Die Eurokrise ist eine direkte Folge des großen Crashs von 2008. Als Lehman Brothers unterging, musste das ganze Finanzsystem an die Herz-Lungen-Maschine gehängt werden. Staatliche Kreditvergabe musste die nun ausfallende Kreditvergabe von Banken und anderen Institutionen ersetzen.

Im November 2008 versprachen die Europäischen Finanzminister, dass sie das System vor weiteren Pleiten schützen würden. Angela Merkel erklärte damals aber, dass solche Garantien nicht von der EU oder der Euro-Zone insgesamt ausgesprochen werden sollten, sondern von einzelnen Staaten. Damals wurde schon klar, was der Euro-Zone fehlt: ein gemeinsames Finanzministerium.

Die Euro-Krise ist der amerikanischen Subprime-Krise, die den Crash von 2008 auslöste, recht ähnlich. In beiden Fällen verlor ein angeblich risikofreies Wertpapier – verbriefte Immobilienkredite damals und europäische Regierungsanleihen heute – an Wert. Die Euro-Krise ist allerdings schwerer zu bewältigen, eben weil ein gemeinsames Finanzministerium fehlt, welches zur Reaktion auf die Krise gebraucht würde. Ohne den politischen Willen, ein solches einzurichten, ist auch eine Lösung nicht abzusehen. Und weil das so ist, haben die Verantwortlichen in der Zwischenzeit versucht, Zeit zu schinden.

Nun ist Zeitschinden normalerweise gar keine schlechte Taktik: Im Lauf der Zeit verschwindet die Panik wieder, und die Zuversicht kehrt zurück. In diesem Fall aber nicht. Unter dem Druck der Krise unternehmen die Verantwortlichen zwar sämtliche Schritte, die nötig sind, um das System zusammenzuhalten – aber immer nur das Minimum, und das wiederum empfinden die Finanzmärkte als unzureichend. So scheint Europa zu einer Krise ohne Ende verdammt. Selbst Schritte, die etwas früher im Krisenverlauf noch gewirkt hätten, erweisen sich als inadäquat, wenn sie endlich politisch möglich werden.

Das ist der Schlüssel, um die Euro-Krise zu verstehen.

Wo stehen wir nun in diesem Prozess? Ansätze zu einem gemeinsamen europäischen Finanzministerium sind immerhin zu erkennen: in der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und ihrem Nachfolger ab 2013, dem E uropäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) . Die EFSF hat aber nicht genügend Kapital zur Verfügung, und ihre Funktionen sind nicht vernünftig definiert. Sie ist groß genug, um Griechenland, Portugal und Irland zu retten, aber nicht groß genug für Spanien, Italien oder gar das Banksystem. Ihr größter Mangel ist, dass sie bloß ein Geldeintreibe-Mechanismus ist; die Beschlussmacht zur Geldvergabe liegt bei den Regierungen der Mitgliedstaaten. Deshalb ist die EFSF zur Reaktion auf Krisen ungeeignet; sie muss ja abwarten, bis sie Anweisungen aus den einzelnen Staaten erhält.