ZEITmagazin: Herr Brandt, für Deutschland war Ihr Vater prägend – aber für Ihr Leben war es Ihre Mutter...

Matthias Brandt: Mein Vater war ja nur sporadisch zu Hause. Darum kann ich auch nie auf die Frage antworten, wie es denn unter einem so dominanten Vater gewesen sei. Für mich waren die Kräfteverhältnisse in der Familie vollkommen andere. Auch meine Brüder, zehn und dreizehn Jahre älter als ich, waren im Alltag kaum präsent. So bin ich unter Frauen aufgewachsen: Es gab meine Mutter, unsere geliebte Haushälterin und ein Au-pair-Mädchen.

ZEITmagazin: Unterschied sich die Liebe zu Ihrer Mutter von jener zum Vater?

Brandt: Die Liebe zu meinem Vater war immer gehemmt. Ich habe ihn als hermetischen Menschen erlebt, zu dem man erst durchdringen musste. Meine Mutter hingegen war zugewandt, direkt und warmherzig. Ich war immer zufrieden, wenn ich mit ihr alleine war und mein Vater diese Atmosphäre nicht störte.

ZEITmagazin: Wie formte diese Beziehung Sie?

Brandt: Wenn ich an meine Mutter denke, dann denke ich oft an Momente großer Innigkeit. Sie hatte ein großes Herz, bis hin zur Kritiklosigkeit. Das war die Konstante meiner Kindheit: Liebe zu erfahren, ohne dass daran Bedingungen geknüpft wären. Dieses Fundament trägt mich bis heute.

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ZEITmagazin: Wie erlebten Sie die Trennung Ihrer Eltern?

Brandt: Nicht als etwas Schlimmes. Ich hatte ja gemerkt, dass sie keine glücklichen Menschen mehr miteinander waren und in Sprachlosigkeit erstarrten. Meine Mutter fand dann noch ihr spätes Glück: Mit ihrem zweiten Mann Niels gewann sie eine Lebensfreude, die ich an ihr lange nicht bemerkt hatte. Die beiden waren noch 25 Jahre lang ein ganz tolles Paar.

ZEITmagazin: Mit 18 zogen Sie aus. Wie eng blieb das Verhältnis zu Ihrer Mutter?

Brandt: Sie hat mich kontinuierlich unterstützt, hat tapfer Theatervorstellungen abgesessen, von denen ich weiß, dass sie ihr nicht gefallen haben können, und hinterher hat sie das Gegenteil behauptet. Wieder diese Bedingungslosigkeit. Das war schön für mich und wichtig.