Gesellschaftskritik Über Diskretion
Carla Brunis Bauch dürfen wir noch gern angucken, ihr Baby dann aber nicht.
Nun wirkt es natürlich sehr kokett, dass ausgerechnet die schwangere Carla Bruni in einem Interview behauptete, sie werde ihr Kind der Öffentlichkeit vorenthalten, um es zu schützen. Es werde keine Fotos geben. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Paparazzi-Fotos von ihrem Kind zumindest im Netz ohnehin bald kursieren dürften, hatte die Meisterin der Inszenierungskunst ihr Familienleben in der Vergangenheit ja keineswegs unter Verschluss gehalten. Gibt es da nicht diese Urlaubsfotos aus Jordanien, die ihren kleinen Sohn Aurélien, Spross des Philosophen Raphaël Enthoven, an der Seite von Nicolas Sarkozy zeigen? Und hat dieser nicht wiederum versucht, wenn auch vergeblich, seinen Sohn Jean als schillernden Geschäftsmann in Paris zu installieren?
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Es liegt also nahe, den behaupteten Öffentlichkeitsentzug als besonders raffinierte Strategie aufzufassen. Was unter Verschluss gehalten wird, ist stets wertvoller als der Klunker, der am Hals hängt. Jahrhundertealte Erbstücke, heikle Liebesbriefe, Goldbarren werden den Blicken anderer entzogen, wobei man natürlich dafür sorgen muss, dass die anderen sehr wohl ahnen, dass es diese Erbstücke, Liebesbriefe, Goldbarren gibt. Es schmückt einen das Raunen um ein Geheimnis, nie das Geheimnis selbst. Ein der Öffentlichkeit entzogenes Kind gäbe der Mutter einen unprätentiösen Anstrich, der in Wahrheit der Gipfel des Prätentiösen wäre.
Nun haben wir uns womöglich zu sehr daran gewöhnt, eine hässliche Strategie und Inszenierungslust in jeder Äußerung eines Prominenten zu wittern. Wer sich etwa die Fotos aus Jordanien anschaut, sieht, wie Carla Bruni in anrührender Panik versucht, mit ihren Händen das Gesicht Auréliens zu verhüllen. Gründe für die Verhüllung auch des zweiten Kindes gäbe es allemal. Es ist schlechterdings ein Unglück, berühmte Eltern zu haben. An ihnen wird man als Kind gemessen, nicht an dem, was man selbst im Leben leistet.
Auch deshalb ist die Liste gescheiterter Nachkommen von Stars lang und traurig. Cameron Douglas, der Sohn des Schauspielers Michael Douglas, blickt auf eine ähnliche Drogenkarriere zurück wie die Kinder des Sängers Ozzy Osbourne. Kaum anders erging es Lisa Marie Presley, der Tochter von Elvis und Priscilla, und Guillaume Depardieu, dem Sohn von Gérard. Bereits über August von Goethe, den Sohn von Johann Wolfgang, hieß es, er sei "alkohol- und vaterkrank" gewesen. Je weniger die Kinder von Prominenten als solche erkannt werden, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Eltern später Schande machen.
- Datum 16.09.2011 - 14:29 Uhr
- Serie Gesellschaftskritik
- Quelle ZEITmagazin, 15.9.2011 Nr. 38
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und das sind in den ganzen Jahren nahezu die einzigen. Ansonsten ist diese Familie im Gegensatz zu vielen anderen Staatslenkern sehr zurückhaltend, was Homestorys oder ähnliches angeht.
Wieso also sollte sie sich nun anders verhalten?
Ich würde die Ankündigung mehr als Appell an die Presse sehen, die allerdings in Frankreich ohnehin recht dürftig ist, was diesen Bereich angeht, sodass man für präsidialen Privatklatsch dann schon mal die Auslandspresse kauft.
... mit angeblich begrenzten Angeboten im Handel. Diese "edle" Haltung von Madame wird das Interesse an ihrem Nachwuchs immens steigern.
Willkommener Zweiteffekt: Auf ewig ist der Name der Schönen dann mit der selbstlosen Aufopferung zum Schutz des unschuldigen Kindes verbunden. *schnüff*
für das Kind ist es positiv und das ist ja die Hauptsache.
allein mir fehlt der Glaube ..."
Vor allem angesichts des nächsten Wahltermins in Frankreich.
Das ist Medieninszenierung in Reinform ! Wer politisch - wie ihr Gatte - nichts mehr zu liefern imstande ist, versucht halt, mit der Familien-Soap zu punkten. Der Witz dabei ist, dass das - bei dem sich immer mehr verbreitenden Bildungsmangel innerhalb der Bevölkerung - auch verfängt.
Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/ag
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