Der New 500e von Karabag ist ein Fiat 500, dessen Verbrennungsmotor durch einen Elektroantrieb ersetzt wurde. © Karabag

Karawiebitte? Karabag ! Das ist ein Elektroauto aus Hamburg. Sieht aus wie ein Fiat, fährt aber ohne Benzin, darf deshalb nicht Fiat heißen, heißt also nach seinem Erfinder, dem deutsch-türkischen Autohändler Sirri Karabag. Er war im letzten Jahr der Marktführer in Deutschland. 541 Elektroautos wurden zugelassen, 250 kamen von ihm.

Jetzt kommt Mitsubishis so unaussprechlicher i-MiEV , von Citroën der C-Zero, von Peugeot der iOn . Die deutschen Konzerne zeigen auf der Automobilausstellung tolle Prototypen, aber auf der Straße haben sie nichts. Der Mini-E von BMW und der E-Smart rollen nur zu Testzwecken durchs Land. Der E-Golf ist für 2013 angekündigt, der BMW i3 für 2014. Staunend fragt man sich, wie ein Hamburger Türke allen Konzernen die Rücklichter zeigen kann.

Sirri Karabag, 46, treibt sich mit Redensarten an, Sprüchen wie "Geht nicht gibt’s nicht!" oder "Unternehmer kommt von unternehmen und nicht von unterlassen!"

Einst verkaufte er Nutzfahrzeuge, dann hatte er sein eigenes Geschäft, stieg zum größten Fiat-Händler Deutschlands auf, und dann, 2007, entdeckte er auf einer Messe ein Handwerkerauto mit Elektroantrieb. Im Lande diskutierte man gerade die Kraftstoffpreise und suchte Alternativen zum Verbrennungsmotor. Das passt, dachte Karabag und bot die umgerüsteten Fiats in seinem Autohaus an. Das Ergebnis war umwerfend. 100 Bestellungen von Stromkonzernen, Behörden, Gewerbetreibenden, obwohl ein Wagen damals noch 50.000 Euro kostete.

Leicht verdientes Geld war das nicht. Jeder importierte E-Fiat war unterschiedlich montiert. Hunderte von Teilen mussten für den deutschen Markt ausgetauscht werden, der TÜV ließ grüßen. Der Elektromotor hatte so einen schlechten Wirkungsgrad, dass er mit Wasser gekühlt werden musste. Vor einem Jahr stellte sich die Frage: Warum nicht gleich selber umbauen? Alles billiger machen, besser, cleverer – und das zu einem sensationellen Preis: der Elektro-Fiat, so billig wie der Benziner. Geht nicht gibt’s nicht.

Nun stellte sich der Konzern quer und rückte die Daten der Bordelektronik nicht heraus. Die Programme mussten Karabags Leute in Kleinarbeit enträtseln. Das Basteln am E-Fiat trug absurde Züge: fabrikneuen Wagen zerlegen, Ottomotor ausbauen und versuchen, ihn anderweitig zu verkaufen, E-Motor und Steuerung einsetzen. Das Getriebe ließ man drin und benutzte es, wenn auch nur den dritten Gang, der zufällig zum Motor passte. Die Hochleistungs-Lithium-Batterien verschwanden in der Mulde fürs Ersatzrad. Ein Ersatzrad braucht heute in Westeuropa kein Mensch mehr.

Und das Kernstück? Der Stolz der Ingenieurskunst? Den Motor nahm man beim Gabelstaplerexperten Linde aus dem Regal. Der hat seit Jahrzehnten Erfahrung mit Elektroantrieben und effizienten Maschinen, die keine Wasserkühlung brauchen.