Lausitzer Tagebau Der Pfarrer und die Kohle
Drei Dörfer in der Lausitz sollen dem Tagebau geopfert werden. Was ist wichtiger: Umweltschutz oder billiger Strom?
Immer morgens gegen neun geht Mathias Berndt vom Pfarrhaus in Atterwasch die paar Schritte hinüber zur kleinen, weiß getünchten Atterwascher Kirche, schließt dort die Pforte auf und zündet drinnen, auf dem Taufständer vor dem Altar, drei Kerzen an. Jeden Tag tut der Pfarrer das, nur im Urlaub lässt er sich von einem Nachbarn vertreten.
Die drei Kerzen, sagt Berndt, stünden für Atterwasch, Grabko und Kerkwitz, drei Lausitz-Dörfchen nordöstlich von Cottbus nahe der Grenze zu Polen. Seit Oktober 2007 zündet der Pfarrer sie an, seit er einen Brief bekam, aus dem hervorging, dass die Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und ihre 900 Bewohner umgesiedelt werden sollen. Absender des Schreibens war der schwedische Energiekonzern Vattenfall, unterzeichnet war es mit dem alten Bergmannsgruß »Glückauf«.
Vattenfall betreibt bei Cottbus den Braunkohletagebau Jänschwalde und möchte auch den Tagebau Jänschwalde-Nord aufschließen, aus dem dann ein neues Kraftwerk befeuert wird, das Strom aus Brandenburg bis nach Berlin liefern soll. Dem stehen die Dörfer im Wege, und mit ihnen Pfarrer Berndt und seine Herde. Seit dem Schreiben, das im Herbst 2007 zeitgleich alle Haushalte in Atterwasch, Grabko und Kerkwitz erreichte, hängen Plakate vor der Kirche und auf den Dorfplätzen, finden Sternmärsche und Demonstrationen statt, werden Protestbriefe und Petitionen geschrieben. Und Pfarrer Berndt fragt, von seiner Kanzel und überall sonst, warum 3.600 Hektar intakte Natur vernichtet und damit Heimat und »Gottes Schöpfung« zerstört werden sollen: »Wozu eigentlich?«
Braunkohle weiterhin unbegrenzt verfeuern?
Atterwasch ist ein winziger Flecken ganz am Rande der Republik, ein Ort weit unter dem Radar der Bundespolitik. Aber die Frage, die der dortige Pfarrer stellt, ist eigentlich eine Kanzlerfrage. Sie weist darauf hin, dass nach dem Atomausstieg niemand so richtig entscheiden mag, wie in Deutschland eine sichere Energieversorgung auf der einen und der Schutz von Klima und Umwelt auf der anderen Seite zusammengebracht werden sollen. Darf dafür Braunkohle – der dreckigste Energieträger überhaupt – weiterhin unbegrenzt verfeuert werden? Und wenn ja, wie lange noch?

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Eigentlich schien die Antwort auf diese Fragen nach einer Sitzung des Bundestags im Juli etwas klarer geworden zu sein. Damals entschieden die Parlamentarier, zwar die Erprobung des sogenannten CCS-Verfahrens zu erlauben, mit dem in Kohlekraftwerken das Klimagift Kohlendioxid aufgefangen, in Pipelines verfrachtet und dann unterirdisch gelagert werden soll. Allerdings stellt es das Gesetz ins Belieben jedes Bundeslandes, die heftig umstrittene, aber für das Gelingen des Verfahrens notwendige CO2-Speicherung unter seinem Territorium zu verbieten – was Schleswig-Holstein und Niedersachsen auch tun wollen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird an diesem Freitag auch der Bundesrat diese Länderklausel bestätigen, und das, so prognostizieren es die allermeisten Fachleute, würde das Ende der Erprobung von CCS in Deutschland bedeuten.
Bis vor Kurzem sah es so aus, als würde damit auch die letzte Stunde der brandenburgischen Braunkohle eingeläutet. Jahrelang hatte nämlich Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lautstark verkündet, dass es keine neuen Kohlekraftwerke gäbe, wenn diese mit CCS nicht einigermaßen sauber betrieben werden könnten. Ohne einen neuen Kohlemeiler in Jänschwalde – der das dortige alte Kraftwerk in einigen Jahren ablöst – wird aber auch keine Ausweitung des Tagebaus bei Cottbus benötigt, ergo könnten Atterwasch, Grabko und Kerkwitz stehen bleiben.
Allerdings ist Braunkohle massenweise vorhanden, konkurrenzlos billig und für ein knappes Viertel der deutschen Stromversorgung verantwortlich; überdies hängen an ihr in der strukturschwachen Lausitz 6.000 Arbeitsplätze. Zugleich sind der Abbau und die Nutzung des dreckigen Brennstoffs für Vattenfall sehr profitabel; abgeschrieben, sind Braunkohlekraftwerke wahre Gelddruckmaschinen. Zusammengenommen heißt das, dass es für Politik und Unternehmen reichlich Anreize gibt, an der Kohle festzuhalten – und zwar so lange wie möglich.
- Datum 27.09.2011 - 16:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.9.2011 Nr. 39
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Nur leben die meisten nicht in Ihren Finaziellen verhältnissen!
Atomstrom war schlecht!
Windkraft ist Gut aber keine Leitungen vorhanden!
Solar ist ? Nur Teuer für den Steuerzahler!
demonstriert man auch schon gegen Windkraftanlagen ...
demonstriert man auch schon gegen Windkraftanlagen ...
wurde seit Urzeiten wegen der Kohle umgegraben und genauso oft renaturiert. Unzählige Dörfer sind derweil untergebuddelt worden. Wegen und vor allem der billigen Kohle geschuldet. Unsere gesellschaftliche Entwicklung, die gesamte industrielle Revolution ging von ihr aus und ist ihr geschuldet. Stellt sich natürlich die Frage, nachdem wir die Atommeiler abgeschaltet haben, Wind und Solar unstetig sind worauf wir in Zukunft unseren Erfolg bauen wollen?
Haben die Grünen hierfür eine Antwort?
Wir können doch nicht ernsthaft glauben, dass unser Stromverbrauch ohne jegliches Opfer zu decken ist.
Bodensenkungen nach dem Bergbau, Landschaftszerstörung durch den Tagebau, Risiken der Atomkraft, "Verspargelung und Schattenspiele" durch Windräder usw. usf..
Wir können ja gern alles davon beklagen, aber einen Tod werden wir (oder auch nur die jeweils direkt Betroffenen für uns) wohl sterben müssen.
Dass wir die Braunkohle heute und morgen nicht mehr brauchen, ist jedenfalls wenig glaubhaft, denn der Aufbau von ausreichenden Alternativen steht erst noch an.
"Billigen Strom?"
Deutschland hat europaweit den höchsten Strompreis.
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo
zur "Energiewende" der Regierung Merkel.
schrieb ich, Warum wird das zensiert? Das mag nicht konstruktiv sein, aber die Energiepolituik dieser Regierung ist es sicher auch nicht.
Man kann diese Aussage auch weiterführen, aber das ist doch nun wirklich nicht mehr notwendig angesichts der Diskrepanz, die zwischen der werbeheischenden aber inhaltsleeren Darstellung der Regierung und der Realität ihrer "Energiepolitik" steht.
zur "Energiewende" der Regierung Merkel.
schrieb ich, Warum wird das zensiert? Das mag nicht konstruktiv sein, aber die Energiepolituik dieser Regierung ist es sicher auch nicht.
Man kann diese Aussage auch weiterführen, aber das ist doch nun wirklich nicht mehr notwendig angesichts der Diskrepanz, die zwischen der werbeheischenden aber inhaltsleeren Darstellung der Regierung und der Realität ihrer "Energiepolitik" steht.
Solange regenerative Energiequellen gegen konkurrenzlos billige Braunkohle ankommen müssen, gestattet der freie Markt keinen Umstieg.
Es muß nach Marktlogik erst alles unwiederruflich vernichtet werden, was nichts kostet (Natur, Heimat, Klima).
Wenn die Menschen schlau wären und nicht alle Macht "den Märkten" gäben, würden sie sich jetzt so verhalten, als gäbe es die Braunkohle gar nicht, denn irgendwann müssen sie sowieso ohne auskommen.
in der Nähe von Aachen auch betroffen. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Landschaften und für viele Leute auch Heimat werden der Kohle wegen einfach weggebaggert. Gewachsene Strukturen werden damit vernichtet. Es ist die Frage, ist die Kohle das wert, zumal behauptet wird, daß Kohle im Ausland billiger gekauft werden kann, wie hier gefördert, auch müssen die Arbeitsplätze wieder herhalten.
weit mehr Menschen von der Umsiedlung wegen Braunkohletagebauen betroffen, als in der Lausitz ...
Der Unterschied ist: in Nordrhein-Westfalen hat man sich schon lange daran gewöhnt, dass die ganze Landschaft letztlich der Industrie wegen umgekremelt wird.
http://de.wikipedia.org/w...
Zitat:
"Vom Tagebau sind wir hier,... in der Nähe von Aachen auch betroffen. "
weit mehr Menschen von der Umsiedlung wegen Braunkohletagebauen betroffen, als in der Lausitz ...
Der Unterschied ist: in Nordrhein-Westfalen hat man sich schon lange daran gewöhnt, dass die ganze Landschaft letztlich der Industrie wegen umgekremelt wird.
http://de.wikipedia.org/w...
Zitat:
"Vom Tagebau sind wir hier,... in der Nähe von Aachen auch betroffen. "
Die EE ersetzen Kohle genauso wie Uran. Wozu noch auf eine Steinzeittechnologie setzen wenn 100% EE absehbar sind?! Wer immer noch nicht weiß wie das funktionieren kann sollte sich aber mal langsam informieren. Mit der BILD-Zeitung wird das aber nicht gehen.
Strompreise sind nicht so einfach zu vergleichen. Man sollte schon die Steuer abziehen. Auch gibt es in Frankreich eine staatliche Preisfestsetzung, unsere Atomlobby würde den Politikern hier aber was husten würde es hier genauso gemacht.
2009 wollte EDF den Strompreis um 20% erhöhen, darauf hat Sarkozy diesen Manager abgesetzt.
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