Rohstoffe Quälende Tatsachen
Seite 3/3:

Ohne Not ändern nur die wenigsten ihre Lebensweise

Aber ebenso offensichtlich ist, dass viele Menschen im Süden längst in einer solchen Diktatur leben. Um ein paar Dollars zu verdienen, müssen sie ihre Gesundheit opfern. Sie kennen keine Altersvorsorge, keine Krankenversicherung, keine Ferien.

Viele von ihnen würden zu Georgescu-Roegens Programm begeistert Ja sagen. Denn sie könnten nur gewinnen. Verlierer wären wir, zum Beispiel in der Schweiz. Unsere Privilegien, Chancengleichheit und Meinungsfreiheit wurden damit erkauft, dass jemand auf diese Privilegien verzichten musste.

Anzeige

Das alles ist bekannt. Die unangenehmen Tatsachen liegen auf dem Tisch. Die Frage ist, was wir damit anfangen.

Wir wissen, was zu tun wäre, aber wir haben Angst davor. Ohne Not ändern nur die wenigsten ihre Lebensweise. Und deshalb ist es einfacher, die Wirklichkeit zu leugnen und mit falschen Begriffen zu verhüllen. Aber solange wir weiter so tun, als verfügten wir über unendliche Ressourcen, als sei unbeschränktes Wachstum möglich und als dürften Rohstoffkonzerne ganze Länder ausplündern, so lange können wir die Probleme nicht lösen.

Georgescu-Roegen war ein Pessimist. Und ein bisschen auch ein Poet. Er glaubte nicht an die Umsetzung seiner Forderungen. Vielleicht, so beschließt er seinen Essay, sei dem Menschengeschlecht eine kurze, hitzige und extravagante statt einer langen, ereignislosen und vegetativen Existenz beschieden. Und dann würden andere Arten ohne spirituelle Ambitionen – Amöben zum Beispiel – unsere Welt erben und im Sonnenlicht baden.

Dieser Essay des Schriftstellers Lukas Bärfuss ist ein leicht gekürzter Vorabdruck aus dem Buch »Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz«, herausgegeben von der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Es erscheint am 19. September im Zürcher Salis-Verlag.

 
Leser-Kommentare
  1. es steigt nach oben.

    Eine Leser-Empfehlung
    • checki
    • 19.09.2011 um 19:37 Uhr

    aberallerhöchste zeit, besser heute als morgen.
    erst wenn man wieder unten angekommen ist, erfährt man die realität des normalen menschenleben wieder, mehr zu respektieren und die umwelt, zu schätzen wie sie ist.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Es hilft dem Inhalt nicht, wenn man ihn so unbeholfen mit physikalischen Prinzipien unterfüttert. Dass es auf der Erde Leben gibt, liegt unter anderem an dem besonderen Abstand zur Sonne, durch den wir jede Menge Energie frei Haus bekommen. Viel mehr als wir verbrauchen. Energieerhaltung ist deswegen im Moment noch kein Problem. Ebensowenig Entropieerhöhung, denn lokal können wir durch Energieeinsatz die Entropie erniedrigen (das passiert ständig, zum Beispiel, wenn man Edelgase aus der Atmosphäre gewinnt: aus der Mischung (Zustand mit hoher Entropie) zum reinen Edelgas (Zustand mit niedriger Entropie); insgesamt wird durch die Abgabe von Wärme bei dem Einsatz von Energie in dem Prozess aber die Entropie erhöht).

    Viel wichtiger als die Physik scheint mir für das Thema unser Verhältnis zu Menschen in anderen Ländern zu sein: respektieren wir deren Recht auf ein würdiges Leben, oder ist uns unser Wohlstand und unsere Lebensweise wichtiger?

    • MaxS.
    • 19.09.2011 um 21:16 Uhr

    es steigt nicht nur nach oben, es steigt auch in der Regel auf der Landkarte von unten nach oben. Also sollte sich ein jeder Bürger unseres Landes bewusst machen, dass wir am oberen Ende der Nahrungskette stehe. Den Menschen in seiner Treibhaftigkeit nach Macht auszustechen zu wolle funktioniert nicht, daher regiert auf unserem Weltmarkt auch die freie Marktwirtschaft.
    Es wird also im internationalen niemals nach dem Mittel gefragt werden sondern nach dem Zweck. Also mache man sich eins bewusst, wer in dieser Liga mitspielen möchte braucht zwangsläufig Qualifikation. Macht euch keine guten Vorsätze und lasst euch enttäuschen, macht euch lieber schlechte Vorsätze und werdet bestätigt.
    Zu verstehe heißt nicht zwangsläufig einen schlechten Status verändern zu wollen sondern seinen Vorteil aus diesem zu ziehen. Ich will nicht polemisch klingen aber Bildung wird in Zukunft wichtiger den je auf unserem Weltmarkt sein, holt sie auch um zu bestehen.

    • MaxS.
    • 19.09.2011 um 21:17 Uhr
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • checki
    • 19.09.2011 um 22:43 Uhr

    muß neu geschrieben werden, da kommt die politik nicht drumm herum.

    • checki
    • 19.09.2011 um 22:43 Uhr

    muß neu geschrieben werden, da kommt die politik nicht drumm herum.

    • checki
    • 19.09.2011 um 22:43 Uhr

    muß neu geschrieben werden, da kommt die politik nicht drumm herum.

    Antwort auf ""internationale Markt"
    • ThorHa
    • 19.09.2011 um 23:48 Uhr

    Ich kann den Autoren beruhigen. Der Weltuntergang wegen Rohstoffmangel wird nicht eintreteten. Weil schon weit vorher das neben Gewalt einzig als wirksam erwiesene Regulativ der Menschheit für die Verhaltensänderung sorgen wird - der Preis. Einzig wirksam? Ja, einzig wirksam. Es gibt in der Geschichte kein mir bekanntes Beispiel, in dem grössere Bevölkerungen der Vernunft gefolgt sind. Solange also linke Sehnsüchte nach einer sozialistisch-ökologischen Erziehungsdiktatur nicht umgesetzt werden und der Mechanismus von Angebot und Nachfrage funktionsfähig bleibt, regelt sich die Nachfrage nach Rohstoffen ohne weiteren Eingriff. Zu welchem Preis für die Menschheit (an Leben, Gesundheit, Wohlfahrt) werden wir sehen. Prognosen auf heutiger Basis lässt sich nur eines vorhersagen - sie werden mit 99% Wahrscheinlichkeit falsch sein.

  3. Erinnert mich entfernt ein wenig an die in Daniel Qinns Buch "Ismael" vermittelte Philosopie.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service