Stimmt's?Müssen wir Mineralwasser trinken?

…fragt Hélène Martin aus Frankfurt am Main. von 

Mineralwasser oder Leitungswasser? Das ist ja heute fast schon eine Glaubensfrage. Die Mineralwasserfraktion rechtfertigt den riesigen ökologischen Fußabdruck, den die Verpackung und der Transport von H₂O in Flaschen erzeugt, nicht nur mit dem (angeblich) besseren Geschmack, sondern auch mit einem Gesundheitsargument: Die Mineralien im Flaschenwasser seien lebensnotwendig, den Leitungswassertrinkern drohe Mangelernährung.

Aber diese Bedenken sind gleich aus mehreren Gründen nicht gerechtfertigt. Erstens muss Mineralwasser seit 1980 keine Mindestmenge an Mineralien enthalten – die Stiftung Warentest hat jedes zweite Mineralwasser als "mineralstoffarm" qualifiziert. Vielerorts enthält das aus der Tiefe geförderte Leitungswasser sogar mehr Mineralien als die Flasche aus dem Supermarkt.

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Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Zweitens nehmen wir durch unsere Nahrung eigentlich genügend Mineralien zu uns, das Wasser ist da nur eine Ergänzung. Eine (im Auftrag der Wasserwirtschaft erstellte) Studie der Universität Paderborn kam 2001 zu dem Ergebnis: Wasser als Mineralquelle wird überschätzt. Von vielen Mineralien nehmen wir ohnehin schon zu viel zu uns – etwa vom Natrium, das im Kochsalz steckt. Deshalb werben viele Mineralwässer mit dem Prädikat "natriumarm".

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
    • klunjes
    • 18. September 2011 11:07 Uhr

    Ein echter Muffengänger trinkt das Leitungswasser natürlich auch nicht direkt aus dem Hahn. Das muss vorher selbstverständlich abgekocht werden. Denn durch die tägliche wochenlange Nichtbenutzung der Wasserleitung bilden sich böse Keime, die dann in ungeahnten Mengen auch nach stundenlangen Laufenlassen bereits mit dem ersten Schluck eingenommen werden.

    Gehe ich aus dem Haus, habe ich immer Wasserreinigungstabletten dabei, man weiß ja nie! Bevor ich meine Duschköpfe essen, putze ich sie vorher ab damit sie auf dem Tisch wieder appetitlich aussehen. An der Nordsee habe ich schon mal Wasser getrunken, das schmeckte nach eingelegter Qualle mit Modder.

    3 Leserempfehlungen
  1. 2 Leserempfehlungen
  2. Obwohl ich selbst seit vielen Jahren hauptsächlich Leitungswasser trinke, kaufe ich mir regelmäßig doch einige Flaschen Heilwasser (meist Fachinger oder Hirschquelle) - und zwar, um mich mit dem lebensnotwendigen Mineralstoff Lithium zu versorgen, der in Deutschlands Wässern sonst kaum vorkommt. Der Frage, ob das Lithium aus dem Heilwasser auch im Körper ankommt, habe ich vor einigen Jahren durch einen Test mit 20 Freiwilligen bestätigt: bei allen Heilwasser-Trinkern (Hirschquelle) stieg der Lithiumspiegel im Blut während der zwei Wochen Versuchszeit deutlich an. Zu niedrige Lithiumspiegel können u.a. das Immunsystem schwächen, zu Aggressivität, Tendenz zur Selbstverletzung oder zu starken Stimmungsschwankungen führen. Da in den USA die Lithiumwerte im Boden um das ca. 5-fache höher sind, steigt bei längeren Aufenthalten in den USA vermutlich der Lithiumspiegel, was die Erklärung für das "gute Gefühl" der USA-Reisenden sein könnte - und ebenso für den Blues der Rückkehrer.
    Mein Tipp: Einfach mal zwei Wochen ein lithiumreiches Heilwasser trinken und selbst beobachten, wie es sich auswirkt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • klunjes
    • 18. September 2011 14:04 Uhr

    Nennt man die USA wegen des hohen Lithiumwertes deswegen nicht auch: Land des Lächeln und der fröhlich-friedlichen Menschen?

  3. Ah ja. Dann machen sie den Wasserhahn mal in Südeuropa auf und vergleichen Sie.

    Keine Ahnung wo Sie wohnen, aber ich wohne in Deutschland, trinke seit Jahren Leitungswasser und erfreue mich bester Gesundheit. Und das scheinbar trotz dieser Grütze.

    2 Leserempfehlungen
    • klunjes
    • 18. September 2011 14:04 Uhr

    Nennt man die USA wegen des hohen Lithiumwertes deswegen nicht auch: Land des Lächeln und der fröhlich-friedlichen Menschen?

    Antwort auf "Mineralstoffe"
    • HorFe
    • 18. September 2011 14:55 Uhr

    Haben Sie an die Weichmacher in den PET - Flaschen gedacht?

    Eine Leserempfehlung
    • achimvr
    • 18. September 2011 16:54 Uhr

    in dem Fall hab ich mich auf die Aussage von ihnen bezogen:
    "Besonders im Sommer finde ich lauwarmes Leitungswasser alles andere als Schmackhaft."

    Vermutlich haben Sie diese Aussage aus Ihrer Erinnerung verdrängt?

    Antwort auf "@achimvr"
  4. Sie wissen schon ... wird übrigens aus Leitungswasser hergestellt, das mit industrieller Kohlensäure versetzt wird.
    Genau wie das "Bonaqua" derselben Firma.

    Antwort auf "Stimmt nicht"

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