Zuletzt aufgehorcht bei der Waldsteinsonate Nr. 21, Opus 53 von Ludwig van Beethoven hat man bei Josef Bulva, dem tschechischen Ausnahmepianisten, einem freien Geist und Sonderling, der sich just mit Beethoven im letzten Jahr nach einer langwierigen Handverletzung zurückmeldete: Bulva sprach durch Beethoven als Bruder im Geiste. Er hatte viel gelitten, erzählte aber von Beethovens Schmerz ganz unsentimental. Mehr wie ein Röntgengerät legte er alle wunden Stellen offen, pianistisch unbestechlich.


So weit ist die 50 Jahre jüngere Alice Sara Ott noch nicht. Doch über den Umweg der frühen Klaviersonate Nr. 3, Opus 2 tastet sie sich bei ihrem ersten Beethoven (nach Liszt und Chopin) sehr geschickt an die Waldsteinsonate heran. Sie malt das kommende Unheil nicht drastisch an die Wand, sondern schraffiert die Noten eher: Wolken ziehen vorüber. Das Adagio der Waldsteinsonate wirkt dann bei allem Bemühen – und aller offensichtlichen Mühelosigkeit in technischer Hinsicht – gleichwohl ein wenig obenhin gedacht. Sie weiß, was sie sagen will, doch muss sie sich noch ein bisschen ins Leben begeben, bevor man das Gefühl hätte, dass es hier auch wirklich um die Existenz geht. Aber eine Verheißung ist das alles schon!