Künstler Ugo Rondinone "Ein Kunstwerk muss man fühlen"

Er ist bekannt für seine Wörter in Regenbogenfarben, die von Fassaden leuchten – von nächster Woche an auch in München. Ein Gespräch mit dem Künstler Ugo Rondinone

Der Künstler Ugo Rondinone lebt seit Langem in New York, er verbringt nur noch zwei bis drei Monate des Jahres in seiner Heimat, der Schweiz. In Zürich, sagt er, finde alles Organisatorische statt. Dort hat er seine Galerie, die Galerie Eva Presenhuber. New York ist für ihn die Stadt, in der er seine Kunst macht, in Zürich liegen die Aktenordner. Zürich galt schon immer als etwas zu sauber und zu aufgeräumt, um inspirierend zu sein, auch wenn jetzt im Maag-Areal in der Nähe des Hauptbahnhofs ein neues Viertel erschlossen wird, in dem das höchste Gebäude der Schweiz, der Prime Tower, und Industriegebäude vom Anfang des 20. Jahrhunderts koexistieren.

Von der Dachterrasse der Galerie Eva Presenhuber, die hier seit Frühjahr untergebracht ist, sieht Zürich aus wie eine richtige Stadt. Hier steht Rondinone zwischen seinen Bronzeskulpturen, riesigen grinsenden Eierköpfen, die er vor zwei Jahren in den Pariser Tuilerien-Gärten ausstellte und bei deren Anblick Kinder vor Schreck weinten. Für Erwachsene sehen sie ganz freundlich aus. Rondinones Kunst ist, wie ein Grimmsches Märchen, naiv, einfach, berührend und zugleich beklemmend.

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Seit den achtziger Jahren arbeitet er, geboren 1964 in Brunnen, Abschluss an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst, an einem Werk, das zahlreiche Formen kennt – Plastik, Video, Fotografie, Malerei. Rondinone stellte bei der Biennale in Venedig aus, im Pariser Centre Pompidou, in der Kunsthalle Wien. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören seine Regenbögen, wie die Arbeit an der Fassade des New Museum in New York, eine Neonschrift, die verkündet: »Hell, yes!«

Von nächster Woche an wird an der Baufassade des Münchner Palais an der Oper in großen regenbogenfarbenen Leuchtbuchstaben zu lesen sein: »We are poems«. Dahinter entsteht ein Louis-Vuitton-Laden, was der Passant aber nicht unbedingt weiß. Er sieht nur den netten Regenbogen, der nachts leuchtet, und liest die freundliche Botschaft, wir alle seien Gedichte. Erst allmählich bemerkt er, dass der Satz auf einer abweisenden Mauer prangt (beziehungsweise dem groß aufgezogenen Foto einer Mauer), die keine Blicke durchlässt auf das, was dahinter passiert.

Der Laden in München wird Ende 2012 eröffnet. Es wird einer der drei Orte weltweit sein, an denen Louis Vuitton einen »Espace Culturel« einrichtet, einen Raum für Ausstellungen. So zeigten in Paris auf den Champs-Élysées und in Tokyo schon die Künstlerinnen Sylvie Fleury, Barbara Kruger und Jenny Holzer ihre Arbeiten. Seit der legendären Zusammenarbeit mit Stephen Sprouse 2001, als Chefdesigner Marc Jacobs den Graffiti-Künstler die traditionsreichen Monogramm-Taschen besprühen ließ, ist die Luxusmarke konsequent beim Kunstsponsoring geblieben. Damals waren manche Kundinnen noch schockiert, dass teure französische Taschen, auf die man ein Leben lang spart, von einem Neurotiker mit komischen Haaren übermalt wurden.

Doch schon bald wich der Schock einer freundlichen Neugierde, als etwa die New Yorker Performance-Künstlerin Vanessa Beecroft im Pariser Shop nackte Frauen zwischen den Taschen in den Regalen drapierte und Olafur Eliasson den Fahrstuhl mit schwarzer Wolle auskleidete.

ZEITmagazin: Herr Rondinone, der Schriftzug »We are poems« wird groß in den Regenbogenfarben an der Baufassade des Palais an der Oper leuchten, sehr viele Leute werden Ihre Installation sehen. Die Maximilianstraße ist eine der meistbesuchten Einkaufsstraßen Deutschlands. Erträgt es ein Kunstwerk, sich so massiv der Öffentlichkeit auszusetzen?

Ugo Rondinone: Die Regenbogenskulpturen entstehen seit 1997 mit der Absicht, im öffentlichen Raum mit einem Symbol zu arbeiten, das weltweit verstanden wird. Sobald Kunst außerhalb der Exklusivität einer Institution oder Galerie präsentiert wird, ist es mir wichtig, dass sie möglichst ein breites Publikum erreicht. Im öffentlichen Raum hat die Kunst die Möglichkeit zu provozieren oder Freude zu bereiten. Beides ist in der jeweiligen Situation wichtig und richtig, solange es ein breites Publikum erreicht.

ZEITmagazin: Und diesmal, in München, ist Ihr Werk Freude, nicht Provokation?

Rondinone: Jein. Im Münchner Projekt kommen zwei Projekte zusammen, die diametral zueinander stehen. Das positiv besetzte Symbol des Regenbogens und das einschüchternde Symbol der Mauer.

ZEITmagazin: Der Regenbogen ist eigentlich auch ein bisschen kitschig.

Rondinone: Die Metapher der Mauer wie auch des Regenbogens haben ihren Ursprung in der deutschen Romantik. Eine Bewegung, die für mich nach wie vor ihre Gültigkeit hat, weil sie die Aufwertung und Anerkennung des persönlichen Empfindens einleitete.

Leser-Kommentare
    • goddi
    • 18.09.2011 um 15:18 Uhr

    sieht das aus.

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    Sonst kommt so ein plumper Kommentar dabei raus "Das sieht ja billig aus" "Das kann ich auch" "Und das soll jetzt Kunst sein, wo ist den das Portrait?"

    Wärst Du auf die Idee gekommen?
    Standest Du schon davor?
    Was bildest Du dir also ein, von einem läppischen Foto ein Kunstwerk zu beurteilen?

    Andere Menschen schreiben Songs weil sie jeden Morgen durch solche Regenbogen erfreut werden.
    Es ist sicherlich kein kandinskieskes Seelenklavier aller höchster Güte, aber es ist laut und wirkt und strahlt und schafft - wenn auch nur kurze - Emotionen und das gelingt den wenigsten Kunstwerken.

    an die Redaktion: Danke für den Beitrag habe eben in Teile meiner BA zitiert.

    Sonst kommt so ein plumper Kommentar dabei raus "Das sieht ja billig aus" "Das kann ich auch" "Und das soll jetzt Kunst sein, wo ist den das Portrait?"

    Wärst Du auf die Idee gekommen?
    Standest Du schon davor?
    Was bildest Du dir also ein, von einem läppischen Foto ein Kunstwerk zu beurteilen?

    Andere Menschen schreiben Songs weil sie jeden Morgen durch solche Regenbogen erfreut werden.
    Es ist sicherlich kein kandinskieskes Seelenklavier aller höchster Güte, aber es ist laut und wirkt und strahlt und schafft - wenn auch nur kurze - Emotionen und das gelingt den wenigsten Kunstwerken.

    an die Redaktion: Danke für den Beitrag habe eben in Teile meiner BA zitiert.

  1. Sonst kommt so ein plumper Kommentar dabei raus "Das sieht ja billig aus" "Das kann ich auch" "Und das soll jetzt Kunst sein, wo ist den das Portrait?"

    Wärst Du auf die Idee gekommen?
    Standest Du schon davor?
    Was bildest Du dir also ein, von einem läppischen Foto ein Kunstwerk zu beurteilen?

    Andere Menschen schreiben Songs weil sie jeden Morgen durch solche Regenbogen erfreut werden.
    Es ist sicherlich kein kandinskieskes Seelenklavier aller höchster Güte, aber es ist laut und wirkt und strahlt und schafft - wenn auch nur kurze - Emotionen und das gelingt den wenigsten Kunstwerken.

    an die Redaktion: Danke für den Beitrag habe eben in Teile meiner BA zitiert.

    Antwort auf "ganz schön billig"
  2. wenn kunst zum fetisch wird kann alles k. sein, das verdanken wir dem demokratisierten, intellektualisierten kunstbegriff. so kommen eben alle, auch die banausen zum zug. es braucht aber zusammenhänge, werkzyklen e.t.c. dieses assoziative hier mal was und da irgendeine idee ist wenig überzeugend.

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    genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Für die einen ist das Konzept wichtig, die Gedanken hinter einem Werk, der Sinnzusammenhang mit dem Oevre. Viele Menschen stellen sich vor ein Werk und wollen krampfhaft 'verstehen' fangen an zu 'labern' innerlich wie äußerlich, prahlen - oft nur so für sich selbst, mit ihrem Vorwissen über den Künstler, welche Epochenbezüge er verarbeitet und und und.
    Eines verpassen derartige Kunstkenner jedoch meistens: Die unmittelbare Empfindung und die daraus resultirende Wirkung. Sowas wie Stimmung, oder Emotion, Genuss etc.
    Ich schalte meinen Kopf aus bevor ich in ein Museum geh. Entweder eine Arbeit haut mich um, flasht mich, reisst mich völlig ins Hier und Jetzt oder nicht. Dann ist mir aber auch wurscht um wieviel Uhr morgens der Künstler welchen Strich in welchem Bild gemacht hat. Deswegen mag ich auch den Regenbogen. Er ist unmittelbar und ohne viel bla bla zugänglich.

    genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Für die einen ist das Konzept wichtig, die Gedanken hinter einem Werk, der Sinnzusammenhang mit dem Oevre. Viele Menschen stellen sich vor ein Werk und wollen krampfhaft 'verstehen' fangen an zu 'labern' innerlich wie äußerlich, prahlen - oft nur so für sich selbst, mit ihrem Vorwissen über den Künstler, welche Epochenbezüge er verarbeitet und und und.
    Eines verpassen derartige Kunstkenner jedoch meistens: Die unmittelbare Empfindung und die daraus resultirende Wirkung. Sowas wie Stimmung, oder Emotion, Genuss etc.
    Ich schalte meinen Kopf aus bevor ich in ein Museum geh. Entweder eine Arbeit haut mich um, flasht mich, reisst mich völlig ins Hier und Jetzt oder nicht. Dann ist mir aber auch wurscht um wieviel Uhr morgens der Künstler welchen Strich in welchem Bild gemacht hat. Deswegen mag ich auch den Regenbogen. Er ist unmittelbar und ohne viel bla bla zugänglich.

  3. genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Für die einen ist das Konzept wichtig, die Gedanken hinter einem Werk, der Sinnzusammenhang mit dem Oevre. Viele Menschen stellen sich vor ein Werk und wollen krampfhaft 'verstehen' fangen an zu 'labern' innerlich wie äußerlich, prahlen - oft nur so für sich selbst, mit ihrem Vorwissen über den Künstler, welche Epochenbezüge er verarbeitet und und und.
    Eines verpassen derartige Kunstkenner jedoch meistens: Die unmittelbare Empfindung und die daraus resultirende Wirkung. Sowas wie Stimmung, oder Emotion, Genuss etc.
    Ich schalte meinen Kopf aus bevor ich in ein Museum geh. Entweder eine Arbeit haut mich um, flasht mich, reisst mich völlig ins Hier und Jetzt oder nicht. Dann ist mir aber auch wurscht um wieviel Uhr morgens der Künstler welchen Strich in welchem Bild gemacht hat. Deswegen mag ich auch den Regenbogen. Er ist unmittelbar und ohne viel bla bla zugänglich.

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