Neulich entschied sich Jürgen Fohrmann dafür, Klartext zu sprechen. Er sei dagegen, »dass immer mehr Leute an Universitäten und Fachhochschulen gebracht werden«, verkündete der Bonner Uni-Rektor im Bonner General-Anzeiger. Dann legte er noch einen drauf: Es könne nicht das Ziel der Hochschulen sein, »zugunsten von hohen Aufnahmekapazitäten das wissenschaftliche Niveau abzusenken«.

Starke Worte in Zeiten eines Studentenansturms auf die Hochschulen , wie ihn Deutschland noch nicht gesehen hat: Mehr als 500.000 Erstsemester, so zeichnet sich nach ersten Rückmeldungen ab, werden dieses Jahr die Hörsäle bevölkern. Auf politischer Ebene sind sie hoch willkommen: Von einer »großartigen Chance« spricht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). »Wir brauchen viele hoch qualifizierte Fachkräfte.«

Die Mehrheit der Hochschullehrer dagegen scheint wie Fohrmann zu denken: Der Erstsemester-Boom, so ihre Angst, könnte die Qualität der Hochschulen gefährden. In einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gaben jetzt 44 Prozent der beteiligten Professoren zu Protokoll, dass sich die Arbeitseinstellung ihrer Studenten verschlechtert habe, nur acht Prozent waren der Meinung, die Leistungsbereitschaft habe zugenommen. Im Rahmen seines Hochschulrankings hat das CHE knapp 3.500 Professoren aus ganz Deutschland befragt, außerdem 1.600 Studenten.

Deutlich wird in der Umfrage vor allem die folgende Diskrepanz: Während die Studenten finanzielle Schwierigkeiten und die schlechte Betreuung als Ursachen für einen Studienabbruch nennen, haben sie nach Meinung vieler Professoren ihr Scheitern sich selbst zuzuschreiben: Fehlende Grundlagenkenntnisse, ein mangelndes intellektuelles Vermögen, vor allem aber eine falsche Vorstellung davon, was das Studium tatsächlich ausmache, brächten die Studenten zu Fall.

Ist das Szenario, vor dem der Bonner Rektor Fohrmann warnt, also schon eingetreten? Sind die Uni-Tore schon lange vor dem aktuellen Run so weit geöffnet worden, dass von einem anspruchsvollen Studium kaum mehr die Rede sein kann?

Die Daten einer weiteren CHE-Erhebung sprechen auf den ersten Blick ebenfalls für diese These: Der Anteil jener Studenten, die zumindest von ihrer Herkunft und ihrem Auftreten her dem klassischen Erfolgsstudenten entsprechen, beträgt gerade noch 13 Prozent an der gesamten Studierendenschaft. Diesen Wert hat das CHE mithilfe einer Umfragetechnik aus den USA ermittelt, mit der sich sozialer Hintergrund, Einstellungen und auch Kompetenzen der heutigen Studentengeneration messen lassen. In einem Pilotprojekt haben die Forscher dazu 9.000 Studenten an acht Hochschulen (unter anderem TU München und Universität Bremen) durchleuchtet.

»Wunschkandidat« hat das CHE diesen Studententypen genannt. Er entspricht, könnte man sagen, im Wesentlichen dem Bild, das die meisten Professoren von sich selbst haben. Der »Wunschkandidat« hat eine profunde Allgemeinbildung, bringt eine überdurchschnittliche Abiturnote mit und weiß, was das Studium von ihm verlangt. Er ist hoch motiviert, kann sich gut ausdrücken und sich auch gut selbst organisieren.

»Wir gefährden das Niveau an den Universitäten«

Die übrigen Studenten, geschlagene 87 Prozent im sogenannten »CHE Quest«, sind genau jene Studenten, mit deren Unzulänglichkeiten Professorenverbände öffentlich hadern. So bekräftigt auch der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV ), Bernhard Kempen, das wichtigste Mittel zur Qualitätssicherung an deutschen Universitäten sei und bleibe die Bestenauswahl. »Wir gefährden das wissenschaftliche Niveau an den Universitäten, wenn wir jetzt einfach alle Schleusen aufmachen.«