Auktionen seien die neuen Toptermine der Society, vermeldet ein Lifestyle-Magazin, besser als Cocktailpartys, man müsse sich in die letzte Reihe setzen, da habe man den besten Überblick und könne sehen, wer bietet. Sofern man die Society-Mitglieder an ihren Hinterköpfen identifizieren kann, möchten wir an dieser Stelle höflich einfließen lassen. Und hinzufügen, dass wir noch nie so viele Leute auf einer Party haben telefonieren sehen, während alle anderen regungslos auf einen Mann am Pult starren. Glamourös ist da nix, höchstens überfüllt, dann handelt es sich aber um einen Evening Sale, eine Prestige-Auktion, einen Saisonhöhepunkt. Dann mischen sich unter die neugierigen Besucher kaufbereite Händler, Sammler und Fachleute, sie konzentrieren sich, beobachten, bieten, versuchen, sich ein Bild zu machen, obwohl auch sie auf Vermutungen angewiesen sind, wer sich wohl an einem der vielen Telefone so mächtig ins Zeug legt. Die Cocktails werden woanders gereicht. Besonders publikumsträchtige Versteigerungen sind die Celebrity Sales, in denen der Geist eines ebenso irrationalen wie unbedingten Verehrungswillens weht und deren Ergebnisse in der Regel wenig zur Relevanz auf dem Markt beitragen.

Das gilt in gewisser Weise, wenn auch aus anderem Grund, für Benefiz-Auktionen. Für einen guten Zweck werden gestiftete Kunstwerke versteigert. Der Auktionator stellt sich, oft auch seine Räume und Strukturen zur Verfügung, die Werbetrommel wird von den Initiatoren mehr oder weniger gekonnt gerührt. Wird diese erste Hürde nicht souverän genommen, versammeln sich zur Auktion wie neulich im Autocenter Berlin , einem der besten Offspaces der Metropole, eine Menge Künstler und Kunstfreunde, die schon lange mal sehen wollten, wie so eine Versteigerung funktioniert. Das angestrebte Ergebnis, dem wichtigen Ausstellungsort durch einen ausnahmsweise kommerziellen Akt finanzielle Energie zuzuführen, ist dann bestürzend. Havekost, Eder, Meese und andere haben 36 Kunstwerke beigesteuert , an der Qualität hat es nicht gelegen. Der gute Zweck? Ach so, ja… Vielleicht haben die meisten, die hätten kommen und kaufen sollen, nicht verstanden, dass der Charme des Autonomen mit so etwas Grundkapitalistischem wie einer Auktion durchaus mal eine kurze heftige Affäre haben kann, ohne dass die Beteiligten Schaden nehmen. Auf Dauer würde man sich ja eh nicht verstehen.

Dass er sich auf Marketing versteht, kann man dem Hamburger Kunstvereinschef Florian Waldvogel nicht absprechen. Er hat laut und deutlich verkündet, der Verein sei am Ende, man könne Miete und Gehälter ab September nicht mehr zahlen. Ein Hamburger Traditionsverein? Der Schreck saß tief, und auch nachdem Waldvogel kurz darauf relativierte, es fehlten 150.000 Euro Sponsorengelder allein für dieses Jahr, waren Vereins- und Kunstfreunde fest entschlossen, Abhilfe zu schaffen. Auch hier gab es Spenden namhafter Künstler wie Thomas Demand, Olaf Metzel und Tal R, für 34 Arbeiten wurden gut 170.000 Euro eingespielt. Petra Schellen von der taz hatte allerdings nachträglich noch eine moralische Kleinstkeule für die Bieter parat: »Fast könnte man sagen, sie nutzten die Not des Vereins, um Bilder zu ersteigern und zugleich, imageträchtig, die gute Tat zu tun.« Genau so ist es, und auch die Künstler haben, weil sie sich beteiligen wollten, ihre Werke gespendet. Das ist das Wesen einer Benefiz-Auktion, deren Ergebnisse übrigens nicht grundsätzlich marktrelevant sind. Da kann ein dröges Auktionsparkett günstig angesetzte, interessante Arbeiten im niedrigen vierstelligen Preisbereich durchfallen lassen, die andernorts reüssiert hätten. Andererseits können bisweilen exorbitante Zuschläge gemeldet werden, die weit über die üblichen Marktwerte hinausreichen.