Das deutsche Bildungssystem, schreibt die Frankfurter Rundschau, "wird jedes Jahr neu abgewatscht". So auch in der jüngsten OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2011 . Wie immer geht es auch ums Geld, und da sind die nationalen Unterschiede frappierend. Nimmt man den BIP-Anteil der Bildung als Messlatte, liegt Amerika unter den großen Ländern ganz vorn, Deutschland weit hinten – gerade mal vor Russland und China.

Macht aber Geld auch gescheit? Unter den großen Ländern gibt pro Schüler kein Land mehr aus als Amerika (12.000 Dollar); die Deutschen spendieren den Grundschülern 6.000, den Oberschülern 9.000 Dollar. Doch Investition ist nicht gleich Rendite. Laut Pisa-Ranking liegen die US-Kids in Mathe ganz hinten, die deutschen in der Mitte. Beim Lesen überholen die Amerikaner die Deutschen nur knapp, aber beide liegen im unteren Mittelfeld.

Folglich macht Geld allein noch keine Genies. Die OECD bekrittelt aber nicht die Schule, sondern die Spitze der deutschen Bildungspyramide: "Deutlich geschrumpft" sei der Anteil der Dichter und Denker "am globalen Talentpool". Im Hochschulbereich funktioniert die Geld-Geist-Korrelation viel besser. Die USA sind dort eine Klasse für sich – mit 30.000 Dollar pro Student. Deutschland gibt gerade mal die Hälfte aus.

Unter den Top Twenty der Welt befinden sich 17 US-Unis, darunter auch sechs staatliche, plus Cambridge, Oxford und Tokyo. Die beste deutsche – München – ist auf Platz 52. Also macht Geld doch schlau? Nur auf den ersten Blick. Denn Geld allein erklärt den Unterschied nicht, wie "Oxbridge" zeigt – in einem Land, das etwa so wenig pro Student ausgibt wie Deutschland. Was dann? Ein Wort: "Differenzierung", genauer: "diversity by design", die beabsichtigte Vielfalt.

Die haben wir in Deutschland nicht, "Exzellenzinitiative" hin oder her. Es gilt noch immer: "Eine Uni ist eine Uni ist eine Uni." In den Anglo-Ländern läuft das Spektrum vom Zwei-Jahre-College über die höhere Berufsschule bis zur hochselektiven Forschungsuniversität – für jeden Topf seinen Deckel. An der Spitze herrscht gnadenlose Konkurrenz um die besten Lehrer und Studenten; dass ein Highschool-Absolvent auf der Warteschleife nach Berkeley (staatlich) kommt, ist unvorstellbar. Wir haben zwar mit dem "Bätschelor" die Anglos imitiert, also für Binnendifferenzierung zwischen Grund- und wissenschaftlichem Studium gesorgt. Aber Außendifferenzierung – Exzellenz durch Wettbewerb um Talent, Reputation und Ressourcen – ist nur ein zartes Pflänzchen. Dagegen ist "alle dürfen überall studieren" eine knorrige Eiche.

Trotzdem fehlt bei uns das Geld, rufen Studenten und Politiker. Doch ebendiese Politiker schaffen die Studiengebühren ab; die letzten Bastionen sind Bayern und Niedersachsen. Der Staat soll’s richten, aber wie die OECD notiert, sinken hier die Bildungsausgaben. Wer dann? Etwas Vorkasse von den Studenten sollte schon sein. Denn die erwirtschaften mit dem Studium einen gewaltigen Status- und Einkommensvorteil. Die Kosmetikerin, der Physiotherapeut müssen selber für die Ausbildung zahlen.