Psychologie : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Heinrich Heine sagt: Es gibt nichts Stilleres als eine geladene Kanone.

Das erste Mobbing-Opfer dieser Erde war ein ungeschickter Fuchs. Eigentlich wollte er Gänse angreifen, doch die bildeten einen Mob und jagten den Fuchs davon. Beobachter dieser Szene war der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, und ihm fiel dafür ein Begriff ein: Mobbing. In der heutigen Arbeitswelt läuft es umgekehrt. Die Starken greifen die Schwachen an . Nach einer Studie des Psychologen Prof. Dieter Zapf hat bei sieben von zehn Mobbing-Fällen ein Vorgesetzter seine Finger im Spiel.

Mobbing kann harmlos beginnen: Die Kollegen gehen zum Mittagessen, doch einen lassen sie zurück. Dann werden vergiftete Scherze über ihn gerissen.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Schließlich behandelt man ihn wie Luft; Heine würde sagen: »Es gibt nichts Stilleres als eine geladene Kanone.« Weil Infos an dem Mitarbeiter vorbeilaufen, macht er Fehler. Weil er Fehler macht, wird er angegriffen. Weil er angegriffen wird, schwindet sein Selbstvertrauen... Am Ende landet er in einem schäbigen Büro am Flurende. Dort weist man ihm Arbeiten zu, die ihn überfordern (unrealistische Termine), demütigen (Kopien machen) oder zu Tode langweilen (zehn Minuten Arbeit für acht Stunden). Der Mitarbeiter wird krank . Oder löst den Kanonenschuss selbst aus, indem er kündigt. Das spart der Firma die Abfindung.

Mobbing ist wie ein Schimmelpilz: Es wächst nur in bestimmtem Klima. Wenn Firmen ältere Mitarbeiter rausekeln, Konkurrenzkampf fördern oder Leiharbeiter ausbeuten, ist das Dünger fürs Mobbing. Mal gibt der direkte Vorgesetzte einen Mitarbeiter selbst zum Abschuss frei, etwa durch überzogene Kritik. Mal schaut er den Angriffen tatenlos zu, was als Zustimmung gewertet wird. Oder er bekommt das Mobbing erst gar nicht mit, was ihn als Führungskraft disqualifiziert.

Die Kultur einer Firma, die Haltung eines Vorgesetzten, die Courage der Kollegen: Das sind die besten Waffen gegen Mobbing im Beruf. Wo sich die Mehrheit hinter dem Angegriffenen versammelt, wo Vorgesetzte beherzt einschreiten, wo ein tägliches Miteinander gelebt wird: Dort hat Mobbing so wenig Chancen wie ein Schimmelpilz im Trockenen.

Und was kann der Gemobbte selbst tun? Seinen Angreifer früh zur Rede stellen : »Ich habe gehört, du verbreitest folgendes Gerücht über mich... Warum tust du das?« So zeigt er sich wehrhaft. Manches Mobbing-Feuer lässt sich austreten, ehe ein Flächenbrand daraus wächst.

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Soweit korrekt

"Nach einer Studie des Psychologen Prof. Dieter Zapf hat bei sieben von zehn Mobbing-Fällen ein Vorgesetzter seine Finger im Spiel." Ja, aber der Rest wird sehr theoretisch. Was, wenn besagter Vorgesetzer sich bei seinen Vorgesetzten, durch welche Händel auch immer, unentbehrlich gemacht hat, wenn allen Umgangsrichtlinien zum Trotz ein Netzwerk "alter KameradInnen" ab einer gewissen Hierarchieebene Entscheidungen unter sich ausmacht. Dann steht der einfache Angestellte ziemlich dumm da. Besonders auch dann, wenn mobbende Vorgesetze Geschick bei ihrem Tun haben, und sich nicht bei formalen Entgleisungen oder vor Zeugen erwischen lassen. Im Zweifel steht dann höchstens noch Aussage gegen Aussage und dabei sticht Ober noch immer Unter.

Na herzlichen Dank

auch für diesen Artikel. Wenn das die Kernthesen des Autors sein sollen, dann sehe ich jetzt, warum Coaches teilweise einen schlechten Ruf haben.

Den Mobbenden früh zur Rede stellen... Ja natürlich. Aber das ist doch völlig unrealistisch. Wenn eine Person das Selbstbewusstsein hat, jemandem so etwas ins Gesicht zu sagen, dann wird er kein Mobbingopfer.

Da ist es im Beruf wie auf dem Schulhof. Wer selbstbewusst, extrovertiert und sozial akzeptiert ist, der kann Fehler machen, ohne gemobbt zu werden. Denn so jemand würde sich wehren. Gemobbt, ob in Schule oder Beruf wird nur der, von dem die Täter genau wissen, dass er sich nicht wehren wird.

Von daher ordne ich diesen Artikel großteilig der Kategorie "guter Ratschlag" zu.

Mobbingopfer

werden auch die scheinbar Selbstbewussten und Extrovertierten, sie brauchen nur auf bestimmte Konstellationen einer Gruppe stoßen und jemanden, der die Strömungen in der Gruppe geschickt für sich zu nutzen weiß. Der Initiator/die Initiatorin des Mobbens muss auch keine starke Persönlichkeit haben, oft ist das Gegenteil der Fall, eben weil besagte Initiatoren die Stärke des Mobbingopfers fürchten und sie ihre Position sichern wollen.

Richtig ist, dass der Chef/die Lehrer oder andere 'Vorgesetzte' oft dem Treiben tatenlos zusehen, zu lange abwarten oder sich aus verschiedenen Gründen auf die Seite der Mobbenden - es sind im Verlauf der Geschichte immer mehrere - stellen. Auch dieses Verhalten zeugt sicherlich nicht von Führungsstärke.
Sich zur Wehr zu setzen, in dem man offensiv den/die Mobber auf ihr Verhalten anspricht, kann durchaus ein Teil der Verteidigungsstrategie sein. Ein Satz wie "Ich habe gehört,dass... warum tust du das?" , ist allerdings nicht sehr wirkungsvoll - offensiv wäre in diesem Fall "Du hast schon des öfteren über mich dieses oder jenes behauptet. Nichts stimmt davon. Ich fühle mich von dir gemobbt!" Dieser Angriff kann durchaus im Sinne des Opfers wirksam sein, weil das Wort 'Mobbing' mittlerweile für keinen mehr ein Fremdwort ist. Weiterhin ist es natürlich wirksam, an seiner eigenen Lobby zu arbeiten.

Nicht fragen

>>>Ein Satz wie "Ich habe gehört,dass... warum tust du das?" , ist allerdings nicht sehr wirkungsvoll<<<

So ist es, mit so einer Formulierung bringe ich mich in Abhängigkeit vom Gegenüber, und eine ehrliche Antwort der Art:" Ich mache das, weil ich meinen Status von Deiner Stärke bedroht sehe und ihn sichern will" ist eh nicht zu erwarten. Besser ist es, nicht zu fragen und nur die eigene Position klarzustellen.

Mobbing-Motive sind jedoch nicht einheitlich, neben der Statussicherung und der Angst vor Konkurrenz gibt es einfach Menschen, die aus der Herabwürdigung anderer einen psychischen Nutzen für sich ziehen. In jedem Fall ist das ein Zeichen der Schwäche und des Defizits.

Bahnbrechende Erkenntnis!

Auch nach der Titeländerung von "Courage hilft gegen Mobbing" zu "Das Zitat... und Ihr Gewinn" (was ja im Text auch gleich tief verankert wird, mit dem alten Titel und dem Artikeltext inhaltlich äußerst eng verwandt und daher auch naheliegend ist), bin ich vom innovativen, floskelfreien Inhalt dieses Werks, wie auch der anderen ähnlicher Art immer wieder aufs Neue begeistert.

Lesen Sie morgen in diesem Resort weitere, folgende, augenöffnende Beiträge:

"Essen hilft gegen Hunger"
"Freunde helfen gegen Einsamkeit"

(Werden später umbenannt zu "Die Teekanne... und Ihre Familie" sowie "Der Stuhl... und Ihre Ferien").