Pianistin Alice Sara Ott: Verheißung am Klavier
Die junge Pianistin Alice Sara Ott hat Beethovens Waldsteinsonate eingespielt: Technisch mühelos, allein, es fehlt ihr noch an Lebenserfahrung.
© Esther Haase

Die Pianistin Alice Sara Ott
Zuletzt aufgehorcht bei der Waldsteinsonate Nr. 21, Opus 53 von Ludwig van Beethoven hat man bei Josef Bulva, dem tschechischen Ausnahmepianisten, einem freien Geist und Sonderling, der sich just mit Beethoven im letzten Jahr nach einer langwierigen Handverletzung zurückmeldete: Bulva sprach durch Beethoven als Bruder im Geiste. Er hatte viel gelitten, erzählte aber von Beethovens Schmerz ganz unsentimental. Mehr wie ein Röntgengerät legte er alle wunden Stellen offen, pianistisch unbestechlich.
So weit ist
die 50 Jahre jüngere Alice Sara Ott
noch nicht. Doch über den Umweg der frühen
Klaviersonate Nr. 3, Opus 2
tastet sie sich bei ihrem ersten Beethoven (nach Liszt und Chopin) sehr geschickt an die
Waldsteinsonate
heran. Sie malt das kommende Unheil nicht drastisch an die Wand, sondern schraffiert die Noten eher: Wolken ziehen vorüber. Das Adagio der
Waldsteinsonate
wirkt dann bei allem Bemühen – und aller offensichtlichen Mühelosigkeit in technischer Hinsicht – gleichwohl ein wenig obenhin gedacht. Sie weiß, was sie sagen will, doch muss sie sich noch ein bisschen ins Leben begeben, bevor man das Gefühl hätte, dass es hier auch wirklich um die Existenz geht. Aber eine Verheißung ist das alles schon!











An einigen Stellen laufen die Handbewegungen asynchron zur Musik in einer Weise, die zeigt, dass die Bildaufnahmen zur Musik gestellt sind. Ich halte als Hobbypianist und Musikliebhaber ein solches Marketing eher für peinlich.
Bei einem guten Künstler muss die Musik für sich alleine sprechen; gestellte Bildaufnahmen, die auch noch irreführend sind, sind für einen Verkauf an Kenner der Musik eher kontrapruktiv.
Diese Auffassung ist doch wohl harmonistisch geglättet, ohne innere Spannung.
Diese Auffassung ist doch wohl harmonistisch geglättet, ohne innere Spannung.
... meint, es fehle Alice an Lebenserfahrung. Mh? Vielleicht auch eine Handverletzung? Oder irgendwas am Sitzfleisch?
(Honi soit qui mal y pense.)
Diese Auffassung ist doch wohl harmonistisch geglättet, ohne innere Spannung.
warum kommen diese Plattitüden immer dann zur Sprache, wenn es sich um eine junge Frau handelt? Man benötigt sicherlich hervorragende Technik, um das zu spielen. Man benötigt für diese Schinken wie op.106, op.57 und op.53 (Waldstein) auch Kraft und Ausdauer. Deswegen spielt kaum ein Pianist im höheren Alter diese Stücke in Konzerten. Das Beethoven'sche Schema 'durch Nacht zum Licht', wie Eisler es nennt, ist eigentlich ein relativ simples, das jeder, der mal im Leben kleinere oder grössere Frustrationen erlebt und durch eigene Kraft überwunden hat, nachvollziehen kann. Wenn man dann noch Ratschläge, wie zum Beispiel, von Brendel beherzigt,an Anfang nicht zu sehr Sopran und Bassstimme zu betonen, sondern die mittleren, um das pianissimo misterioso hinzukriegen und den Rhythmus schnell, federnd und flüssig nimmt, kann eigentlich wenig schiefgehen. Bei den kleinen Häppchen, die man auf youtube hören kann, macht Frau Ott das alles gut und richtig.
Der Rezensent muss natürlich alles Mögliche in dieses Stück hineingeheimnissen, damit eine neue Aufnahme eine Offenbarung sein kann. Wenn ich mir meine drei Aufnahmen (Buchbinder, Gulda, Gieseking)von der Waldstein-Sonate anhöre, dann brauche ich keine Neue. Das ist natürlich ein Problem für die Platten/Disk Industrie und die nachgeborenen Frau Ott und Herrn Bulva.
Übrigends von den drei Aufnahmen ist Buchbinders, die schönste und die hat er auch relativ jung aufgenommen.
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