Bosch-Chef Franz Fehrenbach »Mir dreht sich der Magen um«
Bosch-Chef Franz Fehrenbach über ungezügelte Finanzmärkte, politisches Versagen und unternehmerische Verantwortung.
© Scott Olson/AFP/Getty Images

Händler in Chicago
DIE ZEIT: Herr Fehrenbach, die Geschäfte bei Bosch laufen im Jubiläumsjahr glänzend. Dennoch wirken Sie aufgewühlt.
Franz Fehrenbach: Ich war gerade in Japan und China. Auf dem Rückflug las ich von der Empfehlung einer US-Bank, deren Kunden nun auf den Niedergang Europas wetten sollen...
ZEIT: Sie meinen Goldman Sachs.
Fehrenbach: Ja. Wenn ich auf den Niedergang Europas wette, um eine hohe Rendite zu erzielen, finde ich das unerträglich und unmoralisch. Bei so einem Verhalten dreht sich mir, gelinde gesagt, der Magen um.

Seit acht Jahren steht der badische Winzersohn Franz Fehrenbach an der Spitze von Bosch. Unter der Ägide des 62-jährigen Wirtschaftsingenieurs wurde das Engagement in Umwelttechnik (Photovoltaik, Wärmepumpen, Getriebe für Windräder) forciert.
ZEIT: Solche Geschäftspraktiken kann man als Manager aus der Industrie nicht verstehen?
Fehrenbach: Die Realwirtschaft kämpft mit aller Energie dafür, wettbewerbsfähig zu bleiben und Europa als Binnenmarkt zu erhalten. Und andere wetten auf den Niedergang dieser tollen Region…
ZEIT: Neu sind solche Wetten nicht. Schon in der großen Bankenkrise stand die Politik dem Treiben der Finanzakteure hilflos gegenüber.
Fehrenbach: (hebt den Ton) Seit 2008 reden wir darüber, die Finanzmärkte zu regulieren. Aber bisher ist viel zu wenig geschehen, um Hedgefonds und andere Großspekulanten in die Schranken zu weisen.
ZEIT: Sie mögen die Banker nicht.
Fehrenbach: Meine Kritik gilt nicht pauschal allen Banken oder Investoren. Aber gegen solche spekulativen Geschäfte muss die Politik etwas unternehmen. Da werden haltlose Gerüchte gestreut, etwa über die französische Großbank Société Générale, wohl nur, um die Kurse zu drücken und daran zu verdienen. Das gehört endlich reguliert, und zwar knallhart.
ZEIT: Die Regierenden haben ihre Aufgabe nicht erfüllt?
Fehrenbach: Die haben gedacht, das geht schon vorbei. Aber nichts ist vorbei.
ZEIT: Die Spekulationen haben aber eine reale Basis – die hohen Staatsschulden.
Fehrenbach: Meine absolut größte Sorge ist: Wie bleibt Europa politisch handlungsfähig? Wir müssen klären, wie wir mit der Verschuldung umgehen, was aus dem Euro und der europäischen Wirtschaftszone wird. Es geht mittlerweile um die politische Glaubwürdigkeit, darum, wie Europa sozial und gesellschaftlich stabil bleiben kann.
ZEIT: Wer genau muss da jetzt agieren? Berlin wird schon von allen Seiten kritisiert.
Fehrenbach: Es hilft überhaupt nicht, auf die Kanzlerin und andere Politiker einzuprügeln. Wir alle müssen uns klar werden, wohin wir Europa in den nächsten zehn Jahren entwickeln – und die Regierungen natürlich als Erste. Aber wir hatten auch Vorgängerregierungen, die die Europäische Union viel zu schnell haben wachsen lassen. Da war gar keine wirtschaftliche Integration möglich. Die sind locker über die Vorgaben des Maastricht-Vertrags hinweggegangen, auch in Deutschland.
- Datum 23.09.2011 - 15:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.9.2011 Nr. 39
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...kann ich nur zustimmen. Hoffentlich findet der Mann weiteres Gehör. Eine weitere Regulierung der Finanzmärkte
ist dringend notwendig - bevor es mal wieder zu spät ist.
Jetzt wo der erste "Konzern-Lautsprecheer" gegen die "Standard-Markt-Aktivitäten" verbal angeht, wird...
Was erwartet!?
Jetzt wird auf einmal der Ruf nach politischer "Regulierung" laut...
Wenn es denn halt grade passt...
Ja und natürlich kann man nicht pauschalisieren - wo, wer und mit welchen Argumenten kann man dies überhaupt...
Lassen wir es doch einfach "die Märkte richten"...
Ansonsten bin ich ehrlich erstaunt darüber, wie das konkret laufen soll - nur um dann wieder mit welcher Hand auch immer gesteuertem Ruder laufen zu können...
Bekanntlich ist es ja nie zu spät - aber ob sein Appell bei unserer moderierenden Regierungschefin überhaupt Gehör findet - sie ist doch so beschäftigt mit ...
Immerhin fürchtet der Mann um die politische Glaubwürdigkeit (spinne ich?!).
Ist dieses Interview als Glosse zu verstehen - oder was...
Verhaltene und kritische Grüße
Solche Töne hört man aus den Chef-Etagen nur selten. Daher mein Respekt für Herrn Fehrenbach. Hoffentlich gibt es noch weitere Akteure, die ähnliche Ansichten haben und das auch laut aussprchen, und hoffentlich nutzen viele junge und engagierte Menschen die soziale Verantwortung eines Unternehmens als Kriterium bei der Arbeitsplatzsuche.
Irgend woher kenne ich das. Wenn der Karren in den Dreck gefahren wurde, waren es immer die Anderen, die geschoben haben.
Jahre und Jahrzehnte war einem Teil die Entwicklung an der Börse und der Einfluss der Börse ganz egal. Wenn nun der Eindruck entsteht, die eigenen Interessen werden belastet, fängt man plötzlich zu weinen an.
Wer vielleicht etwas in dieser Richtung erfahren will, der sollte sich unbedingt die Sendung "Beckmann" von gestern ansehen.
Hier wurden sehr klare Worte zum Kapitalismus, zur Gier, zum Neoliberalismus etc. ausgesagt. Was der Neoliberalismus nun schon über viele Jahre den Menschen angetan habe, welchen sw-ge seit 1983 eingeführt habe und seither ginge es bergab.
Interessanterweise wurde in dieser Sendung auch die Gewinnmaximierung als einziges Unternehmensziel sogar von einem Unternehmer gegeißelt. Es tut sich also etwas. Die Menschen lernen vielleicht doch. Vielleicht ist ja doch nicht Hopfen und Malz verloren.
Interessant ist nun aber, dass mit dem Niedergang des Neoliberalismus, mit dem jetzt eingeläuteten Ende des Neoliberalismus (= FDP) sich manche Radikal Neoliberale plötzlich als Wolf im Schafspelz zeigen. Walter, ehem. Deutsche Bank und einer der Vorzeige-Neoliberalen, sagte plötzlich, er habe schon immer gegen den Neoliberalismus gesprochen und auch Beckmann ein Radikal-Neoliberaler gab sich nun plötzlich so, als habe er schon immer gegen den Neoliberalismus gekämpft.
Dem Zeitalter des menschenverachtenden Neoliberalismus folgt nun für manche das Zeitalter der Heuchler.
Egal, der Neoliberalismus neigt sich seinem Ende zu.
Und das ist gut so.
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo
willkommen in der Wirklichkeit.
http://www.youtube.com/wa...
Interessant dieses sehr gute Interview.
Wie war das damals in Amerika?
Thomas Jefferson der dritte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor 250 Jahren zur Finanzkriese gesagt hat:
"Ich denke, daß Bank-Institute gefährlicher als stehende Armeen sind....
Wenn die amerikanische Bevölkerung es zulässt, daß private Banken ihre Währung herausgeben....
Dann werden die Banken und Konzerne, die so entstehen werden, das Volk seines gesamten Besitzes berauben, bis eines Tages ihre Kinder obdachlos auf dem Kontinent aufwachen, den ihre Väter einst eroberten.!"
Thomas Jefferson 1743 - 1826
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