Schwebt scheinbar über den fränkischen Wiesen vor Herzogenaurach: das neue Adidas Firmengebäude "Laces".

In Herzogenaurach, 23.000 Einwohner, 30 Kilometer von Nürnberg entfernt, befindet sich der Stammsitz des Sportartikelherstellers adidas. In den neunziger Jahren entbrannte in dem Konzern ein Streit darum, ob die Firmenzentrale weiter in der fränkischen Provinz verbleiben oder in eine globale Metropole umziehen solle. Die Entscheidung fällt für die Heimat. 1998 wird ein ehemaliges Militärgelände am Rande des Städtchens erworben, pittoresk im Landschaftsschutzgebiet zwischen Müllkippe, Kaninchenzuchtanlage und Schützenverein gelegen. Rund um einen ehemaligen Fliegerhorst aus dem "Dritten Reich", so der Plan, soll ein neues, sportliches Stadtquartier entstehen. Es beinhaltet neben einer World of Living die World of Business und das neue Headquarter von adidas: die World of Sports. Die Provinz soll weltläufig werden.

Im Jahr 2000 gewinnt das Schweizer Büro AGPS den internationalen Wettbewerb mit einem ambitionierten Masterplan. Auf den Computersimulationen joggen junge, sportliche Menschen durch die Landschaft, und die Gebäude sehen aus wie farbige Blubberblasen. Die Umsetzung des Masterplans erfolgt allerdings weniger flippig. Zunächst wird die alte Kaserne modernisiert, es folgen ein neues Mitarbeiter-Restaurant und ein Brand-Center. Nach dreijähriger Bauzeit ist nun der erste Büroneubau fertiggestellt worden. Keine rundliche Blase, sondern ein sportlich-spitzwinkliger Körper beherbergt rund 1700 Mitarbeiter des Kreativbereiches – also Designer, Materialforscher und Marketingleute.

Eigentlich haben die Architekten alles richtig gemacht. Das Gebäude ist ein durchkomponiertes Objekt, dessen glatte weiße Fassade mit durchlaufenden Fensterbändern über der Landschaft zu schweben scheint. Neben aller formalen Perfektion erzählt das Gebäude zusätzlich eine Geschichte über den Auftraggeber. Der Grundriss erinnert an einen Schuh, und die über den Innenhof führenden, die einzelnen Abteilungen miteinander verbindenden Brücken symbolisieren dessen Schnürsenkel. Deshalb heißt das Gebäude bei adidas auch laces – englisch für Schnürsenkel.

Architektonisch überzeugt das Gebäude durch seinen Minimalismus, seine klare Struktur und dynamische Form. Sportlich eben, und auch Hightech – so wie der Auftraggeber sich selbst sieht. Das Berliner Designbüro Kinzo hat die Büros eingerichtet; Tische und Regale knicken um die eigene Achse, als würden sie gerade eine Fitness-Übung absolvieren. Und auch die raumgreifende Wandbeschriftung von Andreas Uebele spiegelt das Selbstverständnis des Unternehmens. Die Buchstaben und Begriffe überlagern sich dynamisch und sportiv – genauso schnell wie ein Turnschuh. Mit einem Wort: Das Gebäude ist so perfekt auf die Markenidentität von adidas abgestimmt, dass einem angst und bange wird. Sogar die informellen Treffpunkte für die Mitarbeiter sind gebrandet, sie heißen nach berühmten Turnschuhen. "Lass uns mal im Samba treffen", so läuft dann wohl die Kommunikation der Kreativ-Mitarbeiter.