Popstar Leslie FeistNicht von dieser Welt

Das grandiose Ergebnis einer Pause: Feist ist zurück und hat mit "Metals" ein neues Album mitgebracht – eine Begegnung. von 

Feist auf dem Baum

Feist auf dem Baum  |  © Mary Rozzi

Leslie Feist scheint lieber Wolken zählen als noch einmal ihr neues Album erklären zu wollen. Die 35-jährige Kanadierin blickt müde in den weiten Kreuzberger Herbsthimmel, der sich über der Dachterrasse des abgeranzten Szeneclubs wölbt, in dem die Sängerin seit zwei Tagen pausenlos Journalisten und Fernsehteams empfängt. »Hörbar«, bestenfalls »elastisch« nennt sie ihre Songs in den endlosen Interviews, die sie besonders gerne im Schneidersitz führt.

Vier Jahre lang hat Feist, wie sie sich als Sängerin nennt, pausiert. Die Alben Let It Die, Open Season und The Reminder hatten ihr weltweite Erfolge gebracht, sieben Jahre hatte sie ununterbrochen auf Tour gelebt, ihre gesamte Zeit in Flugzeugen, bei Videodrehs und Presseterminen verbracht, etliche Awards und Grammy-Nominierungen eingesammelt. Ihre Stimme hatte die Apple-Werbung geschmückt, sie war in Talkshows und in der Sesamstraße aufgetreten . Bis sie abtauchte. Sich zurückzog, um wieder das Mädchen mit den Ponyfransen aus irgendeiner kanadischen Kleinstadt zu werden, die wieder in einer alten Garage hinter ihrem Haus in Toronto an einem Song bastelt.

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Der Blick kommt aus den Wolken zurück. Wie die Stille war? »Wunderbar«, Leslie Feist strahlt. »Guck mal, die zwei da!«, sie winkt den Bauarbeitern auf dem gegenüberliegenden Gebäude zu. Feist ist noch nicht wieder richtig angekommen in der Welt hier draußen, die sie daran erinnert, dass sie eigentlich ein Superstar ist. Dass ihre Musik die Garage längst verlassen hat, um erneut die Charts aller Länder zu stürmen und sie mit der hohen Erwartung konfrontiert, dass Metals eine der größten Platten des Herbstes werden würde. Sie ist es geworden.

Metals spannt den Bogen weiter als die bisherigen Feist-Alben. Wie eine riesige Diashow von Panoramabildern ziehen die Klangfarben von Leslie Feists einzigartiger Stimme vorbei, entwerfen und füllen weite Landschaftsaufnahmen. Nicht in das Du und das Ich fließt die emotionale Wucht von Feists großer Stimme in ihren zwölf neuen Stücken. Dieses Mal besingt sie den Himmel, das Meer, den Ausblick vom hohen Berg aus.

I Caught A Long Wind, berichtet sie in ihrem stärksten neuen Song und erzählt in Bittersweet Melodies die Geschichte dieses Windes weiter, der im Gras flüstert, sich aufbäumt, wirbelt, stürmt, und später die Bäume im »slow dance« wiegt, aus denen der Gesang eines Vogels ertönt. Von süßem Mädchencharme hat diese neue Naturbeschreibung allerdings nichts. Dafür ist sie viel zu ernst. Denn die Wetterzustände sind Weltzustände, vom seichten Wind geht es ins große Gewitter, Feist meint den Menschen. »Für jeden mentalen Zustand findet man in der Natur ein Abbild«, sagt sie.

Kanada, das Heimatland, in dem nicht die Städte, sondern der weite »unerzählte« Raum zwischen ihnen zählt, hat auf diese Songs abgefärbt. Genau wie das Studio in Big Sur in Kalifornien, hoch auf den Klippen über dem Pazifik, in dem sie mit ihrer Band die Songs im Februar innerhalb von zwei Wochen aufgenommen hat. Schonungslos scheint Feist dort oben alles mitgenommen zu haben, was der Himmel ihr geschickt hat. Metals klingt, als wäre sie, das schmale Persönchen, nie zurückgewichen, als habe sie sich allem ausgesetzt, bis zum Äußersten: den Stürmen, dem störrischsten Wehen, den Strahlen der aufgehenden und untergehenden Sonne, dem frischen Regen, der behutsamen blauen Stunde.

Monumentaler sind deshalb ihre neuen Stücke, weniger verspielt als auf dem letzten Album, das Feist und ihre Bandkollegen Gonzales und Mocky 2007 in einer alten Landhaus-WG außerhalb von Paris im Pyjama aufnahmen. Das Klimpernde ihres Welthits 1234, das Triumphierende, mit der sie der Welt I Feel It All! zurief sind einer tieferen, belastbareren Melodik gewichen.

Leserkommentare
  1. Das ist aber nur meine eigene Meinung und die wollte ich mal loswerden.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jz

  2. 2. Najo.

    Finde das Album nicht so besonders. Kaum etwas hängen geblieben nach dem ersten mal hören.

  3. hier sind wieder nur die Schlechtgelaunten unterwegs, vollkommen überbewertet und nicht so besonders.

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jz

    • negve
    • 11. Oktober 2011 5:06 Uhr
    5. Arbeit

    Ich mag was die Frau so tut. Ob nun überbewertet oder nicht. Da fühle ich mich mal gemüssigt zu fragen, was denn korrekt beurteilte Musik wäre? Fun-Punk und Steppenwolf?

    Für mich passt das Album perfekt in meine Stimmung, in die Zeit, an den Ort.

    • Malchus
    • 28. Oktober 2011 13:47 Uhr

    Das kling alles derart nach Eleanor McEvoy (gelegentlich nach Fiona Apple), dass schon eine Portion Mut dazu gehört, sowas als eigenständige neue Songs herauszugeben.
    Vielleicht stimmt ja wirklich die manchmal gehörte These: es war schon alles da, und nur die geschickte Neuplatzierung verspricht noch Umsatz?
    Ist aber trotzdem ganz nett!

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