Der Tatbestand ist nicht zu widerlegen: Schweizer Banken laden Bürger aus anderen Ländern seit Jahrzehnten zum vorsätzlichen Steuerbetrug ein. Sie kennen alle Tricks und verschlungenen Pfade, das Schwarzgeld ihrer Kunden am deutschen oder US-amerikanischen Fiskus vorbeizumogeln und zu verstecken – bis hin zum Botenservice, um das Geld illegal über die deutsch-schweizerische Grenze zu transportieren. Harmlosere Varianten der bloßen Steuerhinterziehung (statt Steuerbetrug) fallen sowieso in die Kategorie des Kavaliersdeliktes. Auf mindestens 2000 Milliarden Franken werden die Anlagen geschätzt, die Ausländer auf Schweizer Banken unter Verletzung der jeweiligen nationalen Steuergesetze deponiert haben. Davon sollen mindestens 130 bis 200 Milliarden Euro aus Deutschland kommen.

Diese aktive Hilfe, mit der die Beschädigung der Einnahmebasis anderer Länder billigend in Kauf genommen wird, ist Teil des Schweizer Geschäftsmodells, wie es mindestens Bankmanager in Zürich oder Bern verstehen. Die Chuzpe, mit der dies geringschätzig abgetan wird, hat niemand unverblümter ausgedrückt als der Schweizer Privatbankier Konrad Hummler: "Steuerhinterziehung ist Notwehr."

Die Empfindlichkeit, mit der Schweizer Politiker, Bankiers und auch Medienvertreter reagieren, wenn ihr Kind beim Namen genannt wird, ist unwahrhaftig. Steuerhinterziehung und Steuerbetrug sind kriminell. Ihnen zu begegnen berührt keineswegs die Souveränität der Schweiz, wie mit Aberwitz behauptet wurde. Vielmehr wird umgekehrt die Souveränität der Bundesrepublik in der Durchsetzung ihrer Steuergesetze durch die Machenschaften von Schweizer Banken angetastet.

Deutsche Politiker mahnten lange, diese Probleme doch bitte nur mit diplomatischem Fingerspitzengefühl zu behandeln. Das erwies sich über die Jahrzehnte nicht nur als wirkungslos. Dabei wurde auch die giftige Wirkung auf den Konsens unserer Gesellschaft unterschätzt: Die große Mehrzahl der Steuerehrlichen muss sich gelackmeiert vorkommen und verinnerlicht die politische Geringschätzung von Regeln. Wenn Diplomatie heißt, sich mit lächelndem Gesichtsausdruck über den Tisch ziehen zu lassen und dafür auch noch zu bezahlen, dann war es 2008 an der Zeit, sich undiplomatisch auszudrücken und Druck zu entfachen. Die Empörung aus der Schweiz schien mir weitgehend davon bestimmt, dass ich dabei einen Nerv gereizt und ein schlechtes Gewissen aktiviert habe.

Natürlich war mein Bild mit der 7. Kavallerie ein Fehlgriff – historisch gesehen. Denn diese Einheit wurde, unter General Custer, von den Indianern am Little Big Horn unter ihrem Häuptling Sitting Bull nach Strich und Faden verprügelt. Nun wollte ich die 7. Kavallerie ja auch gar nicht ausreiten lassen, sondern nur deutlich machen, dass es sie (in Fort Yuma) gibt. Die diplomatischen Experten nennen das eine fleet in being, weshalb sich das Bild von der 7. Flotte angeboten hätte. Aber das zu erwähnen hätte die Reaktion vielleicht noch weiter zum Kochen gebracht.

Die Amerikaner allerdings hielten es im Steuerstreit mit der Schweiz gar nicht für nötig, auf die Existenz einer 7. Kavallerie hinzuweisen – sie haben sie gleich ausreiten lassen. Und zwar in voller Montur. Die Schweizer Großbank UBS musste 2009 wegen ihrer Beihilfe zur Steuerhinterziehung in großem Stil eine Buße von 780 Millionen Dollar bezahlen. Unter Bruch des so hoch gehandelten Schweizer Bankengeheimnisses musste sie die Daten von rund 5000 US-amerikanischen Steuerbürgern herausgeben, was heißt, dass das Schweizer Bankengeheimnis gefallen ist. Managern und Vermögensberatern aus Schweizer Banken drohen in den USA Anklagen. Die jüngste Antwort des US-Vizejustizministers im Rahmen eines Briefwechsels mit einem Staatssekretär des Schweizer Bundesrates hat den Charakter eines Ultimatums.

Die US-Justizbehörden stellen sechs Bedingungen, die auf eine umfassende Offenlegung zu Art und Ausmaß der Steuerhinterziehung und auf detaillierte Auskünfte über US-Kunden und ihre Vermögen in der Schweiz hinauslaufen. Die USA drohen den Schweizer Banken faktisch mit Geschäftsverbot in Amerika, wenn sie nicht kooperieren. Amerika geht ans Eingemachte, wie es eine Schweizer Stimme treffend ausdrückte. Da kann von Leisetreterei keine Rede mehr sein. Und diplomatisches Fracksausen haben ihre Justiz- und Steuerbehörden offenbar abgelegt. Ihnen ist schlicht der Geduldsfaden gerissen.

Dies spürte man schon Ende 2008 nicht zufällig in der Folge der Finanzkrise, als die USA, Frankreich und Deutschland – unter maßgeblicher Mitwirkung und Koordination der OECD – das Thema der Steuerhinterziehung endlich auf die internationale Tagesordnung setzten. Diese Aktion mündete in eine Passage des Kommuniqués des zweiten Finanzgipfels der G-20-Staaten in London Anfang April 2009 und vor allem in einer Liste als Anhang, mit der sich die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und einige andere Länder als Steueroasen angeprangert sahen. Das saß. Die Liste mag in Teilen fehlerhaft und unvollständig gewesen sein. Aber sie brachte konkrete Gespräche über die Änderung von Doppelbesteuerungsabkommen in Gang.