein anderes Israel, das die ewige Politik der Vergeltung satthat
Die Folgen dieser Politik sind gefährlich, nicht nur, weil sie enttäuschte Palästinenser auf die Straßen treiben dürften. Die muslimische Solidarität könnte sich in Zorn entladen, der Israel heftig trifft. Einerseits, weil der jüdische Staat in der Region verhasst ist. Andererseits, weil die israelische Regierung seit dem Beginn des Arabischen Frühlings keine Sprache für die neuen Ereignisse gefunden hat. Eine neue politische Lage entstand – aber Israel antwortete mit der alten Politik.

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Premierminister Benjamin Netanjahu hat alle Chancen für eine Kursänderung vorbeiziehen lassen. Er will nicht wahrhaben, dass sich etwas Grundlegendes ändert: Die arabischen Völker erheben sich und verlangen nach Demokratie. Araber und Demokratie, das war vermutlich für viele Israelis ein ähnlich widersprüchliches Wortpaar wie Hoffnung und Naher Osten. So führt sich Netanjahu mitten in der Revolution auf wie ein trauriger Besitzstandswahrer – aber im Umsturz lässt sich nicht business as usual betreiben.
Man sollte nicht vergessen, dass es auch ein anderes Israel gibt. Dieses Israel ist es leid, dass Politik zu Siedlungsthemen und Vergeltungsmanövern gerinnt. Zu Hunderttausenden demonstrierten die Menschen in Israel in diesem Sommer. Ihnen ging es nicht um Gaza, auch nicht um Ägypten oder Syrien. Aber sie zeigten, wie das jüdische Land sich von der Aufbruchstimmung in der arabischen Welt anstecken lässt, wie Ausweglosigkeit sich in Hoffnung verwandeln kann. Netanjahu erklärte diese Hoffnung zur Gefahr. Er hält an seiner Politik der Angst fest.
Der Angriff auf die israelische Botschaft in Kairo schürt diese Angst. Noch nie, mit Ausnahme der Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979, ereignete sich solch ein Vorfall. Dass ein Land Botschaftsangehörige nicht schützen kann oder will, ist unerhört.
- Datum 18.09.2011 - 18:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.9.2011 Nr. 38
- Kommentare 74
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Ist nicht die Hamas die gewählte Regierung? Die kämpfen eigentlich GEGEN diesen UNO-Gang. Woher nimmt Abbass sich das Recht die Unabhängigkeit von der UNO zu verlangen?
Und war es nicht seine Partei, die die Osloer Verträge unterschrieben hat? Wieso bricht man jetzt diese Verträge? Israel hat sich an diese Verträge immer gehalten. Jetzt wird sich das wohl ändern. Wer wird danach Palästina finanzieren? Wieder Europa?
"Wieso bricht man jetzt diese Verträge? Israel hat sich an diese Verträge immer gehalten."
Der Witz war gut. Israel hat sich keine Sekunde an die Oslo-Verträge gehalten. Es hat, von Anfang an, mehr palästinensisches Land enteignet und seinen Siedlungen einverleibt, als es den Palästinensern zur Selbstverwaltung übergeben hat.
"Wer wird danach Palästina finanzieren? Wieder Europa?"
Warum nicht? Wir können ja dafür das Geld nehmen, was wir bisher Israel gegeben haben. Das steht ja nach eigenem bekunden auf eigenen Bein ... mal sehen, wie fest.
Tatsächlich tun wir sogar gut daran, die Palästinenser zu unterstützen, denn die arabischen Golfstaaten, die Chinesen und die anderen Schwellenländer warten nur darauf, nicht nur Geld, sondern auch Einfluss auf die Westbank zu bringen.
Entfernt. Bitte gehen Sie sachlicher auf andere Beiträge ein. Danke, die Redaktion/se
"Wieso bricht man jetzt diese Verträge? Israel hat sich an diese Verträge immer gehalten."
Der Witz war gut. Israel hat sich keine Sekunde an die Oslo-Verträge gehalten. Es hat, von Anfang an, mehr palästinensisches Land enteignet und seinen Siedlungen einverleibt, als es den Palästinensern zur Selbstverwaltung übergeben hat.
"Wer wird danach Palästina finanzieren? Wieder Europa?"
Warum nicht? Wir können ja dafür das Geld nehmen, was wir bisher Israel gegeben haben. Das steht ja nach eigenem bekunden auf eigenen Bein ... mal sehen, wie fest.
Tatsächlich tun wir sogar gut daran, die Palästinenser zu unterstützen, denn die arabischen Golfstaaten, die Chinesen und die anderen Schwellenländer warten nur darauf, nicht nur Geld, sondern auch Einfluss auf die Westbank zu bringen.
Entfernt. Bitte gehen Sie sachlicher auf andere Beiträge ein. Danke, die Redaktion/se
Der Antisemitismus in diesen Staaten sitzt tief, nicht zu letzt durch die Hetze der bis dato regierenden Machthaber.
Ein gesundes Misstrauen auf israelischer Seite ist wohl angebracht.
So sehr man den Muslimen auch eine gelingende Demokratie wünschen mag, so ungewiss ist doch wieder einmal der Ausgang dieses Experimentes, dessen Ergebnis abzuwarten bleibt.
Ja, das bleibt wirklich abzuwarten. Gil Yaron hat es in einem Kommentar in der FAZ sehr schön so auf den Punkt gebracht: "Demokratie in Arabien [ist] nicht gleichbedeutend mit Toleranz, Frieden und Wohlstand."
http://www.faz.net/artike...
(Hatte ich schon mal irgendwo hier gepostet, ja ich weiß.)
Antisemitismus ist ein Importprodukt des Westens... Dazu braucht man nur ein wenig Recherche in Historie betreiben.
Die "Semitenphobie" einer Welt, deren angehörige bzw. " Glaubensbrüder " seit Jahren unter menschenunwürdigen Zuständen leben, kann ich halbwegs nachvollziehen.
Israel muss eine neue Brille aufsetzen und seine Philosophie ändern. Die Rolle des "ungezogenen" Kindes zieht nicht mehr.
Ich hoffe, dass sich die nächsten Wochen für den Weltfrieden positiv auswirken.
Lg
Vielleicht sollte man sich vorher genau darüber informieren, was Antisemitismus bedeutet. Araber sind auch Semiten und demzufolge ich bezweifle stark, dass sie Antisemiten sind.
Kleiner Schreibfehler im vorigen Kommentar :)
Ja, das bleibt wirklich abzuwarten. Gil Yaron hat es in einem Kommentar in der FAZ sehr schön so auf den Punkt gebracht: "Demokratie in Arabien [ist] nicht gleichbedeutend mit Toleranz, Frieden und Wohlstand."
http://www.faz.net/artike...
(Hatte ich schon mal irgendwo hier gepostet, ja ich weiß.)
Antisemitismus ist ein Importprodukt des Westens... Dazu braucht man nur ein wenig Recherche in Historie betreiben.
Die "Semitenphobie" einer Welt, deren angehörige bzw. " Glaubensbrüder " seit Jahren unter menschenunwürdigen Zuständen leben, kann ich halbwegs nachvollziehen.
Israel muss eine neue Brille aufsetzen und seine Philosophie ändern. Die Rolle des "ungezogenen" Kindes zieht nicht mehr.
Ich hoffe, dass sich die nächsten Wochen für den Weltfrieden positiv auswirken.
Lg
Vielleicht sollte man sich vorher genau darüber informieren, was Antisemitismus bedeutet. Araber sind auch Semiten und demzufolge ich bezweifle stark, dass sie Antisemiten sind.
Kleiner Schreibfehler im vorigen Kommentar :)
daß die israelische Regierung die Gunst der Stunde nicht wahrgenommen hat.
Es haben ja so gut wie alle arabischen Staaten Ressentiments gegen die Politik, gar die Existenz Israels, die oft genug den Charakter eines Phantomschmerzes haben - welchen konkreten Hintergrund hätte das denn z.B. in Marokko?
Aber zum Punkt: man stelle sich nur mal vor, wie wunderbar diesen Phantom-Ressentiments jede Grundlage entzogen worden wäre, hätte Israel im, sagen wir, Mai einen sofortigen Baustop in den besetzten Gebieten verfügt und sich endlich zu fairen Verhandlungen mit den Palästinensern bequemt - als Reaktion auf den arabischen Frühling.
Aber leider ist das alles Konjunktiv und Träumerei - diese Chance auf mehr Frieden im Nahen Osten wurde zugunsten einer rechtsgerichteten, rückschrittlichen, gewalttätigen und ängstlichen Politik verpasst und verschenkt.
Den Israelis, den Palästinensern und den an Israel angrenzenden Staaten ist ein Regierungswechsel in Israel zu wünschen - mit Bibi und Lieberman wird das alles nix werden.
...und wird es immer sein. Man sollte vorsichtig sein, das vom bequemen deutschen Standpunkt aus zu beurteilen. Selbst wenn man mal die Geschichte ganz außen vor läßt. Israel tut gut daran, nicht allzuviel auf die Meinung der Welt zu geben, denn seine Existenz kann ihm weder die USA, schon gar nicht die UN sondern nur das eigene Volk sichern.
"Dieses Land ist nunmal von Feinden umgeben und wird es immer sein." Dieser Meinung ist Israel tatsächlich und verschläft damit die Veränderung der Welt. So lässt sich zwar Israels Militarismus als Selbstzweck aufrecht erhalten, aber eben nicht für die Zukunft bereit sein. Es wird Israels Schaden sein. Bedauerlich, denn das hätte nicht sein müssen ...
!Israel tut gut daran, nicht allzuviel auf die Meinung der Welt zu geben, denn seine Existenz kann ihm weder die USA, schon gar nicht die UN sondern nur das eigene Volk sichern."
Tatsächlich war es immer die Sicherheitsgarantie der USA und das Geld des Westens, auf das Israel sich stets verlassen hat. Ohne das Geld aus der USA und der EU wäre Israel ebenso wenig lebensfähig wie die Palästinenser ... nur wächst heute die Wirtschaft auf der Westbank ebenso wie die Bildung der Palästinenser, während das alles in Israel stagniert und sie sozialen Spannungen das Land z u zerreißen drohen.
dies land ist mit unterstützung von aussen entstanden und darauf dringend angewiesen.
zumindest solange bis es zu einem vernünftigen umgang mit
seinen nachbarn findet.
"Dieses Land ist nunmal von Feinden umgeben und wird es immer sein." Dieser Meinung ist Israel tatsächlich und verschläft damit die Veränderung der Welt. So lässt sich zwar Israels Militarismus als Selbstzweck aufrecht erhalten, aber eben nicht für die Zukunft bereit sein. Es wird Israels Schaden sein. Bedauerlich, denn das hätte nicht sein müssen ...
!Israel tut gut daran, nicht allzuviel auf die Meinung der Welt zu geben, denn seine Existenz kann ihm weder die USA, schon gar nicht die UN sondern nur das eigene Volk sichern."
Tatsächlich war es immer die Sicherheitsgarantie der USA und das Geld des Westens, auf das Israel sich stets verlassen hat. Ohne das Geld aus der USA und der EU wäre Israel ebenso wenig lebensfähig wie die Palästinenser ... nur wächst heute die Wirtschaft auf der Westbank ebenso wie die Bildung der Palästinenser, während das alles in Israel stagniert und sie sozialen Spannungen das Land z u zerreißen drohen.
dies land ist mit unterstützung von aussen entstanden und darauf dringend angewiesen.
zumindest solange bis es zu einem vernünftigen umgang mit
seinen nachbarn findet.
Gegen die Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch Israel. Für Menschenwürde, Gleichberechtigung und gegen die Schikane.
http://www.youtube.com/wa...
Abbas telling his view about Israel!!!
Please have a look...
im Nahen Osten, aber eben nur für israelische Staatsangehörige. Für die Palästinenser in der Westbank und
in Gaza war und ist Israel eine grausame Militärdiktatur.
Warum sollten die Menschen in den arabischen Ländern mit ihren neuen Freiheiten diese Militärdiktatur akzeptieren?
Und warum sollten sie die Unterstützung des Westens für diese Militärdiktatur akzeptieren?
Dank neuer Medien sind sie durchaus über die alltägliche
Gewalt der Besatzungsmacht informiert.
Die Unterdrückung, Entwürdigung und Entrechtung der Palästinenser durch die Besatzung passt einfach nicht mehr in die heutige Zeit.
Leider haben es israelische Regierungen und ihre Unterstützer im Westen verpasst, die Besatzung in zukunftsträchtige Lösungen zu transformieren. Jetzt ist es zu spät.
lieber..äh..stier,
"Jetzt ist es zu spät."
wenn man sowas liest, möchte man einfach den kopf schütteln.
waren sie jemals in israel? haben sie bekannte dort, sind sie über die örtlichen gegebenheiten aus lokalen quellen informiert, haben sie mit israelis/palästinensern sprechen können?
oder beziehen sie ihre meinung aus der dt./europ. presse? wenn letzteres zutrifft...heißa!
niemand will da unten krieg. NIEMAND! beide seiten sind sich der gefahren bewusst, und man kennt den blutzoll, den eskalationen mit sich führen.
aber, es mag sie erstaunen, die eskalation, wenngleich von der politischen/journalistischen seite minütlich herbeigeredet...sie ist nicht da. tausend "aufgebrachte" ägypter..schön. krieg deswegen? mitnichten.
stellen sie sich mal in jafo vor's minarett der al-bahr -moschee wenn der muezzin sich anschickt, ins mikro zu rufen. schließen sie dann mal die augen..sie werden denken, sie sind im tiefsten, tiefsten orient. und das mitten im herzen der grausamen militärdiktatur israel.
meine güte, bissel weniger beschränkt, liebe leute.
netanjahu und sein bekloppter bulgare sind nicht sieben millionen israelis!
שלום!
moldawe, der schläger ist moldawe. pardon:)
lieber..äh..stier,
"Jetzt ist es zu spät."
wenn man sowas liest, möchte man einfach den kopf schütteln.
waren sie jemals in israel? haben sie bekannte dort, sind sie über die örtlichen gegebenheiten aus lokalen quellen informiert, haben sie mit israelis/palästinensern sprechen können?
oder beziehen sie ihre meinung aus der dt./europ. presse? wenn letzteres zutrifft...heißa!
niemand will da unten krieg. NIEMAND! beide seiten sind sich der gefahren bewusst, und man kennt den blutzoll, den eskalationen mit sich führen.
aber, es mag sie erstaunen, die eskalation, wenngleich von der politischen/journalistischen seite minütlich herbeigeredet...sie ist nicht da. tausend "aufgebrachte" ägypter..schön. krieg deswegen? mitnichten.
stellen sie sich mal in jafo vor's minarett der al-bahr -moschee wenn der muezzin sich anschickt, ins mikro zu rufen. schließen sie dann mal die augen..sie werden denken, sie sind im tiefsten, tiefsten orient. und das mitten im herzen der grausamen militärdiktatur israel.
meine güte, bissel weniger beschränkt, liebe leute.
netanjahu und sein bekloppter bulgare sind nicht sieben millionen israelis!
שלום!
moldawe, der schläger ist moldawe. pardon:)
http://www.youtube.com/wa...
Understading the root of the issue!!!
and unfortunately this video is just another piece of this shitty game.
....einmal den Film (Blut für Wasser) an: http://www.youtube.com/wa...
Vielleicht leuchtet Ihnen dann ein, warum die Palästinenser auf die UN hoffen.
Israel hat viele Chancen zu einem dauerhaften Frieden einfach verstreichen lassen und wie weiter oben schon gesagt wurde, auch in diesem Jahr wieder mit der Bebauung im Westjordanland weitergemacht. Dies schafft kein Vertrauen in die isr. Regierung als Verhandlungspartner.
and unfortunately this video is just another piece of this shitty game.
....einmal den Film (Blut für Wasser) an: http://www.youtube.com/wa...
Vielleicht leuchtet Ihnen dann ein, warum die Palästinenser auf die UN hoffen.
Israel hat viele Chancen zu einem dauerhaften Frieden einfach verstreichen lassen und wie weiter oben schon gesagt wurde, auch in diesem Jahr wieder mit der Bebauung im Westjordanland weitergemacht. Dies schafft kein Vertrauen in die isr. Regierung als Verhandlungspartner.
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