Business SchoolsMBA-Entwicklungsland

Deutschland tut sich schwer mit der Managementausbildung. Business Schools sind zu klein, um in internationalen Rankings eine Rolle zu spielen.

Als im Juli in den Medien über geheime Fusionsgespräche zwischen der Frankfurt School of Finance & Management und der Berliner European School of Management and Technology (ESMT) spekuliert wurde, ließ das Dementi nicht lange auf sich warten. Man verfolge diesen Vorschlag nicht weiter, verkündete die ESMT umgehend: Die Medien hätten sich auf ein Non-Paper bezogen, also ein geheimes Papier, das eigentlich gar nicht existiere. Dabei ist besagte Präsentation durchaus vorhanden und trägt den Titel »Die Schaffung einer führenden europäischen Business School in Deutschland: eine gemeinsame Vision für ESMT und Frankfurt School«. Sie zeigt vor allem eines: Die ESMT hat ein Problem mit ihrer Größe. Mit 17 Millionen Euro ist ihr Umsatz noch deutlich geringer als bei der European Business School (EBS) und der WHU Otto Beisheim School of Management . Zusammen – so die Zahlenspiele – wären Frankfurt School und ESMT dagegen umsatzmäßig nicht nur die größte Schule in Deutschland, sondern würden sogar die spanische IESE Business School übertreffen.

Größe ist wichtig, um in der internationalen MBA-Liga oben mitspielen zu können. Dazu muss man auch in den internationalen Rankings präsent sein. Dieses wiederum setzt voraus, dass man Klassen mit mindestens 30 Teilnehmern hat – und das haben nur wenige deutsche Managementschulen. Deutsche Business Schools sind schlicht zu klein. Kein Wunder, dass es immer wieder Fusionsgerüchte gibt.

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Zum Vergleich: Während an der Insead Business School , einer der führenden MBA-Schmieden weltweit, inzwischen mehr als tausend Studenten pro Jahr ihren Vollzeit-MBA in Fontainebleau bei Paris oder in Singapur machen, starten an der EBS dieses Jahr gerade mal 15 Studenten. An der Goethe Business School in Frankfurt waren es im vergangenen Jahr 17. Ihren Executive MBA hat die zur staatlichen Universität gehörende Business School gerade – mangels Teilnehmern – ganz eingestellt.

»Der MBA ist das Kernstück einer Business School – quasi der OP in einem Krankenhaus«, sagt Rolf Cremer, langjähriger Dean an der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai und seit Juni neuer Präsident der EBS. Soll heißen: Deutschland könne es sich nicht leisten, in so einem wichtigen Bereich wie der Managerausbildung nicht präsent und international erstklassig zu sein.

Doch in Deutschland fremdeln immer noch viele mit dem MBA. Oftmals fehlt es schon am Grundverständnis. So halten viele den Master of Business Administration noch immer schlicht für eine neumodischere Bezeichnung für den bisherigen Diplom-Kaufmann. Doch der klassische Vollzeit-MBA ist nicht für Betriebswirte gedacht, sondern vor allem für Akademiker ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, die nach ein paar Jahren Berufserfahrung betriebswirtschaftliches Zusatzwissen erwerben wollen. Deshalb hätten auch in Deutschland berufsbegleitende MBA-Programme das größte Potenzial: Immer mehr Ingenieure und Natur- oder Geisteswissenschaftler übernehmen im Laufe ihrer Karriere Managementaufgaben, für die sie nie ausgebildet wurden. Im MBA-Studium bekommen sie nicht nur das notwendige Know-how, sondern können das Gelernte auch direkt an ihrem Arbeitsplatz einsetzen.

Dennoch stehen viele deutsche Personalmanager dem MBA kritisch gegenüber. Das zeigt sich wohl nirgends deutlicher als an der von 25 Konzernen gegründeten und finanzierten ESMT. Gerade mal 38 Studenten absolvieren derzeit dort ihren Vollzeit-MBA, beim berufsbegleitenden Executive MBA sind es 31. Die meisten von ihnen kommen nicht einmal aus einem der 25 Sponsoren-Unternehmen. Was wohl kaum daran liegen kann, dass es in Konzernen wie der Allianz, bei der Deutschen Telekom, Lufthansa oder Siemens keinen Bedarf an einer internationalen Managerweiterbildung für die Mitarbeiter gäbe.

Auch wenn Deutschland sich mit dem MBA schwertut, ist die Ausbildung längst kein amerikanisches Phänomen mehr. Das weltweit größte Executive-MBA-Programm hat derzeit die CEIBS in Shanghai. 800 Führungskräfte pro Jahr studieren dort neben ihrem Job. 90 Prozent werden dabei von ihrem Arbeitgeber unterstützt. Dort sieht man den MBA offenbar als sinnvolle Weiterbildungsmaßnahme an.

 
Leserkommentare
  1. ...wir brauchen noch viel mehr MBAs, damit die noch viel besser performen können als all diejenigen, die unsere gesamtes Wirtschaftssystem gerade in den Abgrund reissen! Gibt es eigentlich irgendeine Studie, ob MBAs langfristig und nachhaltig den Unternehmenserfolg steigern, oder ob sie eher gute Boni einsacken und dann schon weg sind, wenn alles zusammenbricht?

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    • ttx
    • 27.09.2011 um 16:59 Uhr

    Die Kommentare zu solchen ZEIT-Artikeln sind so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Arme Redaktion. Aber gut, was will man auch anderes erwarten? Linksgerichtete Plattformen locken halt nun mal vornehmlich ökonomische Beckenrandschwimmer an.

    Zum Artikel: Der Autor sollte bitte nicht Managementausbildung mit MBAs gleichsetzen. Deutschland hat im betriebswirtschaftlichen Bereich wohl kein Nachwuchsproblem. Folgendes angesprochene Problem lässt mit effektiverer Rekrutierung seitens der Unternehmen beheben (sofern es denn überhaupt stimmt, konnte ich bislang nicht feststellen): "Immer mehr Ingenieure und Natur- oder Geisteswissenschaftler übernehmen im Laufe ihrer Karriere Managementaufgaben, für die sie nie ausgebildet wurden."

    • ttx
    • 27.09.2011 um 16:59 Uhr

    Die Kommentare zu solchen ZEIT-Artikeln sind so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Arme Redaktion. Aber gut, was will man auch anderes erwarten? Linksgerichtete Plattformen locken halt nun mal vornehmlich ökonomische Beckenrandschwimmer an.

    Zum Artikel: Der Autor sollte bitte nicht Managementausbildung mit MBAs gleichsetzen. Deutschland hat im betriebswirtschaftlichen Bereich wohl kein Nachwuchsproblem. Folgendes angesprochene Problem lässt mit effektiverer Rekrutierung seitens der Unternehmen beheben (sofern es denn überhaupt stimmt, konnte ich bislang nicht feststellen): "Immer mehr Ingenieure und Natur- oder Geisteswissenschaftler übernehmen im Laufe ihrer Karriere Managementaufgaben, für die sie nie ausgebildet wurden."

  2. Diese ganzen Rankings spielen gar keine Rolle, nirgendwo sind die Hochschulen so viel besser als bei uns und warum sollten wir fremde Hochschulanschlüsse einführen.

    Das ist wie die Aussage, das auf Honolulu nicht ausreichend Menschen leben, die Deutsch können. Ziemlicher Schwachsinn, den man hier geboten kriegt.

    3 Leserempfehlungen
  3. Jo ich war dieses Wochende an der Ebs. Porsches und Mercedes, die Studenten im Anzug und alles exklusiv und ganz wichtig: kein Pöbel.

    Die Jungs und Mädels, die dort studieren haben keine Ahnung vom normalen Leben der Menschen und denken ihnen gehört die Welt. Davon brauchen wir ganz dringend viel viel mehr (natürlich möchte ich hier nicht verallgemeinern, denn es wird auch sicherlich viele normale Studenten an der EBS geben, aber die haben sich bei meinem Besuch dann gut versteckt).

    4 Leserempfehlungen
    • ttx
    • 27.09.2011 um 16:59 Uhr

    Die Kommentare zu solchen ZEIT-Artikeln sind so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Arme Redaktion. Aber gut, was will man auch anderes erwarten? Linksgerichtete Plattformen locken halt nun mal vornehmlich ökonomische Beckenrandschwimmer an.

    Zum Artikel: Der Autor sollte bitte nicht Managementausbildung mit MBAs gleichsetzen. Deutschland hat im betriebswirtschaftlichen Bereich wohl kein Nachwuchsproblem. Folgendes angesprochene Problem lässt mit effektiverer Rekrutierung seitens der Unternehmen beheben (sofern es denn überhaupt stimmt, konnte ich bislang nicht feststellen): "Immer mehr Ingenieure und Natur- oder Geisteswissenschaftler übernehmen im Laufe ihrer Karriere Managementaufgaben, für die sie nie ausgebildet wurden."

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Klar..."
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    braucht für den Spott nicht zu sorgen.

    Sprechende Wollpullover haben Aufwind. Manche sind sogar erfolgreiche Manager, ganz ohne MBA.

    • grrzt
    • 28.09.2011 um 6:20 Uhr

    Die Kommentare zu solchen ZEIT-Artikeln sind so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Arme Redaktion.

    Bitte beteiligen Sie sich sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    braucht für den Spott nicht zu sorgen.

    Sprechende Wollpullover haben Aufwind. Manche sind sogar erfolgreiche Manager, ganz ohne MBA.

    • grrzt
    • 28.09.2011 um 6:20 Uhr

    Die Kommentare zu solchen ZEIT-Artikeln sind so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Arme Redaktion.

    Bitte beteiligen Sie sich sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

  4. Schon heute wächst die erste Generation heran, die ihr komplettes Leben in einer Parallelwelt (Privatschule, Internat, Privatuni) verbracht hat. 20jährige Erstsemester, die im Porsche zur Uni fahren und dort ihre Netzwerke knüpfen.

    Diese Leute haben es überhaupt nicht nötig zu arbeiten, sie könnten auch als Privatiers leben. Was da für Pfeifen rauskommen, das sieht man am Fall "Guttenberg". Blender, die verbrannte Erde hinterlassen, immer in der Gewissheit: "eigentlich habe ich das alles gar nicht nötig". Solche Leute brauchen wir nicht als Führungskräfte. Durch solche Leute ist Deutschland nicht aufgestiegen.

    Eine Leserempfehlung
    • MeÖz
    • 27.09.2011 um 17:36 Uhr

    Ich bin froh,das sich Deutschland bezüglich Manag...eh "Leistungsträgerausbildung" schwer tut. Es ist wichtiger Führungskräfte zu schaffen, die sich mit der Realität auseinandersetzen und wissen wie der Hase läuft. Noch mehr Snobs die glauben sie seien die besten und die, die alles wissen. User Creedinger hat meine einstige aussage bestätigt. Jeder Kunststudent und Archäologe ist mit lieber als die Achso-tollen Experten, welche uns im übrigen auch mal in die Sche**e geritten haben.

    Link für meine Analyse von "Snob-Schulen" : http://www.zeit.de/studiu...

    Vorallem sag ich mir : Wer wird den bei den Massen von Juristen, BWLern etc. die alles und jedes plannen und "optimieren" noch was Produzieren ? Ich hab optimieren in anführungsstriche gesetzt weil viele dieser MBAler nicht einen Funken Ahnung haben wozu z.b. so eine Turbine für Krafwerke gebraucht wird. Hab ich schon erlebt.

  5. Ich habe schon Bewerber gehabt, die mit irgendwelchen ungerankedten MBAs gewedelt haben in der festen Überzeugung, dass sie da was in der Hand hätten.

    Und Kollegen, die in wirklichen Kaderschmieden waren -Henley, Wharton etc.- die haben im wesentlichen Buzzword-Kompetenz aufgebaut zu Sachverhalten und Modellen, die mir jeder Diplomand aufsagen kann.

    Das einzige, was diese MBAs bzw. Executive MBAs wirklich bringen, ist a) ein erstklassiges Netzwerk und b) brauchbares betriebswirtschaftliches und ökonomisches Grundwissen für nicht-Wirtschaftswissenschaftler.

    Eine Leserempfehlung
  6. .. ein Unglück. Wir bilden nicht noch weitere Anhänger der Irrgeleiteten Mainstream Ideologie aus die später zu Unfähigen Managern oder Beratern werden? So schade.

    Die ganze Art und Weise wir amerikanische Unternehmensführung funktioniert hat versagt. Die USA produzieren nichts mehr. Man verwaltet heute Geld als Wirtschaftszweig und nennt dies "Industrie".

    Menschenmaterial wird auf dem globalen Markt ohne Sinn und Verstand gekauft und verkauft. Unzählige Schichten von Führungsebenen wachen über die Rudersklaven in ihren "Cubicles". Was für ein Witz.

    Von den USA lernen heisst verlieren Lernen. Das Misstrauen gegenüber dem MBA ist mehr als gerechtfertigt.

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