Das erste Mobbing-Opfer dieser Erde war ein ungeschickter Fuchs. Eigentlich wollte er Gänse angreifen, doch die bildeten einen Mob und jagten den Fuchs davon. Beobachter dieser Szene war der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, und ihm fiel dafür ein Begriff ein: Mobbing. In der heutigen Arbeitswelt läuft es umgekehrt. Die Starken greifen die Schwachen an . Nach einer Studie des Psychologen Prof. Dieter Zapf hat bei sieben von zehn Mobbing-Fällen ein Vorgesetzter seine Finger im Spiel.

Mobbing kann harmlos beginnen: Die Kollegen gehen zum Mittagessen, doch einen lassen sie zurück. Dann werden vergiftete Scherze über ihn gerissen.

Schließlich behandelt man ihn wie Luft; Heine würde sagen: »Es gibt nichts Stilleres als eine geladene Kanone.« Weil Infos an dem Mitarbeiter vorbeilaufen, macht er Fehler. Weil er Fehler macht, wird er angegriffen. Weil er angegriffen wird, schwindet sein Selbstvertrauen... Am Ende landet er in einem schäbigen Büro am Flurende. Dort weist man ihm Arbeiten zu, die ihn überfordern (unrealistische Termine), demütigen (Kopien machen) oder zu Tode langweilen (zehn Minuten Arbeit für acht Stunden). Der Mitarbeiter wird krank . Oder löst den Kanonenschuss selbst aus, indem er kündigt. Das spart der Firma die Abfindung.

Mobbing ist wie ein Schimmelpilz: Es wächst nur in bestimmtem Klima. Wenn Firmen ältere Mitarbeiter rausekeln, Konkurrenzkampf fördern oder Leiharbeiter ausbeuten, ist das Dünger fürs Mobbing. Mal gibt der direkte Vorgesetzte einen Mitarbeiter selbst zum Abschuss frei, etwa durch überzogene Kritik. Mal schaut er den Angriffen tatenlos zu, was als Zustimmung gewertet wird. Oder er bekommt das Mobbing erst gar nicht mit, was ihn als Führungskraft disqualifiziert.

Die Kultur einer Firma, die Haltung eines Vorgesetzten, die Courage der Kollegen: Das sind die besten Waffen gegen Mobbing im Beruf. Wo sich die Mehrheit hinter dem Angegriffenen versammelt, wo Vorgesetzte beherzt einschreiten, wo ein tägliches Miteinander gelebt wird: Dort hat Mobbing so wenig Chancen wie ein Schimmelpilz im Trockenen.

Und was kann der Gemobbte selbst tun? Seinen Angreifer früh zur Rede stellen : »Ich habe gehört, du verbreitest folgendes Gerücht über mich... Warum tust du das?« So zeigt er sich wehrhaft. Manches Mobbing-Feuer lässt sich austreten, ehe ein Flächenbrand daraus wächst.