Katholische KircheDer Stellvertreterkrieg

Kann denn Scheidung Sünde sein? Vorm Papstbesuch ringt die Kirche um ihre Moral – und den wiederverheirateten Bundespräsidenten. von 

Vorn ist die Kathedrale bereits erleuchtet für die Amtseinführung des neuen Berliner Erzbischofs , im Hof nach hinten hinaus aber wirbeln noch die Ministranten und Diakone. Fast drei Dutzend Bischöfe drängeln sich wie Jungen beim Aufbruch zur Klassenfahrt, aufgeregt und um Ordnung bemüht zugleich. In robustem Berliner Tonfall ruft eine Stimme die im Hof Versammelten zur Ordnung: Erst die Ministranten, dann die Bischöfe bitte in eine Reihe. »Alte und Gebrechliche zuerst, damit sie einen Sitzplatz haben.« Halb pikiert, halb amüsiert bringen sich die Würdenträger in Aufstellung, als gebrechlich mag hier keiner gelten. Der Ordnungsrufer beschwichtigt: »Heute läuft das vielleicht nicht so protokollarisch, wie Sie sich das wünschen, beim Papst wird das dann anders sein.«

Beim Papst wird alles anders. Einig und freudig, so will sich die katholische Kirche in Deutschland ihrem größten Sohn aus Rom präsentieren, wenn er sie Ende September besucht . Es liegen harte eineinhalb Jahre hinter den Katholiken im Land der Reformation. Der Missbrauchsskandal , dessen Aufdeckung hier in Berlin ihren Ausgang genommen hat, steckt allen noch in den Knochen, und in der Folge übertraf die Zahl der ausgetretenen Katholiken – historische Schmach – zum ersten Mal die der ausgetretenen Protestanten. Darum ist es nicht nur die Kollegialität, die an diesem letzten Samstag im August mehr als 30 »Brüder im Bischofsamte« in der Berliner Hedwigskathedrale zusammenführt, es ist auch eine Demonstration der Einigkeit im Angesicht äußerer und innerer Widrigkeiten: Hier macht sich eine Kirche selber Mut.

Anzeige

Und doch wird keine Woche vergehen, bis die immer noch machtvolle katholische Kirche in Deutschland mit ihren knapp 25 Millionen Mitgliedern in einen Streit um ihren Kurs und ihr Angesicht verwickelt ist. Denn der Besuch des Papstes hat bereits im Vorfeld einen ganz eigenen Wettlauf in Gang gesetzt: Wie voll werden die Plätze sein, wie rege der Zuspruch, vor allem aber – welche Botschaften der Kirche wird der Besucher verstärken, welche Erwartungen dämpfen? Und seit Wochen ist ein Ringen darum zu beobachten, den Vater in Rom auf die eigene Seite zu ziehen.

Zwei Protagonisten stehen für die Gegensätze, die die Kirche derzeit prägen, und beide sind an diesem Samstagmorgen in der Hedwigskathedrale. Da ist Robert Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof im grünen Vorzeigestädtchen Freiburg. Auf Zollitsch trifft das Papst-Wort vom demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn nicht nur wegen der sonnigen Hanglagen in seinem Heimatbistum zu. Weder mit dem Talent zum Talkshow-Geistlichen noch mit formaler Kommandogewalt über die anderen Bischöfe ausgestattet, dient er leise und beharrlich der liberalen Sache.

Joachim Kardinal Meisner wiederum ist der Altmeister des konservativen Kirchenflügels . Die Öffentlichkeit kennt ihn für seine Vergleiche zwischen Holocaust und Abtreibung (inzwischen ausgeweitet auf Fukushima und Abtreibung), seine manchmal schrillen Äußerungen für Anliegen, die gleichwohl kirchliches Kerngeschäft sind. Bei aller Erregung der Medien über ihn liegt auch eine Kraft in Meisners konservativer Unbeugsamkeit. Der Kardinal sieht seinen Auftrag darin, das Evangelium zu verbreiten, nicht den Kritikern zu gefallen. Wenn das den Zorn der Welt erregt – und zur Not auch ein paar Wankelmütige aus den eigenen Reihen vertreibt –, dann ist das für ihn keine Anlass für Zweifel, sondern eine Ermunterung zum Weitermachen.

Dass Bischöfe vernehmlich aneinanderrasseln, ist die große Ausnahme. Der offene Konflikt wird nicht geschätzt in der Konsensmaschine Una Sancta, der Einen Heiligen Kirche. Doch hinter der Fassade der Einmütigkeit ist ein zäher, stiller Richtungskampf im Gange. In immer neuen Wendungen wird nichts weniger als die künftige Ausrichtung der Kirche in Deutschland erstritten: Wie weltzugewandt, wie weltabgewandt soll sie sein? Wie viel Tradition braucht sie, wie viel Fortschritt verträgt sie?

Die breite Öffentlichkeit erreichen nur die wenigsten dieser Gefechte, und oft sind es Stellvertreterkonflikte, die da ausgetragen werden: An Einzelfällen von manchmal nur lokaler oder partikularer Bedeutung entscheidet sich symbolhaft, welche Seite gerade Terrain gutmachen konnte. Wird ein angehender Diakon geweiht, auch wenn er der Frauenordination zuneigt und sich mit Protestanten gut versteht? Darf ein Pfarrer in herausgehobener Stellung die Befürchtung äußern, wenn der Papst sich nicht besinne, werde er die Kirche womöglich »gegen die Wand fahren«? Keineswegs sind die Frontverläufe in diesen Fragen immer klar.

Selbst auf die Theologen ist kein Verlass mehr. Seit weit mehr als 300 von ihnen ein Memorandum für Reformen in der Kirche unterzeichnet haben, ist das Argument brüchig geworden, nur notorische Nörgler oder halbe Protestanten haderten mit dem Kurs ihrer Kirche.

Leserkommentare
  1. Erinnere ich mich recht,gilt nur der oder das Eine als Seiendes bzw .Seiender.Wo Zwei eins wurden,galt und gilt das überweltliche Groß-Wunder-Ereignis des Seins Selbst.Dessen Quell zu verleugnen,hieße,dem Darben anheim zu geben.Jeglicher wahren Einsicht folgt dies Urteil nach.Der Una sancta entspricht diue Dasein aus dem Einzigen:Kein ander Erscheinen des wahren Seins aus dem Einen stellte dies realer dar den Augen Sehender.---Dem Sein nachgegangen zu sein,führt zum Resultate,dass das Sein nur eines ist und die Ehe,da sie zerrüttet wurde,lediglich starken Weh und Schmerz hinterließ.Wo Einzigkeit war und nicht mehr ist,ersteht schwerer Schmerz.Das Sein aus dem nicht nur Einen(vgl Hegel,Wissenschaft der Logik,Sein-aus-dem Einen),sondern dem Enzigen-hinterläßt tiefe Wunden,wo es verletzt wurde-aber Heilmittel dagegen gab es auch.Jedenfalls ist ein Seiender,der Einer ist.Aber weil die Menschen so streitsüchtig sind,gab das Streiten um Sich Er ihnen auf---damit sie also weiterhin zu streiten nicht aufhören oder sich selig wiegen im Einiglichsein,das aluterlichter Liebe heilsam entquellet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was?

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion des Artikelthemas. Danke. Die Redaktion/wg

    • tages
    • 17. September 2011 17:26 Uhr

    Jetzt ist mir endlich alles klar.

    Ihr Text ist schon so schwer verständlich genug, aber bitte, nach einem Interpunktionszeichen folgt immer ein Leerzeichen. Wenn Sie gehört werden wollen, nuscheln Sie schließlich auch nicht!

    Wenn ich Ihre Ausführungen entsprechend interpretiere, so erhalten Sie meine Zustimmung.

    Dennoch will ich Ihnen den Rat geben, sich nicht zu sehr an der Sprache mittelalterlicher Mystiker zu orientieren, sondern auf modernes Deutsch zurückzugreifen. Denn wer sich nicht vorher schon mit diesen Inhalten auseinandergesetzt hat, wird sonst schon beim Lesen aufgeben - wie schon Kommentar Nummer 2 zeigt ;-)

    Machen wir´s mi´m Dichterfürsten: "dunkel ist der Rede Sinn..."

    Putzig, wieviel Aufmerksamkeit dieser folkloristische Verein, dem alte Männer in kitschigen Kostümen vorstehen, immer noch bekommt. Nicht putzig ist hingegen, dass dessen Generaldirektorpräsident vor dem deutschen Bundestag reden darf, obwohl sein Verein noch nichteinmal die allgemeinen Menschenrechte anerkannt hat.

  2. Was?

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der Eine"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entschuldigen Sie,aber ich weiss nicht,worauf bei der Nenneung einer Hegelei in diesem Kontexte sich beziehen?Als ich eine sogenannte "Hegelei"erwähnte,so handelte es sich lediglich um ein Zitat,das die allmäliche Abgedroschenheit des dialektischen Diktusses Hegelschen Philosophierens bezeichnen sollte.Ich meine freilich,dass die Dialektik jederzeit aktuell ist,um das Seiende,welches erscheint,dem Seienden,DER IST,zu unterwerfen:Wobei gilt,dass des wahrhaft Seienden Sein(Gottes)alles geschaffen Seienden Seins Urgrund sein mag,dass ebenso gelte,dass Seiender Sagen der Vielfalt zugehöret,dass Seiender Sein aus der Vielfalt heraus ebensosehr rückmündet in des Unaussrechlichen Mund,Unsagbares durch Sagbares doch mitgeteilt haben zu möchten.Nur:Woher beziehen Sie denn mein wohl wirklich herbeizitiertes Wort von der "Hegelei"?Sie gaben keine Quellen an,wiewahr ich freilich davon redete.Oder kreuzte hier was quer?

  3. ... oder Pop-Popanz in Liturgie:

    Es ist schon ein unwürdiges Schauspiel, das nächste Woche in Deutschland 'On The Road' ist. Der Papst spricht u.a. vor dem Bundestag - nicht als Religionsführer, sondern als Staatsführer! Denn nur so ist es möglich, dass der Führer eines Glaubens vor einem Parlament sprechen darf in einem Land, in dem es Religionsfreiheit gibt und die Trennung von Staat und Kirche.

    Um das jetzt noch mal ins Absurde zu steigern: Der gastgebende Bundespräsident Wulff ist bekennender Katholik. Das deutsche Staatsoberhaupt darf aber nicht die Eucharistie empfangen, weil er wiederverheiratet ist.

    Sollte der Präsident nun wieder volles Mitglied der katholischen Kirche werden wollen, braucht er sich nur von seiner jetzigen Frau zu trennen und anschließend zu seiner alten zurück zu kehren.

    Und die Bischöfe und der Papst meinen das wirklich ernst.

    Zum Schluss: Von welchen Mitgliedern der Camorra ist überliefert, dass ihnen die Kommunion verweigert wurde?

    27 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • _bla_
    • 16. September 2011 23:16 Uhr

    "Der Papst spricht u.a. vor dem Bundestag - nicht als Religionsführer, sondern als Staatsführer! Denn nur so ist es möglich, dass der Führer eines Glaubens vor einem Parlament sprechen darf in einem Land, in dem es Religionsfreiheit gibt und die Trennung von Staat und Kirche."

    Sorry, aber das ist schlicht Quatsch. Der Papst dürfte, falls man ihn einlädt, selbstverständlich auch als reiner Religionsführer im Bundestag sprechen, auch wenn er kein Staatsoberhaupt wäre. Es gäbe weder ein Problem mit der Religionsfreiheit, denn durch eine Rede des Papstes im Bundestag wird niemand zu einer religiösen Handlung gezwungen, noch wird irgendjemand an religiösen Handlungen gehindert. Auch mit der Trennung von Staat und Kirche gibt es keine Probleme, denn die besteht in Deutschland aus dem schlichten Satz: "Es besteht keine Staatskirche." Und das eine Rede des Papstes vor dem Bundestag automatisch zur Einführung einer Staatskirche führt kann man auch wohl kaum behaupten. Der Bundestag darf jeden Redner einladen, den er will, ob gläubig oder nicht, völlig egal. Das ist echte Religionsfreiheit und nicht bloß "Freiheit von Religion" sondern eben auch "Freiheit zur Religion".

    • eins2
    • 17. September 2011 19:15 Uhr

    wie diese Klippe umschifft wird. Da hat sich die kath. Kirche aber eigentlich noch nie schwer getan. Notfalls wird ja eine Annullierung empfohlen und inszeniert. Hat man ja noch in Erinnerung aus Monaco und dieses Schauspiel dort letztens, dürfte später auch in diese Richtung gehehen.
    Da die kath. Kirche u.a. die mündigen Gläubigen nicht ernst nimmt, hat sie jetzt all' die Probleme in der aufgeklärten westlichen Welt. In den Dritteweltstaaten, sind die Menschen noch so gläubig und lassen sich viel erzählen. Da klappt auch die Missionierung noch bis die auch so weit sind und den Durchblick bekommen.

  4. Was ist Wahrheit? Soweit wir wissen, hat Jesus diese Frage des Pilatus nicht beantwortet. Desto mehr wissen wir darüber, was für Jesus mit Wahrhaftigkeit unvereinbar war. Kaum ein anderer war den Selbstgerechten, den Heuchler, den Lügnern und Verleumdern je so ein Dorn im Auge, wie Jesus es gewesen war. Auch Themen wie Verführung, Zweckentfremdung, Betrug und Verrat schlug Jesus so häufig an, daß es fast den Eindruck macht, er hätte sich mehr mit Politik, denn mit Gott beschäftigt. Die Balken in den eigenen Augen, die falschen Prophet, die Pharisäer, der Judas - all das ist sprichwörtlich geworden.

    Mit Jesu Worten und seinem Logo ist viel gemacht worden. Vor allem von gewissen Parteien. Sich geschlossen hinter überführte Lügner zu stellen, stellt dort das kleinste Problem dar. Laut Mt 7,22 hat Jesus die CSU vorausgesehen: „Viele werden zu mir sagen: Herr, sind wir nicht in deinem Namen aufgetreten?“ Jesus hat für die eigene Legislaturperiode bereits angekündigt, wie seine Antwort ausfallen wir: „Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben recht und auch wieder nicht. Als Jesus vor Pilatus stand, fragte dieser: Was ist Wahrheit? Jesus antwortete nicht. Jesus stand direkt vor ihm, keinen Meter weit entfernt. Er ist die Wahrheit. (Die Wahrheit ist kein philosophisches Prinzip, sondern ein besonderer, einzelner Mensch, der Sohn Gottes nämlich.) In Zeffirellis Vierteiler "Jesus von Nazareth" wird diese Szene klasse umgesetzt. Als Pilatus diese Frage stellte, starrte er Jesus an. Die Kamera zoomt dabei das Gesicht des Darstellers langsam ein - und beantwortet gleichzeitig für den Zuschauer die Frage. Dieser, den ihr jetzt schaut, ist die Wahrheit. Das alles läuft ohne Worte ab, und ist doch so vielsagend.

  5. Für mich besteht kein Zweifel, an welchen Früchten Jesus, käme er heute wieder vorbei, seine Partei sofort erkennen würde. Schließlich war Jesus nicht nur der Sohn eines Zimmermanns, sondern als Verfechter eines Mindestlohns auch der erste Linke, und zwar so radikal, daß einer von der Leyen die Haare zu Berge stehen würden: Auch jenen Tagelöhnern, die ihr Soll nicht ganz erfüllen konnten, weil sie zu spät von der Arbeitsgelegenheit erfahren oder einen zu weiten Weg gehabt hatten, sei am Abend der volle Lohn zu zahlen. Denn nur ein Lohn, von dem man Leben könne, sei gerecht. Uff! Daß Jesus damit gleichzeitig auch noch die Frage der Pendlerpauschale geklärt hatte, sei hier nur angedeutet.

    Das weitere Parteiprogramm ist an prominenter Stelle nachzulesen. Alle Politiker, die Jesu Auffassung vom rechten Herrschen und Dienen kennenlernen möchten, sei ganz besonders Mt 20, 20-28 ans Herz gelegt, da die Stelle zugleich dem aktuellen Anlaß Rechnung trägt. Denn auch dort wollte eine Mutter dafür sorgen, daß die ihren neben dem Herrn zu sitzen kämen, und sie sich mit ihm großtun könnten. Jesus erteilte der Frau eine Abfuhr. Sein Stellvertreter scheint das Spiel, daß man in Berlin mit ihm vorhat, dagegen nicht zu durchschauen; oder kann es sich nicht leisten, weil er, im Gegensatz zum Original, erpreßbar geworden ist.

    19 Leserempfehlungen
  6. Offenbar war es von Anfang an, selbst für die Besten, zu schwer, Jesus nachzufolgen. Jesus hatte Petrus gewarnt: „Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Es hatte nicht gefruchtet. Für den Nachfolger Petri ist jetzt die Zeit der Bewährung gekommen. Oder auch nicht. Möglicherweise kräht bereits kein Hahn mehr danach.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass Jesus eigentlich das war, was diese Menschen heute als 68ger Gutmensch bezeichnen würden.

    • kyon
    • 16. September 2011 20:12 Uhr

    Herr Meisner sieht also seinen Auftrag darin, das Evangelium zu verbreiten. So, so! Ja, warum tut er das dann in Gottes Namen nicht?
    Bisher hat er lediglich die antijesuanische, katholische Interpretation verbreitet!

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sollten Sie näher erklären.

    Interessant, in diesem Zusammenhang zu erfahren, was das Original selbst von seinem "Stellvertreter auf Erden" hält:
    Nachlesbar in Matthäus 23, 9:

    "Ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden,
    denn EINER ist euer Vater, der im Himmel ist...“

    (Jesus an seine Jünger, das Volk und den Klerus)

    Im Zusammenhang mit der Frage seiner Jünger, wer wohl der Größte im Himmelreich sei, rief Jesus ein Kind heran und stellte es in ihre Mitte und sprach:
    „Wer aber Ärgernis gibt einem dieser Kleinen..., dem wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.
    ...Sehet zu, dass ihr keines dieser Kleinen verachtet!"

    Jesus hat sich stets als Anwalt der Frauen, Kinder und Schwachen und Benachteiligten verstanden. In den Evangelien findet man an keiner Stelle ein scharfes oder anklagendes Wort gegen diese Personengruppen.

    Jedoch sparte er nicht mit heftiger Kritik bei mitunter schärfster Wortwahl ausnahmslos am Männer-Klerus seiner Zeit:den Priestern, Schriftgelehrten und besonders den selbstgerechten Pharisäern!
    Selbst seine Jünger bekamen einiges auf die Ohren.

    Doch wurde er nachweislich bereits von seinen Jüngern, den späteren Aposteln missverstanden, die seine Botschaft in entscheidenden Punkten in ihr Gegenteil verkehrten.
    Die Grundlage der Kirchen-Dogmatik wurde nicht primär die Liebes- und Gerechtigkeitsethik, wie sie Jesus verkündete und vorlebte, sondern die rückwärtsgewandte Theologie des Paulus.

    Wer über die Anfänge dieser Verfälschung und Veruntreuung der Botschaft Jesu mehr erfahren möchte, sei folgendes Buch empfohlen:
    "Der veruntreute Jesus", Christa Mulack, 2010,2.Aufl.

    Besonders interessant im Zshg. mit dem Artikel-Thema "Ehescheidung" ist das 6. Kapitel, worin die Autorin exegetisch die emanzipatorische Auffassung Jesu mit der Sexualmoral des Paulus herausarbeitet:

    "Wegen der Gefahr der Unzucht (!) soll aber jeder seine Frau haben, und jede soll ihren Mann haben"
    Unmissverständlich wertet P. die Ehe als bloße Brunstgemeinschaft ab.- Als notwendiges Übel, auf das Männer besser verzichten sollten, wie es Paulus tut (1.Kor 7,7)

    Dagegen widerspricht Jesus der pharisäischen Behauptung, die mosaischen Scheidungsgesetze seien Ausdruck eines „göttlichen Willens“.
    Stattdessen erklärt er sie als kulturell bedingtes Machwerk, das einen ganz anderen Ursprung hat:

    „Um eures Herzens Härte willen hat euch Mose diese Gesetze geschrieben; aber von Anbeginn der Schöpfung hat Gott Mann und Frau geschaffen...(Mk 10,5-9)
    J.entnimmt aus Gen.1,27 die Gleichberechtigung von Frau und Mann, da beide gleichzeitig und gleichermaßen als „Ebenbild Gottes“ erschaffen wurden.
    Ungleiche Ehegesetze können somit nicht dem „göttlichem Willen“ entsprechen.

    Spannend zu lesen, wie die ursprüngliche Froh-Botschaft schließlich zu einer Droh-Botschaft mutierte. Auf diese Formel lässt sich die „Veruntreuung der Lehre Jesu“ - hineinreichend bis in unsere Gegenwart - zuspitzen.

  7. Es geht um ein Gelübde vor Gott.

    Es wird keiner gezwungen dieses abzulegen. Im derzeitigen moralischen und geistigen Zustand der Mehrheitsbevölkerung, ist von einer Festlegeung in egal welchem Fall abzuraten.

    Wer aber dann im bewußten Zustand schon Schwierigkeiten hat, Versprechen vor der letzten Instanz abzulegen (und nein dies ist nicht die Kirche) und diese zu halten, den kann man getrost abschreiben, denn der wird dann bei egal was wortbrüchig.

    Es stellt sich generell aber die Frage, inwiefern die Kirche als moralisch fragliche Instanz dies zu bewerten hat.

    Nichtgläubige können ebenfalls vor der Türe bleiben, diese ereifern sich zwar immer allerliebst bei Themen rund um den Glauben, wie der Gläubige aber dem Atheisten nicht reinzureden hat, gilt dies im Umkehrschluß ebenfalls.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • liborum
    • 17. September 2011 15:57 Uhr

    Sicherlich.
    Alle können draußen bleiben. Und bei Ihrer Interpretation hätten Sie vermutlich auch gerufen" kreuzigt ihn!.

    Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service