ZEITmagazin: Frau Mattes, Sie haben schon als 12-Jährige Ihren Beruf gefunden und standen oft in Beziehung zu älteren Männern. Was macht das mit einem, wenn man sich kaum in der eigenen Alterskohorte bewegt?

Eva Mattes: Ich bin erst durch andere darauf aufmerksam geworden, die mir sagten: Du bist ja nur mit Älteren zusammen, hast du überhaupt deine Jugend gelebt? Natürlich, sagte ich dann, ich war jede Nacht in der Disco. Aber ich war mit den um einiges älteren Männern, mit denen ich Liebesbeziehungen einging, nie auf einer Ebene. Das ist ja ohnehin schwierig. Man ist schon nicht auf der gleichen Ebene, wenn der andere sehr viel mehr verdient.

ZEITmagazin: Finden Sie das problematisch?

Eva Mattes: Ja. Es gibt sehr viel Reibung durch Verschiedenheit.

ZEITmagazin: Reibung ist produktiv.

Eva Mattes: Aber auch anstrengend, wenn man ununterbrochen arbeitet. Ich bin zwischendurch schon mal k.o. Nichtsdestotrotz liebe ich die Produktivität, doch es gibt auch eine große Sehnsucht nach Ruhe, Geborgenheit, Anlehnen. Das ist etwas, was ich in meinem Leben noch nicht wirklich ausgekostet habe.

ZEITmagazin: Sie haben nie Geborgenheit gefunden?

Eva Mattes: Nicht auf Dauer.

ZEITmagazin: Warum nicht?

Eva Mattes: Vielleicht eine gewisse Unstetigkeit im Leben? (Draußen im Himmel über Berlin blitzt es. Eva Mattes fährt zusammen und verhüllt ihr Gesicht mit den Armen.) Sie müssen entschuldigen, ich habe Angst vor Gewitter. Vielleicht fängt es schon ganz früh an, dass es den Vater nicht gab, der die Tochter in den Arm nimmt, wenn ein Gewitter aufzieht, denn meine Eltern haben sich früh getrennt. Ich habe bald meine kleine Familie miternährt und später meine Tochter allein aufgezogen. Da läuft man irgendwann nur noch als starke Frau durch die Gegend. Dass man schwach ist, dass man Schutz braucht, sieht das Gegenüber nicht. Schwäche ist ja nicht das Erste, was man zugibt. Dass wir uns jetzt hier bei einem Gewitter treffen, wo Sie mich in absoluter Schwäche erleben, das kommt ja nicht so oft vor.

ZEITmagazin: Würden Sie Ihre Angst gerne überwinden?

Eva Mattes: Ich habe Therapien gemacht. Sogar eine Rückführung.

ZEITmagazin: Was ist eine Rückführung?

Eva Mattes: Bei einer Rückführung begibt man sich in einen Trancezustand, um herauszufinden, was man in einem anderen Leben erlebt hat. (lacht)