Ford Mondeo TurnierRücksitz-Erinnerungen

Stephan Lebert fährt den Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCI

Der Ford Mondeo Turnier

Der Ford Mondeo Turnier

Es gibt Leute, die behaupten, das Wichtigste im Leben sind Erinnerungen. Ob man will oder nicht, sagen diese Leute: Erinnerungen bestimmen das Handeln. So ist es also zu erklären, dass ich meinen neuen Testwagen sah und dachte: Mann, ist der lang und breit auch. Ein Riese von einem Auto.

Ich war noch ein Junge, als ich mit meiner Familie, Mutter, Vater, Bruder, nach Italien fuhr, nach Südtirol. Wir hatten einen großen, breiten Wagen, einen Citroën DS, die sogenannte Göttliche. Er war dunkelblau und bequem, und ich saß hinten, wir fuhren eines Morgens zu einer Seilbahnstation. Die Gondel sollte uns hoch nach Jenesien bringen, zum Wandern. Als wir ankamen, hieß es: Leider geht die Seilbahn erst wieder in zwei Stunden. Mein Vater war kein geduldiger Mensch, also fragte er einen Passanten, ob nach Jenesien nicht auch eine Straße führe. Ja, sagte der Mann, es gebe eine Straße. Mein Vater fragte, ob das eine gute Straße sei. Ja, sagte der Mann. Er sprach nicht von einer guten Straße, wir waren ja in Italien, er sagte: Bene . Mein Vater sagte bene , also fahren wir. Meine Mutter fragte, warum eine Seilbahn nach oben gehe, wenn man mit dem Auto fahren könne.

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Um es kurz zu machen: Die Straße war sehr schmal, eingefasst von einer Steinmauer und sehr steil. Erst knallte die Fahrertür an die Mauer, dann folgten die anderen Türen. Irgendwann steckten wir fest, die Bremsen stanken. Die Familie schwieg. Wir gingen zu Fuß weiter, Mutter, Bruder und ich. Mein Vater fuhr rückwärts den Citroën hinunter. Wir hatten große Angst. Wird er mit dem Wagen abstürzen? Aber nein: Er überlebte, starb erst 25 Jahre später.

Wir fuhren wieder nach Italien. Ich, Frau und Kind. An den Lago Maggiore. Wir kennen die Gegend, es ist wunderschön, es gibt viele wunderschöne Bergdörfer mit wunderbaren Nudelrestaurants, zu denen unglaublich enge, steile Straßen führen.

Der dicke Ford Mondeo ist ein gutes Auto, man kann ihm nicht ernsthaft zum Vorwurf machen, dass er dicker ist als die italienischen Autos.

Der kleine Junge von damals und der Fahrer von heute. Was wird passieren?

Um es kurz zu machen: Vielleicht war es unser Parkplatz vor der Kirche, der die Götter besänftigte. Wir zwängten uns erfolgreich überallhin. Und fuhren zurück mit einer neuen Frage: Welche Erinnerung wird in Zukunft siegen? Anders gefragt: Wird bene jemals wieder für mich bene bedeuten?

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
CO2-Emission: 139 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter
Basispreis: 28.200 Euro

Stephan Lebert ist Reporter bei der ZEIT.

Der Basispreis wurde von uns zunächst irrtümlich mit 35.000 Euro angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

 
Leserkommentare
  1. Erstens ist Südtirol nicht Italien und zweitens war die alte Straße nach Jenesien breit genug, dass auch der tägliche Schülerbus durchkam. Dort stecken zu bleiben war wirklich eine Kunst. Inzwischen gibt es eine neue Straße, die auch für Lkw mit Anhänger geeignet ist.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • medwed
    • 29.09.2011 um 8:27 Uhr

    Da bin ich aber gespannt, welchem Land Sie das Südtirol zuordnen. Dass die Südtiroler nicht zu Italien gehören wollen, ist ab und zu noch zu spüren. Aber offiziell ist das Gebiet meines Wissens noch immer die nördlichste Provinz Italiens.

    • medwed
    • 29.09.2011 um 8:27 Uhr

    Da bin ich aber gespannt, welchem Land Sie das Südtirol zuordnen. Dass die Südtiroler nicht zu Italien gehören wollen, ist ab und zu noch zu spüren. Aber offiziell ist das Gebiet meines Wissens noch immer die nördlichste Provinz Italiens.

  2. oder nach wievielen Hydraulikopeationen ?
    Nein der neue Mondeo geht eher auf den alten
    Granada Kombi zurück.Das war wirklich ein geräumiger
    Kombi und mit der großen 2,8 Ltr Maschiene auch ein
    passendes Zugfährt.
    Allerdings hatten die Granadamotoren Ölkohleprobleme
    in den Kanälen.

    • medwed
    • 29.09.2011 um 8:27 Uhr

    Da bin ich aber gespannt, welchem Land Sie das Südtirol zuordnen. Dass die Südtiroler nicht zu Italien gehören wollen, ist ab und zu noch zu spüren. Aber offiziell ist das Gebiet meines Wissens noch immer die nördlichste Provinz Italiens.

    2 Leserempfehlungen
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    Wenn selbst Minister der italienischen Regierung stolz ihre T-Shirts mit der Aufschrift "Padania is not Italy" zeigen, dann muss man den Südtirolern auch ihren viel mehr begründeten Slogan "Süd-Tirol ist nicht Italien" zugestehen. Jedenfalls empfinden es die meisten Südtiroler als Beleidigung, wenn man ihr Land als Italien bezeichnet (war dann etwa Andreas Hofer auch ein Italiener?). Auf diese Befindlichkeiten sollte man Rücksicht nehmen. Wenn wir einen Bayern als Preußen bezeichnen, wir er auch nicht erfreut sein. Und dass es auf der alten Straße nach Jenesien einen Busverkehr (mit VW-Bus) gab, ist bewiesen, das Steckenbleiben mit einem Citroen DS also reine Legende, und mit italienischem Straßenbau hat das Ganze überhaupt nichts zu tun.

    Wenn selbst Minister der italienischen Regierung stolz ihre T-Shirts mit der Aufschrift "Padania is not Italy" zeigen, dann muss man den Südtirolern auch ihren viel mehr begründeten Slogan "Süd-Tirol ist nicht Italien" zugestehen. Jedenfalls empfinden es die meisten Südtiroler als Beleidigung, wenn man ihr Land als Italien bezeichnet (war dann etwa Andreas Hofer auch ein Italiener?). Auf diese Befindlichkeiten sollte man Rücksicht nehmen. Wenn wir einen Bayern als Preußen bezeichnen, wir er auch nicht erfreut sein. Und dass es auf der alten Straße nach Jenesien einen Busverkehr (mit VW-Bus) gab, ist bewiesen, das Steckenbleiben mit einem Citroen DS also reine Legende, und mit italienischem Straßenbau hat das Ganze überhaupt nichts zu tun.

  3. Ein Beitrag über ein geräumiges Auto mit angeblich überdurchschnittlichen Ausmaßen und unter den technischen Details keinerlei Angaben über Länge, Breite und Höhe?
    Ein bischen dünn, oder habe ich was übersehen?

    Eine Leserempfehlung
  4. aber wie schneidet denn eigentlich der Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCI ab? Thgema verfehlt?!

    2 Leserempfehlungen
  5. DIE ZEIT und das Automobil... man könnte die Seite im Magazin auch anders füllen.. nämlich mit Antworten:
    Über Design lässt sich nicht streiten, aber ich empfinde Ford leider immer (besitze zum Glück keinen) im Innenraum als eine billige Plastikschleuder mit furchtbaren Stoffsitzen... Ist dies hier auch der Fall?

    Wiederholt biete ich mich hier als Autotester an, denn was zum Teil ZEIT-Journalisten dort seit Bestehen der Rubrik schreiben ist ja so krampfhaft "anders", dass es einfach den Schluss zulässt die Autoren mögen gar keine Tests schreiben. Ich erwarte, wie viele Leser, ja keinen Test alá Auto-Motor-Sport, nur ein wenig mehr sollte es schon um das vorgestellte Produkt gehen. Wie das witzig und informativ gehen kann zeigte immer der DAS-Autotest im NDR-TV. Gut, hier ist es ja Print, aber es soll ja nur als Denkanstoss dienen.

    Eine Leserempfehlung
    • DS23
    • 29.09.2011 um 12:25 Uhr

    ...geht es dem Autor eher um sprachliche Doppeldeutigkeiten und die Frage, was ihn in 20 Jahren noch an den Mondeo erinnern wird.

    Wobei die reibungslose Reise eher nicht durch die Abmessungen des Testwagens möglich geworden ist. Seit der 500 nicht mehr das Mass aller Dinge ist, muss sich wohl auch im italienischen Strassenbau einiges getan haben. Denn ich entsinne mich da an eine ähnliche Episode in Perugia....

    Gruss, DS23

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