Gedicht La Jouissance (Die Lust), 1740
Die Hymne Friedrichs des Großen auf die Macht der Lust im Original und in deutscher Interlinearübersetzung
La Jouissance
De Königsberg à Monsieur Algarotti, cygne de Padoue
Cette nuit, contentant ses vigoureux désirs
Algarotti nageait dans la mer des plaisirs.
Un corps plus accompli qu’en tailla Praxitèle,
Redoublait de ses sens la passion nouvelle.
Tout ce qui parle aux yeux et qui touche le cœur,
Se trouvait dans l’objet qui l’enflammait d’ardeur.
Transporté par l’amour, tremblant d’impatience,
Dans les bras de Cloris à l’instant il s’élance.
L’amour qui les unit, échauffait leurs baisers
Et resserrait plus fort leurs bras entrelacés.
Divine volupté! Souveraine du monde!
Mère de leurs plaisirs, source à jamais féconde,
Exprimez dans mes vers, par vos propres accents
Leur feu, leur action, l’extase de leurs sens!
Nos amants fortunés, dans leurs transports extrêmes,
Dans les fureurs d’amour ne connaissaient qu’eux-mêmes:
Baiser, jouir, sentir, soupirer et mourir,
Ressusciter, baiser, revoler au plaisir.
Et dans les champs de Gnide essoufflés sans haleine,
Etait de ces amants le fortuné destin.
Mais le bonheur finit; tout cesse le matin.
Heureux, de qui l’esprit ne fut jamais la proie
Du faste des grandeurs et qui connut la joie!
Un instant de plaisir pour celui qui jouit,
Vaut un siècle d’honneur dont l’éclat éblouit.
Die Lust
Aus Königsberg an Herrn Algarotti, Schwan von Padua
Diese Nacht, getragen von seinem kräftigen Verlangen,
Schwamm Algarotti im Meer der Genüsse.
Ein Körper, vollendeter als von Praxiteles geformt,
Steigerte die neue Leidenschaft seiner Sinne.
Alles, was die Augen anspricht und das Herz bewegt,
Fand sich im Objekt der Begierde, das ihn erglühen ließ.
Außer sich vor Liebe, zitternd vor Ungeduld,
Stürzt er sich sogleich in die Arme von Chloris.
Die Liebe, die sie vereinte, erhitzte ihre Küsse
Und ließ sie sich noch enger umschlingen.
Göttliche Wollust! Herrin der Welt!
Mutter ihrer Genüsse, stets fruchtbare Quelle,
Bezeuge in meinen Versen mit Deiner Stimme
Ihr Feuer, ihr Tun, die Ekstase ihrer Sinne!
Unsere glücklichen Liebenden, in ihrer äußersten Leidenschaft,
Im Überschwang der Liebe kannten sie nur noch sich selbst:
Küssen, in Lust zergehen, seufzen und sterben,
Neu auferstehen im Kuss, um wieder Lust zu werden.
Und in den Feldern von Knidos, erschöpft, außer Atem,
So war das glückliche Schicksal dieser Liebenden.
Doch die Freude endet; am Morgen ist alles vorbei.
Glücklich, wessen Geist nie dem Prunk der Macht verfiel
Und wer die Freude gekannt!
Ein Augenblick der Lust ist für den, der genießt, so viel wert wie
Ein Jahrhundert der Ehre, dessen schöner Schein trügt.
Interlinearübersetzung: Vanessa de Senarclens
- Datum 15.09.2011 - 17:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 15.9.2011 Nr. 38
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren