Es ist unmöglich, Staub aufzuwirbeln, ohne dass jemand hustet. Eckhard Cordes, Chef des Handelsriesen Metro , hat viel Erfahrung damit. Er macht nicht nur gerne Pläne, er greift auch durch und geriert sich dabei nicht immer zimperlich. Aber gerade wegen seiner entschlossenen Art wurde er zur Metro geholt: von Eigentümern, die sich selbst gern geräuschlos im Hintergrund halten – und sich dort schon mal leise räusperten, aber Cordes gewähren ließen. Bis vor wenigen Wochen. Plötzlich begannen einige aus ihren Reihen das Gerücht zu streuen, Cordes habe die Unterstützung im Aufsichtsrat verloren. Sein Vertrag, der bis zum Oktober 2012 läuft, würde wohl nicht verlängert. Aber niemand kam aus der Deckung.

Cordes sollte offenbar mürbe gemacht werden. Doch der ließ nach kurzem Zögern unmissverständlich wissen, dass er gedenke, seinen Vertrag zu erfüllen. Und siehe da: Die Eigner knickten ein. Sie stünden komplett hinter Cordes, hieß es von einem Tag auf den anderen. Sein Vertrag würde verlängert. Die leidige Angelegenheit schien beendet. Ein Irrtum. Ende vergangener Woche gab es neue Spekulationen: Cordes’ Vertrag solle nur zwei statt – wie sonst üblich – drei Jahre verlängert werden. Das war ein weiterer Pfeil aus dem Hinterhalt.

Man könnte das alles als eine typische Szene aus dem Handbuch Wie mobbt man richtig abtun, handelte es sich bei der Metro um eine Würstchenbude und bei den Besitzern um prinzipienlose Gesellen. Nun ist die Metro aber der drittgrößte Handelskonzern der Welt, und die Eigentümer zählen zu den vornehmsten Kaufleuten dieser Republik: Der traditionsreiche Industrieclan Haniel und die Familie Schmidt-Ruthenbeck halten zusammen 50,01 Prozent an der Metro und haben damit das Sagen.

Nicht immer harmonisch

Am Duisburger Unternehmen Haniel sind wiederum rund 650 Familienmitglieder beteiligt. Gesteuert wird es von Jürgen Kluge, der früher Chef des Beratungsunternehmens McKinsey war. Sein Verhältnis zu Cordes gilt als frostig. Der zweite Mann, auf den es in diesem Streit ankommt, ist Franz Markus Haniel, der die Aufgabe übernommen hat, seine große Familie unter einen Hut zu bringen und dafür zu sorgen, dass es beim Hüsteln bleibt: ein schwieriges Unterfangen. Denn die Familie ist fruchtbar – und mit ihr wachsen die finanziellen Ansprüche. Nicht immer geht es deshalb nur harmonisch zu und inzwischen auch nicht mehr geräuschlos.

So war es vor allem das Rumoren in und aus ihren Reihen, das öffentlich für Aufregung sorgte – und sich zeitweise sogar zu einer Schmierengeschichte auswuchs. Plötzlich hieß es, Cordes habe einen Arbeitnehmervertreter aus dem Aufsichtsrat mit dem bösen A-Wort beschimpft. Auch diese Gruppe sei im Aufsichtsrat gegen ihn. Eine Bestätigung für ein solches Votum gab es nie.

Dann wurde lanciert, der Metro-Finanzchef, ein enger Mitarbeiter von Cordes, stünde für dessen Nachfolge bereit. Das sollte wohl Zwietracht säen zwischen den beiden. Hat es aber nicht. Ein Nachfolger ist bis heute weit und breit nicht in Sicht. Jürgen Kluge, der zugleich Aufsichtsratschef bei der Metro ist, hielt sich lange Zeit bedeckt. Er ließ die Dinge laufen, anstatt den Versuch der Demontage frühzeitig mit einer klaren Aussage zu stoppen. Eine Männerfreundschaft wird das also nicht mehr.

Eingegriffen hat schließlich Peter Küpfer. Er ist der Vertreter der Schmidt-Ruthenbecks im Metro-Aufsichtsrat. Zunächst fuhr er den Nörglern aus der befreundeten Familie in die Parade. Dann sorgte er in der vergangenen Woche dafür, dass es öffentlich zu einer eindeutigen Erklärung pro Cordes aus dem Hause Haniel kam. Mehr Peinlichkeit geht wirklich nicht.