Gabriele Schuhmann-Giampieri, 54, ist Projektleiterin in einem Pharmaunternehmen und hat den European Executive MBA an der ESCP Europe in Berlin absolviert

»Ich bin eigentlich eine waschechte Naturwissenschaftlerin: Ich habe in Pharmazie promoviert und lange in der akademischen, später in der industriellen Forschung gearbeitet. Dann bin ich ins Projektmanagement unserer Firma gewechselt. Da fielen oft Begriffe wie Net Present Value oder Return on Investment . Die Bedeutung war mir schon ungefähr klar, ich wollte es aber genau wissen. Ein Unternehmen trifft seine Entscheidungen nicht nach den Kriterien eines Naturwissenschaftlers. Ich wollte verstehen, was die Kriterien einer Firma sind. Warum investiert sie gerade in diese Projekte, in andere dagegen nicht? Wie hoch ist das Budget und warum? Das war mein Antrieb, als ich mich für das MBA-Studium entschieden habe.

An dem European Executive MBA gefiel mir besonders die internationale Ausrichtung, die Seminare fanden in Paris, London, Turin und Madrid statt. Ich habe nicht nur Leute aus verschiedenen Branchen kennengelernt, sondern auch aus anderen Ländern und Kulturen. Es war einfach spannend, wie unterschiedlich wir unsere Entscheidungen treffen. In Skandinavien und Deutschland sind wir doch sehr aufgabenorientiert. In Frankreich und Italien läuft das Geschäftliche eher auf einer persönlichen Ebene ab.

Wir waren aber auch außerhalb Europas unterwegs. Wir hatten ein Seminar über Emerging markets in Indien, und mit meinem Kurs Innovation Management war ich in Austin, Texas. Am Anfang hatte ich Zweifel, ob ich das überhaupt alles schaffe. Schließlich hatte ich nicht nur den MBA und meinen Beruf zu vereinbaren, sondern musste auch noch eine Familie managen. Zum Glück hatten alle großes Verständnis. Meine Tochter hat zur gleichen Zeit ihr Abitur gemacht, wir waren quasi Leidensgenossinnen. Trotzdem sollte man vorab klären, dass man für knapp zwei Jahre sehr eingespannt sein wird. Meine Freunde mussten sehr zurückstecken. Es war toll, nach dem Abschluss mal wieder ein Wochenende ganz unbeschwert genießen zu können.

Während des MBA-Studiums gab es immer eine Aufgabe, die auf mich wartete. Das war nicht nur fachlich eine Herausforderung, sondern auch organisatorisch. Mein Team war über ganz Europa verstreut, und das meiste lief über E-Mails oder Skype. Wenn wir wieder ein Seminar hatten, sind wir früher angereist, um unsere Arbeit abzuschließen. Das war beschwerlich, aber ich habe dabei auch Gelassenheit gelernt. Man lernt, darauf zu vertrauen, dass man das alles schaffen kann.

Mittlerweile bin ich wieder ganz im Arbeitsalltag angekommen. Neben neuen Aufgaben mit größerer Verantwortung habe ich auch ein anderes Selbstbild gewonnen. Ich sehe meine Rolle als Dolmetscherin: Ich erlebe oft, dass jemand aus dem Management etwas fragt, der Kollege aus der Forschung es aber falsch versteht und etwas ganz anderes antwortet. Da prallen Welten aufeinander, und es kommt leicht zu Missverständnissen – nur, dass ich mit meinem neuen Wissen jetzt sofort vermitteln kann.«