Viele Väter fragen sich, ob sie ihrer Aufgabe gerecht werden.

Ein Samstag auf einem Spielplatz, irgendwo in Deutschland. Männer schieben Kinderwagen, sie schubsen ihre Töchter an, die auf Schaukeln sitzen, sie spielen Fußball mit ihren Söhnen, sie hocken im Sand und bauen Burgen, ein paar Meter weiter in einem Café verrät ein Vater seinem Kind die Geheimnisse des Lebens, die er bereits gelüftet hat.

Glücklich – das scheinen sie zu sein, die Väter von heute, die ja alles ganz anders machen als ihre eigenen Väter. Männer, die sich ihrer Rolle bewusst sind, die sie neu definieren und die nichts mehr zu tun hat mit dem alten Patriarchen, der die Geschicke seiner Familie aus der Ferne lenkt und sich ansonsten raushält: aus dem Alltag, aus der Verantwortung.

Aber wenn man sich dann mal mit einem dieser neuen Väter unterhält, wenn man vielleicht selber einer ist, dann hört man Geschichten voller Selbstzweifel. Geschichten darüber, wie schwer es manchmal ist mit einem Kind, über das Gefühl der Hilflosigkeit, darüber, dass man so oft nichts anzufangen weiß mit dem Sohn, mit der Tochter, und am Ende dieser Geschichten steht meist die Frage: » Bin ich ein guter Vater? «

Es gibt Männer, die halten sich für schlechte Väter, weil sie mit ihren Kindern zu McDonald’s gehen oder weil sie den Fernseher anmachen, wenn sie mal ihre Ruhe haben wollen. Weil sie Basteln und Singen langweilig finden. Weil sie sich ihre Frauen anschauen, denen alles leichtzufallen scheint, und dann fantasieren die Männer von einem Leben 1961, als es den neuen Vater noch nicht gab, sondern Typen, von denen man erwartete, dass sie das Geld nach Hause bringen, mehr nicht. Ach, was waren das für Zeiten...

Schlechte Zeiten waren das – die guten Zeiten sind jetzt, gerade weil von dem neuen Vater so viel verlangt wird, von den Frauen, der Gesellschaft, aber vor allem von den neuen Vätern selbst. Sie wollen sich kümmern und einbringen und da sein.

Heinz Walter erforscht seit Jahren den deutschen Vater, er ist Herausgeber des Buches Vater, wer bist du? . Weiß er, was ein Vater heute können muss? Walter sagt, ein Mann muss sich darüber im Klaren sein, was er für ein Vater sein will, bevor das Kind auf der Welt ist. »Die meisten schaffen die äußeren Bedingungen für ein Kind – übersehen aber oft die inneren Voraussetzungen.« Und sie sollten diese Frage nicht nur mit sich selbst klären, sondern mit der Partnerin, mit Freunden, mit Männern, die bereits Väter sind. Deshalb nennt Walter als Kernkompetenz des modernen Vaters die Kommunikationsfähigkeit. »Und dann muss er bereit sein, für sein Kind da zu sein – nicht nur als Ernährer, sondern als präsente Person.« Walter weiß aber auch: Die modernen Väter »müssten schon Supermänner sein, um all die Forderungen zu erfüllen, die an sie gestellt werden. Ein großes Problem liegt darin, das die Phase der Familiengründung und des beruflichen Fußfassens in das gleiche Altersspektrum fallen.«

In der großen Väterstudie des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2008 sagen 94,9 Prozent der befragten Männer, sie wollten sich »Zeit nehmen für das Kind«; die Studie »männer leben« der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2004 zeigt, dass 44 Prozent der Väter nach der Geburt ihres ersten Kindes länger arbeiten als vor der Geburt. Das mag daran liegen, dass sie den Schwierigkeiten zu Hause aus dem Weg gehen wollen. Das liegt aber auch daran, dass sich Väter der Rolle des verantwortlichen Ernährers bewusst sind: Ich habe eine Familie, ihr soll es an nichts mangeln, deshalb muss ich arbeiten. Und dann mangelt es eben doch, und zwar an der Anwesenheit des Vaters.