Aufgewacht! Wie Sie das Leben Ihrer Träume finden lautet der Titel des neuen Buches der Karriereberaterin Angelika Gulder, in dem die Expertin für Berufung schildert, wie Menschen einen außergewöhnlichen Berufswechsel und einen kompletten Neuanfang schafften. Die Aufforderung, sich endlich seinen Traumjob zu suchen , statt weiter an seinem Arbeitsplatz zu versauern, ist seit Jahren Thema unzähliger Bücher und Zeitschriftenartikel. Da kündigt eine Bankmanagerin ihren Job, um einen Kochbuch-Laden zu eröffnen, eine PR-Beraterin führt eine Jugendherberge, oder ein Arzt wird Lkw-Fahrer, und alle sind glücklich. Je spektakulärer der Jobwechsel, umso besser. Und das richtige Selbstcoaching-Programm gibt es natürlich auch dazu. »Ich kann dieses Gerede vom Traumjob nicht mehr hören«, sagt Tom Diesbrock. Dabei rät der Hamburger Karriereberater keineswegs von einer Veränderung ab, nur sollte sie gut überlegt sein und nicht unbedingt gleich spektakulär. Denn beim Karrierewechsel lauern einige Fallen.

Es muss sich nicht gleich alles ändern

Viele glauben, sie müssten etwas völlig anderes machen, um glücklich zu werden. »Rund die Hälfte meiner Klienten glaubt, dass nur ein radikaler Wechsel hilft«, beobachtet Madeleine Leitner, Karriereberaterin in München. Doch ihrer Erfahrung nach sind höchstens fünf von hundert wirklich grundlegend falsch in ihrem Job, das heißt, sie sind nicht nur auf der falschen Position, sondern auch in der falschen Branche. Für alle anderen genügen nach Erfahrung der Psychologin oft schon kleinere Veränderungen wie der Wechsel in eine andere Abteilung oder die Übernahme anderer Aufgaben, um die Zufriedenheit rasch zu erhöhen. Wer dennoch den kompletten Wechsel anstrebt, sollte sicherheitshalber erst einmal einen Realitäts-Check machen. »Suchen Sie sich Menschen, die genau den Job haben, den Sie haben wollen, und löchern Sie diese, wie ihr Alltag aussieht«, rät Leitner. Nicht selten entpuppe sich der vermeintliche Traumjob dann eher als Albtraum. »Das ist zwar enttäuschend, aber damit ist die Sache wenigstens abgehakt und der Kopf frei für andere Alternativen«, so Leitner.

Angebote besser prüfen

Das Vorstellungsgespräch war angenehm , der neue Chef sympathisch, und die Karriereaussichten sind rosig. Doch Vorsicht: »Oftmals treffen wir Annahmen, die wir nicht verifizieren«, sagt Kai-Jürgen Lietz, Entscheidungsexperte aus Bad Homburg. War etwa die Rede von baldigen Beförderungsmöglichkeiten, gehen wir davon aus, dass sich der künftige Chef auch daran hält. Wurde wiederholt vom großen Zusammenhalt der Mitarbeiter gesprochen, schließen wir daraus auf eine tolle Unternehmenskultur. »Das alles sind nur Vermutungen«, warnt Lietz. »Aber wir betrachten sie so, als wären es Fakten.« Viele ließen sich von vermeintlichen Karriereaussichten und einem hohen Gehalt blenden, beobachtet auch Karriereexperte Diesbrock und rät: »Lassen Sie das Gespräch noch einmal Revue passieren. Wie war der Empfang? Was habe ich bei einem Gespräch gelernt? Passt das zu mir?« Wer unsicher ist, sollte noch um ein zweites Gespräch bitten.

Intuition kann auch trügen

»Mein Bauch sagt mir, dass dies das Richtige für mich ist«, argumentiert so mancher Jobwechsler. Doch wenn es um eine Entscheidung geht, die einen stark emotional bewegt, können sich die Instinkte als trügerisch erweisen. Der bekannte US-Psychologe Paul Ekman spricht dabei von einer sogenannten Refraktärphase: Wenn wir gefühlsmäßig aufgewühlt sind, nehmen wir nur das wahr, was zu unserem Gefühl passt. Erscheint uns ein Jobangebot als der vermeintliche Traumjob, deuten wir alles so, dass es zu unserem Gefühl passt, und ignorieren dabei alles, was nicht damit übereinstimmt. Klassisches Beispiel ist die Eifersucht: Ist ein Partner überzeugt, dass er betrogen wird, sieht er in jeder Handlung seines Partners einen Beweis für seine These und ist rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich. Diese Phase kann nur wenige Sekunden, aber auch sehr viel länger dauern. Da hilft nur eines: Abwarten oder am besten eine Nacht darüber schlafen. Und dann noch mal mit nüchternem Blick die möglicherweise negativen Aspekte durchgehen, die im Rausch der Gefühle vielleicht übersehen wurden.