Vier Tage war die junge Frau mit einem Beduinenstamm in Jordanien unterwegs. Die Reise liegt mehr als ein Jahr zurück, aber Aglaia Wieland ist von dem Erlebnis noch tief beeindruckt. »In der Wüste ist es so still, dass es fast wehtut«, sagt sie. Tagsüber die scheinbar unendliche Weite, nachts der gewaltige Sternenhimmel, diese Erfahrung hat ihre Maßstäbe verändert. »In der Wüste wird mir klar, wie klein der Mensch ist«, sagt sie.

Mit der Wüste hat Aglaia Wieland seit einiger Zeit auch beruflich zu tun. Die Mittdreißigerin ist Chefstrategin der Desertec Industrial Initiative (Dii) GmbH, einer zwei Jahre jungen Planungsfirma, die den sogenannten Desertec-Plan umsetzen soll.

Desertec, das sind riesige Sonnen- und Windkraftanlagen in der nordafrikanischen Wüste . Der Wüstenstrom soll nach den Vorstellungen der Initiatoren zum einen den Energiehunger in Nordafrika lindern, zum anderen Europa den baldigen Abschied von Atom- und Kohlestrom ermöglichen. Im Jahr 2050, so der Plan, könnte Afrika auf diese Weise rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.

Aglaia Wielands Schreibtisch steht in einer Jugendstilvilla in der Münchner Innenstadt. Dort residiert die Projektgesellschaft mit ihren 30 Mitarbeitern. Sie wurde von der Desertec Foundation gemeinsam mit zwölf großen deutschen Unternehmen aus der Taufe gehoben: Die Deutsche Bank ist dabei, der Elektrotechnik-Konzern ABB, der Stromriese E.on, die Versicherung Munich Re und Siemens.

Die Liste hat das Image geprägt. »Es entsteht oft der Eindruck, dass wir in erster Linie deutsche Interessen vertreten«, sagt Wieland. »Das ist falsch.« Mittlerweile hätten sich 50 Partner aus 15 Ländern der Initiative angeschlossen.

Als Mädchen arbeitete sie hart an einer Karriere als Pianistin

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viel Photovoltaikanlagen wie in Deutschland, was bei Licht betrachtet merkwürdig ist. »Die hiesige Sonneneinstrahlung entspricht etwa der von Alaska«, sagt Wieland. »Wesentlich sinnvoller ist es, die Anlagen da aufzustellen, wo die Sonne stark scheint.«

Auf Deutschland scheint durchschnittlich an 1.550 Stunden im Jahr die Sonne, auf Ägypten strahlt sie dreimal so lange und überdies viel intensiver.

Mit 400 Milliarden Euro werde Desertec womöglich teurer als die Mondlandung, stand in etlichen Zeitungen zu lesen. Aglaia Wieland gefällt der Vergleich zum amerikanischen Mondprogramm, aber finanziell gesehen hält sie ihn für falsch: »Für die Mondlandung haben große Budgets bereitgestanden, während wir uns um die Finanzierung jedes einzelnen Projekts kümmern müssen.« Was das alles am Ende kosten werde, sei noch unbekannt. Punkt.