Dichter Ghassan Zaqtan Ausbruch aus dem Labyrinth
Warum wir Palästinenser die Geduld mit Israel und mit der Welt verlieren.

Demonstranten in Ramallah
Aus Sicht der Palästinenser ist der Gang zu den Vereinten Nationen unumgänglich geworden, mit dem sie in diesem Monat die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die Völkergemeinschaft anstreben. Es schien nicht mehr möglich, noch länger im Labyrinth der etwa zwei Jahrzehnte dauernden Verhandlungen über eine Staatsgründung umherzuirren.
Während die Politiker beider Seiten hinter verschlossenen Türen Landkarte um Landkarte zeichneten, wuchsen Dutzende neuer Siedlungen wie Pilze auf palästinensischem Territorium. Die Trennmauer, die bereits zehn Prozent des Westjordanlandes nach Israel einverleibt hat, schlängelt sich immer weiter zwischen palästinensischen Dörfern und Städten voran. Und unter der Bürde des Siedlungsbaus und einer Serie von Annektierungsgesetzen hat sich die Isolation Ostjerusalems von seinem arabischen Umfeld noch mehr verschärft. So betrachtet die palästinensische Autonomiebehörde den Entschluss, vor die Vereinten Nationen zu treten, als notwendigen Schritt, um ihre lädierte Glaubwürdigkeit gegenüber der Öffentlichkeit wiederherzustellen.
Der Dichter Ghassan Zaqtan verbrachte Kindheit und Jugend in Flüchtlingslagern. Heute lebt er in Ramallah.
In dem Brief, den die Palästinenser am Vorabend der Anrufung der Vereinten Nationen an die Israelis richteten, versichern sie, dass dieser Schritt in keiner Weise das Existenzrecht des Staates Israel in Abrede stellt. Darin wird auch klargestellt, dass einem unter Besatzung lebenden Volk, das lediglich sein Recht ausüben möchte, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, nicht fehlende Rücksichtnahme gegenüber den Empfindlichkeiten der Besatzungsmacht zum Vorwurf gemacht werden kann. Der Konflikt besteht hier mit jenen, für die die Rechte der Palästinenser unvereinbar mit dem Existenzrecht des Staates Israel sind, oder genauer gesagt: unvereinbar mit dem Existenzrecht der Besatzung.
Die gleichen Gedanken finden sich übrigens auch in einer Erklärung, die Anfang letzter Woche von Hunderten israelischen Intellektuellen unterzeichnet wurde. Deren Initiatoren sehen in der Anerkennung eines palästinensischen Staates eine Stärkung der Legitimität Israels, die bruchstückhaft bliebe, falls die zweite Hälfte der Zweistaatenlösung, auf die man sich international zur Beilegung des Nahostkonflikts verständigt hat, nicht zustande käme.
Die Forderung nach einem Ende der Besatzung findet selbst in einflussreichen Kreisen der israelischen Politik viel Gehör und kam ebenfalls lautstark bei den heftigen Protesten zum Ausdruck, die Israel seit einigen Wochen erlebt. Hier regt sich eine gesellschaftliche Kraft, die zur Erkenntnis gelangt ist, dass die Besatzungspolitik den Staat korrumpiert und seine Werte wie seine Moral zerrüttet hat und dass die Siedlungspolitik den Frieden vergiftet hat. Diese Kraft ist sich bewusst geworden, dass der Siedlungsbau, der vor vierzig Jahren mit sicherheitspolitischen Argumenten initiiert wurde, sich in den folgenden Jahrzehnten in ein Gebilde verwandelt hat, das seine eigene Agenda verfolgt und auf Kosten des israelischen Staates lebt – und ihn zugleich dirigiert.
Dass die Palästinenser jetzt ihren neuen Anerkennungsversuch starten, hängt entscheidend mit dem Arabischen Frühling zusammen. Im Nahen Osten ist ein neuer Diskurs entstanden, und dieser Diskurs wird in den kommenden Jahrzehnten die Dynamik in der Region bestimmen. Dabei geht es neben einer langen Liste von Punkten auch darum, das Thema Palästina wieder aus der Versenkung zu holen, aus den verstaubten Truhen der Eliten auf die »Straße« wo sich das neue Zentrum befindet.
Die im Jahr 1947 von den UN verabschiedete Resolution 181, die die Gründung zweier Staaten, eines arabischen und eines jüdischen, innerhalb des Gebiets zwischen Jordanfluss und Mittelmeer fordert, wird auch noch nach 63 Jahren missachtet. Sie bleibt somit unerfüllt, solange die zweite Hälfte, nämlich ein palästinensischer Staat, nicht verwirklicht wird. Auch die Vereinten Nationen werden den Palästinensern jetzt keine Vollmitgliedschaft als Staat gewähren. Dies wird durch das bereits im Vorfeld angekündigte Veto der Amerikaner verhindert werden. Im günstigsten Fall werden ihnen die UN einen neuen Status verleihen, der mehr beinhalten würde als eine bloße Beobachterrolle, aber noch keine vollständige Staatlichkeit.
Die Palästinenser hätten Präsenz in New York und eine Stimme, die sich nicht mehr der Münder von anderen bedienen müsste. Sie könnten ihre rechtmäßige Stellung im Netzwerk der verschiedenen UN-Organisationen einnehmen. Die Friedensregierung von Premierminister Fayyad im Westjordanland mit ihren Fortschritten in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Verwaltung würde ermutigt. Sie hat beeindruckende Leistungen vorzuweisen, gekennzeichnet durch Transparenz und gute Planung. Auch das ist ein Beleg für die Fähigkeit der Palästinenser, ihren eigenen Staat selbst zu verwalten.
Aus dem Arabischen übersetzt von Stephan Milich
- Datum 17.09.2011 - 10:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.9.2011 Nr. 38
- Kommentare 142
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








In Würde und Anerkennung... für ein Palästina im Jahr 2011!
Hätten die Palästinenserführer ihre Energien in den Aufbau eines eigenen Staates statt in die Vernichtung eines anderen gesteckt, gäbe es längst einen Palästinenserstaat. Die im Jahr 1947 von den UN verabschiedete Resolution 181, die die Gründung zweier Staaten, eines arabischen und eines jüdischen, innerhalb des Gebiets zwischen Jordanfluss und Mittelmeer fordert, haben ja auch die Araber abgelehnt.
Guten Morgen
..nur hier die Realität
http://www.youtube.com/wa... <--Teil 1 von 8
Der Film ist absolut sehenswert und erklärt warum Israel handelt wie es handelt.
Gruss
Rene
Israel soll doch weiter so "handeln wie es handelt", wenn sie den Mut dazu haben..Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Der Iran und die Türkei werden immer mächtiger. Mit Ägypten scheint ein sehr wichtiger Partner auch die Seiten gewechselt zu haben. Der große Bruder über den großen Teich hat genug mit sich selbst zu tun, Israels Volk hat auch langsam die Nase voll..Nur die radikalen Siedler und die [...] Regierung wollen aus allem nichts lernen. Als "Gottes möchtegern Volk" warten sie auf Göttlichen Beistand...
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Sie haben vollkommen Recht.Israel handelt wie es handelt.Siehe vor allem das:
http://www.youtube.com/wa...
Tatsächlich ist es eher die nachfolgend zu findende Dokumentation, die zeigt, wie das Apartheitssystem Israel die Palästinenser unterdrückt und warum die Palästinenser jetzt ihren eigenen Staat ausrufen sollten.
http://www.youtube.com/wa...
Israel soll doch weiter so "handeln wie es handelt", wenn sie den Mut dazu haben..Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Der Iran und die Türkei werden immer mächtiger. Mit Ägypten scheint ein sehr wichtiger Partner auch die Seiten gewechselt zu haben. Der große Bruder über den großen Teich hat genug mit sich selbst zu tun, Israels Volk hat auch langsam die Nase voll..Nur die radikalen Siedler und die [...] Regierung wollen aus allem nichts lernen. Als "Gottes möchtegern Volk" warten sie auf Göttlichen Beistand...
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Sie haben vollkommen Recht.Israel handelt wie es handelt.Siehe vor allem das:
http://www.youtube.com/wa...
Tatsächlich ist es eher die nachfolgend zu findende Dokumentation, die zeigt, wie das Apartheitssystem Israel die Palästinenser unterdrückt und warum die Palästinenser jetzt ihren eigenen Staat ausrufen sollten.
http://www.youtube.com/wa...
Der Antrag auf Anerkennung der Staatlichkeit wird vor dem Sicherheitsrat wegen des angekünigten Vetos der USA scheitern.
Geht Palestina dann zur UN-Vollversammlung werden sie mit einer 2/3 Mehrheit eine Quasi-Staatlichkeit anerkannt bekommen.
Israel wird dann wie angekündigt alle Verträge seit 1993 aufkündigen und die USA die Zahlungen an die PLO einstellen.
Israel hat zu Recht die Befürchtung, dass die PLO Israel vor den Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag schleppen wird; denn Israel plagt ein "Schlechtes Gewissen".
Der neue Status ist dann die letzte Möglichkeit mit Israel eine Friedensübereinkunft und die Grenzen einvernehmlich abzustecken.
Dass Palestina nach 20 Jahren US-Vermittlung nicht mehr auf die USA als ordenlichen Vermittler baut, ist wohl jedem klar geworden; denn die USA waren immer Partei.
Shalom und Hals&Beinbruch !
Klingt ja alles gut und schön, als gäbe es gar keine Argumente die gegen eine Anerkennung Palästinas sprechen würden.
Was ist denn mit Jerusalem? Palästina wird auf die Einverleibung oder Teilung Jerusalems bestehen, und dass für Israel ein geteiltes Jerusalem nicht infrage kommt macht den Konflikt weiterhin unlösbar.
"Palästina wird auf die Einverleibung oder Teilung Jerusalems bestehen..." Von einem allein palästinensischen Jerusalem war nie die Rede. Und warum sollen die Palästinenser auf ihr Anrecht auf einen Teil von Jerusalem verzichten?
"...und dass für Israel ein geteiltes Jerusalem nicht infrage kommt macht den Konflikt weiterhin unlösbar."
Das ist allein das Problem Israels und der Konflikt wird gerade gelöst. Er hätte mit Israel in Verhandlungen gelöst werden können. Israel - oder genauer: Israels siedlerhörige Politikerkaste - wollte das nicht. Nun, jetzt wird es ohne sie gelöst ... nicht von Politiker und Unterhändlern, sondern von dem Menschen auf der Straße. Die Palästinenser fordern ihre Rechte ein und fragen Israel einfach nicht mehr. Die Israelis wollen lieber Arbeit, Wohnungen und bezahlbar Lebensmittel, als die Palästinenser weiter unterdrücken.
Nur die Siedler und Extremisten, Militärs und Politiker wollen etwas anderes, doch sie sind bereits abgemeldet. [...]
Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Formulierungen. Danke. Die Redaktion/sc
Gegen die Anerkennung Palästinas spricht also, dass für Israel ein geteiltes Jerusalem nicht infrage kommt?
Sie wissen schon, dass die völkerrechtswidrige Annexion Ost-Jerusalems durch Israel mit der UNO Resolutiuon 478 für nichtig erklärt wurde. Weil der Täter seine Schuld ignoriert, muss das Opfer nicht nur klein bei geben, damit argumentieren Sie aus der Täterperspektive. Brillantes Rechtsverständnis.
"Palästina wird auf die Einverleibung oder Teilung Jerusalems bestehen..." Von einem allein palästinensischen Jerusalem war nie die Rede. Und warum sollen die Palästinenser auf ihr Anrecht auf einen Teil von Jerusalem verzichten?
"...und dass für Israel ein geteiltes Jerusalem nicht infrage kommt macht den Konflikt weiterhin unlösbar."
Das ist allein das Problem Israels und der Konflikt wird gerade gelöst. Er hätte mit Israel in Verhandlungen gelöst werden können. Israel - oder genauer: Israels siedlerhörige Politikerkaste - wollte das nicht. Nun, jetzt wird es ohne sie gelöst ... nicht von Politiker und Unterhändlern, sondern von dem Menschen auf der Straße. Die Palästinenser fordern ihre Rechte ein und fragen Israel einfach nicht mehr. Die Israelis wollen lieber Arbeit, Wohnungen und bezahlbar Lebensmittel, als die Palästinenser weiter unterdrücken.
Nur die Siedler und Extremisten, Militärs und Politiker wollen etwas anderes, doch sie sind bereits abgemeldet. [...]
Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Formulierungen. Danke. Die Redaktion/sc
Gegen die Anerkennung Palästinas spricht also, dass für Israel ein geteiltes Jerusalem nicht infrage kommt?
Sie wissen schon, dass die völkerrechtswidrige Annexion Ost-Jerusalems durch Israel mit der UNO Resolutiuon 478 für nichtig erklärt wurde. Weil der Täter seine Schuld ignoriert, muss das Opfer nicht nur klein bei geben, damit argumentieren Sie aus der Täterperspektive. Brillantes Rechtsverständnis.
Entfernt. Bitte formulieren Sie differenzierte Beiträge zum Thema und achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sc
Laut einer Befragung von arabischen Bewohnern Ostjerusalems vom November 2010 gab eine Mehrheit (52%) gab an, dass sie die israelische Nationalität vorzögen. Zwei Drittel würden in ihrem Heim bleiben, auch wenn ihr Stadtteil Israel zugeschlagen würde, bloss ein Drittel würde in ein palästinensisches Quartier ziehen. Und am erstaunlichsten war, dass 52% es vorzögen nach Israel umzusiedeln, falls ihr Stadtteil einem palästinensischen Staat einverleibt würde. Gründe dafür sind klare Privilegien wie die israelische Identitätskarte mit Reisefreiheit im ganzen Land, Krankenversicherung, Arbeitslosenunterstützung und Altersversorgung sowie ein höheres Haushaltseinkommen. [...]
Gekürzt. Bitte geben Sie entsprechende Quellen an und verzichten Sie bitte auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/sc
?
?
Israel soll doch weiter so "handeln wie es handelt", wenn sie den Mut dazu haben..Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Der Iran und die Türkei werden immer mächtiger. Mit Ägypten scheint ein sehr wichtiger Partner auch die Seiten gewechselt zu haben. Der große Bruder über den großen Teich hat genug mit sich selbst zu tun, Israels Volk hat auch langsam die Nase voll..Nur die radikalen Siedler und die [...] Regierung wollen aus allem nichts lernen. Als "Gottes möchtegern Volk" warten sie auf Göttlichen Beistand...
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren