Ralf Schnoor steht bei 500.000 Euro, als er einen Bekannten anruft; für die Millionenfrage will er sich mit seinem Joker besprechen. Schnoor ist Kandidat der Sendung Wer wird Millionär?, er hat 30 Sekunden Zeit, dem Bekannten die Frage zu stellen. Die Uhr tickt. »Hallo, André, alles klar bei dir? Ist Sabine noch im Laden?«, fragt Schnoor. Er lässt sich Zeit. Das Publikum lacht. »Also, ich glaube, ich kann die hier locker beantworten, die Frage«, sagt Schnoor und zwinkert Moderator Günther Jauch zu. Am Ende der Sendung ist Schnoor Millionär.

Wer bei Wer wird Millionär? wie viel gewinnt, hat mit Wissen zu tun, mit Nervenstärke und ein bisschen auch mit Glück. Aber was fangen die Gewinner mit dem unverhofften Geldsegen an?

Seit Angela Kiefer vor zehn Monaten 16.000 Euro gewann, weiß sie, dass sie könnte. Sie könnte morgen nach Shanghai fliegen und ihrem Verlobten die Stadt zeigen. Sie könnte zu ihrer Hochzeit im Herbst 2012 eine teure Band engagieren. Sie könnte es sich erlauben. Doch erst einmal liegt das Preisgeld auf dem Tagesgeldkonto, Kiefer will flexibel sein und jederzeit darauf zugreifen können.

Seit acht Jahren verdient die 26-Jährige aus Darmstadt ihr eigenes Geld, sie arbeitet im Marketing einer Kosmetikfirma. Nebenher studiert sie Internationale Betriebswirtschaftslehre. Eigentlich gute Voraussetzungen für eine gewisse finanzielle Sicherheit. Und doch sagt sie: »Es würde sich komisch anfühlen, den Gewinn auf den Kopf zu hauen.« Stattdessen grübelt sie über die Frage, wie sie das Geld am besten anlegen könnte. Gold? Schon auf dem Höchststand. Eine Immobilie? »Da reichen die 16.000 Euro nicht, ich würde wohl eher belächelt.« Angela Kiefer hat zu wenig Geld gewonnen, um einen Wert zu schaffen, aber zu viel, um es zu verjubeln. So sieht es die junge Frau.

Bastian Bielendorfer sagt über seinen Auftritt in der Millionen-Show: »Es war der beste Stundenlohn, den ich je in meinem Leben erreichen werde.« Im Oktober wusste er die Antwort auf die 32.000-Euro-Frage und ging mit dem Gewinn nach Hause. Trotzdem ist er enttäuscht. Er hätte risikoreicher spielen sollen, analysiert Bielendorfer heute. Mit seinem Trivialwissen sei er prädestiniert für Wer wird Millionär? Aber als er bei Jauch auf dem Stuhl saß, seien die Fragen an seinen Spezialgebieten Musik, Film und Fernsehen vorbeigegangen.

Und doch blieb Bielendorfer dem Publikum in Erinnerung. Der 27-jährige Hobby-Poetry-Slammer hat die Zuschauer gut unterhalten. Nach der Sendung habe er Post bekommen, noch immer würden ihn Leute auf der Straße ansprechen, erzählt er. Bielendorfer klagte bei Jauch über sein Schicksal als Lehrerkind und erzählte von seiner Idee, ein Buch darüber zu schreiben. Nach der Ausstrahlung machte ihm der Piper-Verlag ein Angebot: Plötzlich war der Psychologiestudent Autor. Sein Buch Lehrerkind – Lebenslänglich Pausenhof erscheint im Herbst. »Mit dem Geld allein hätte ich das Buch niemals verwirklichen können«, sagt Bielendorfer. Er präsentierte sich – und fiel auf.

Bielendorfers Gewinn liegt genau wie bei Angela Kiefer weitgehend unangetastet auf dem Tagesgeldkonto. Auch er will das Geld anlegen. Nur wie? Er wünscht sich: Sicherheit, eine bescheidene Rendite, irgendetwas mit erneuerbaren Energien . Die Berater empfehlen: Immobilien, Aktien, Fonds, keinesfalls erneuerbare Energien. Viel Risiko, wenig Rendite, so schien es Bielendorfer. »Ich wurde plötzlich sehr zuvorkommend behandelt. Aber letztendlich waren den Finanzberatern ihre Interessen wichtiger als meine«, sagt Bielendorfer.

Seine größte Angst: dass das Geld irgendwann einfach weg ist. »Meine Großeltern haben ihr Leben lang gespart, das habe ich mir abgeschaut«, sagt Bielendorfer. Und doch hat sich sein Verhältnis zum Geld mit dem Gewinn auf dem Konto und der Unterschrift unter dem Buchvertrag verändert. Der Spardruck sei von ihm abgefallen, erzählt der junge Mann. Zuvor musste der Student mit ein paar Hundert Euro im Monat auskommen, ständig und überall habe er Preise verglichen. Nun konnte er es sich leisten, von Osnabrück nach Köln zu ziehen.