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Josef Joffe: Liegt es nur am Geld, wenn der deutsche "Talentpool" schrumpft? von 

Das deutsche Bildungssystem, schreibt die Frankfurter Rundschau, "wird jedes Jahr neu abgewatscht". So auch in der jüngsten OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2011 . Wie immer geht es auch ums Geld, und da sind die nationalen Unterschiede frappierend. Nimmt man den BIP-Anteil der Bildung als Messlatte, liegt Amerika unter den großen Ländern ganz vorn, Deutschland weit hinten – gerade mal vor Russland und China.

Macht aber Geld auch gescheit? Unter den großen Ländern gibt pro Schüler kein Land mehr aus als Amerika (12.000 Dollar); die Deutschen spendieren den Grundschülern 6.000, den Oberschülern 9.000 Dollar. Doch Investition ist nicht gleich Rendite. Laut Pisa-Ranking liegen die US-Kids in Mathe ganz hinten, die deutschen in der Mitte. Beim Lesen überholen die Amerikaner die Deutschen nur knapp, aber beide liegen im unteren Mittelfeld.

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Folglich macht Geld allein noch keine Genies. Die OECD bekrittelt aber nicht die Schule, sondern die Spitze der deutschen Bildungspyramide: "Deutlich geschrumpft" sei der Anteil der Dichter und Denker "am globalen Talentpool". Im Hochschulbereich funktioniert die Geld-Geist-Korrelation viel besser. Die USA sind dort eine Klasse für sich – mit 30.000 Dollar pro Student. Deutschland gibt gerade mal die Hälfte aus.

Unter den Top Twenty der Welt befinden sich 17 US-Unis, darunter auch sechs staatliche, plus Cambridge, Oxford und Tokyo. Die beste deutsche – München – ist auf Platz 52. Also macht Geld doch schlau? Nur auf den ersten Blick. Denn Geld allein erklärt den Unterschied nicht, wie "Oxbridge" zeigt – in einem Land, das etwa so wenig pro Student ausgibt wie Deutschland. Was dann? Ein Wort: "Differenzierung", genauer: "diversity by design", die beabsichtigte Vielfalt.

Die haben wir in Deutschland nicht, "Exzellenzinitiative" hin oder her. Es gilt noch immer: "Eine Uni ist eine Uni ist eine Uni." In den Anglo-Ländern läuft das Spektrum vom Zwei-Jahre-College über die höhere Berufsschule bis zur hochselektiven Forschungsuniversität – für jeden Topf seinen Deckel. An der Spitze herrscht gnadenlose Konkurrenz um die besten Lehrer und Studenten; dass ein Highschool-Absolvent auf der Warteschleife nach Berkeley (staatlich) kommt, ist unvorstellbar. Wir haben zwar mit dem "Bätschelor" die Anglos imitiert, also für Binnendifferenzierung zwischen Grund- und wissenschaftlichem Studium gesorgt. Aber Außendifferenzierung – Exzellenz durch Wettbewerb um Talent, Reputation und Ressourcen – ist nur ein zartes Pflänzchen. Dagegen ist "alle dürfen überall studieren" eine knorrige Eiche.

Trotzdem fehlt bei uns das Geld, rufen Studenten und Politiker. Doch ebendiese Politiker schaffen die Studiengebühren ab; die letzten Bastionen sind Bayern und Niedersachsen. Der Staat soll’s richten, aber wie die OECD notiert, sinken hier die Bildungsausgaben. Wer dann? Etwas Vorkasse von den Studenten sollte schon sein. Denn die erwirtschaften mit dem Studium einen gewaltigen Status- und Einkommensvorteil. Die Kosmetikerin, der Physiotherapeut müssen selber für die Ausbildung zahlen.

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Leserkommentare
  1. Der Artikel widerspricht sich selbst. Einerseits möchte man Talente finden und fördern und andererseits möchte man Talente verschrecken und belasten in dem Studiengebühren einführt.

    Als ob ein Akademiker nicht schon durch Besteuerung und Wirtschaftsleistung die Kosten seines Studiums wieder aufwiegen würde.

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    Wenn Sie an meiner Universität (Karl Eberhards Universität zu Tübingen) immatrikuliert wären und sich täglich anschauen müssten, wie teuer die Klamotten der Studenten sind, wie viele MacBooks (Pro) hier und dort aus der Tasche genommen werden, dann werden sie nach etwas mentaler Anstrengung feststellen müssen, dass Studiengebühren keine allzu große Belastungen für die Studenten.

    Was sind denn schon 600 Euro jede 6 Monate? Die echte Belastung für das Budget kommt aus den Wohnkosten. WG-Miete und der Kauf von Nahrungsmitteln ist das PRoblem vieler STudenten, nicht die als schädigend verkannten Studiengebühren!

  2. Ich persönlich empfinde die Kommentare von Herrn Joffe als eine Art Kompaßnadel, die immer nach Süden zeigt. Zu 99,99% sollte man genau das Gegenteil von dem tun, was Herr Joffe in seinen Artikeln empfiehlt. Dieser Zusammenhang hat durchaus auch eine komische Note.

    Im übrigen finde ich es absurd, wie die Medien hinter den sog. „Rankings“ herlaufen und diese als gottgegebene Wahrheit verkaufen. Hinter den Rankings stehen ganz bestimmte Konzepte, bei denen ganz bestimmte Werte für gut befunden werden und in der Regel stehen dahinter handfeste politische Interessen.

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    Wie recht Sie haben. Rankings achten vor allem auf Forschung, nicht auf die Qualität der Bildung.

    Es ist sehr interessant wenn man zum Beispiel in England feststellt dass Studenten mit der Bildung in Universitäten die Nicht so hoch stehen zufriedener sind als in Camebridge etc.
    Die Zahl jener die Nach dem Studium einen Arbeit habe ist bei den weniger hoch eingestuften Universitäten teilweise auch hoher.

    Von dem Thema gute Forschung und schlechte Lehre hat mir auch ein PhD Mit-Student erzählt - ich nenne aber die Universität nicht, außer dass sie recht hoch steht.

    Dazu kommt auch, in England oder den USA forschen die Universitäten - die Mit viel Geld international Leute anlocken. In Deutschland Forschen die Universitäten weniger, und dafür die Institute mehr.
    Wie kann man da international Universitäten vergleichen?

  3. wenn wir Lehrlinge ausbilden, dann verdienen sie sogar ein kleines Gehalt und die Ausbildungskosten trägt der Betrieb.
    In anderen Ländern gibt es eine solche Ausbildung häufig nicht, da wird das studiert.
    Sind diese Kosten in den von der OECD ermittelten Kosten enthalten ???
    Das Duale Studium, sind da die Kosten des Betriebs enthalten ?
    Fast alle Vergleiche hinken und da der Bätschelor nun auch auf uns losgelassen wird, sollen wir jetzt die betriebliche Ausbildung einstellen ?
    sicherlich, die soziale Nivellierung schadet der Ausbildung, ist aber wie der Name schon sagt sozial und sorgt für Frieden und verzögert höchstens den Aufstieg der Geistesspitzen. Da wir alle älter werden, soviel Zeit haben wir auch und das Alter ist der Weisheit nun nicht abträglich.

  4. muss sich zurückhalten!

    Echtes Talent sucht sich selbst seinen Weg, dafür aber ist unser Bildungssystem zu stark reglementiert und formalisiert. Das reicht gerade mal für Spitzendurchschnitt.

    Wer unangepasst ist oder gar auszuscheren versucht wird bei uns aussortiert. Dabei rekrutieren sich regelmäßig
    die echten Genies eben aus jener Gruppe, die wir aussortieren.

    Erfolgreich im deutschen bildungssystem ist der ideale Beamtenanwärter, der jedne Blödsinn mitamacht, nicht hinterfragt und stur tut, was im aufgetragen wird, damit er am Ende sein Zertifikat erhält.
    Da fällt alles raus, was Farbe und Esprit besitzt und nicht sklavisch diszipliniert ist.

    H.

  5. 5. Genau

    und weil man als Student nichts zu tun hat kann man nebenbei auch noch ne Partei mit obskuren Forderungen gründen.

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    Dass auch Immobilienmakler und Zahnärzte eine solche Partei betreiben können, beweisen sie ja schon seit längerem. Der Erfolg der Studenten mit ihrem obskuren Forderungen spricht dann aber wohl doch fürs deutsche Bildungssystem.

  6. Erst wird beschrieben, dass Deutschland im internationalen Vergleich enorm wenig Geld für die Bildung ausgibt und nachher werden Studiengebühren gefordert?
    Da schließe ich mich an: Das widerspricht sich schonmal.
    Abgesehen davon lautet eine andere Aussage des Textes sowieso: Geld macht nicht (bzw. nur auf den ersten Blick) schlau.
    Also wieso dann die Frage, woher mehr Geld kommen soll?

    Und dann würde ich mir wünschen, wieso "alle dürfen überall studieren" gegen Diversität spricht?
    Wenn sich einzelne Hochschulen auf bestimmte Bereiche konzentrieren und da ein Renomee aufbauen, dann können sie auch einen höheren NC ansetzen und die Menschen mit den besten Noten holen.
    Doch stattdessen gibt es mehr Geld für Hochschulen, die mehr Studis haben!! Das ist das Problem!
    Wie soll man die Ausbildung verbessern, wenn Quantität das einzige Kriterium ist?
    Wieso bekommt man für 1000 schlecht ausgebildete das 10fache wie für 100, die nach ihrem Studium auf allerhöchsten Niveau sind?

    Auch von Zukunftsaussichten wird in dem Artikel nicht gesprochen. Denn die sind meiner Meinung nach gut:
    Nach den geburtenstarken Jahrgängen werden sich die Hochschulen um angehende Studierende bemühen müssen. Dann kommt es auf die Profilierung an! Dann kann man sich Spezialgebieten eine verlässliche Anzahl an Erstsemestlern sichern! Und dann kann man auch mehr Geld geben!

  7. Herr Joffe, war Ihnen mal wieder langweilig?

    Wie kann man so etwas nur fordern, in einer Zeit, in der Absolventen sowieso sehr zu kämpfen haben, um überhaupt eine Stelle zu bekommen?

    Außerdem passt die Forderung am Ende überhaupt nicht zum Rest des Artikel. Jedenfalls ist sie kein notwendiger Schluss daraus.

    Aber Hauptsache selbst kostenlos studiert haben und der mehrfach gebeutelten Generation noch weitere Knüppel zwischen die Beine werfen...

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    • MaxData
    • 30. September 2011 11:52 Uhr

    Naja meine ganzen Kollegen die eben die Uni abgeschlossen haben, denen werden die Jobs nur hinterher geschmissen. - Kommen aus der Ingenieursecke. Also wenn Job bekommen, dann doch erst Recht jetzt!

    Und wieso ist unsere generation mehrfach gebeutelt? Die generation meiner Eltern und Gr´ßeltern wars vielleicht aber unsere? Die meisten an der Uni tragen teure Sachen und haben die besten Computer, das sieht nicht nach armut aus!

    • Aradina
    • 29. September 2011 16:41 Uhr

    Natürlich kann man einfach mal fordern, dass Akademiker, die nach abgeschlossenem Studium sowieso mehr verdienen, auch während dem Studium dafür bezahlen dass sie weiter ausgebildet werden.

    Dabei wird allerdings übersehen, dass Akademiker nicht nur nach dem Studium, wenn sie endlich Geld verdienen, auch höhere Steuern zahlen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. Ein Arzt alleine sorgt für mehrere Arbeitsplätze für Sprechstundenhilfen bzw. Krankenschwestern, Reinigungspersonal, Laboranten etc. Ein BWLer, der eine Firma gründet, kann mehrere hundert Arbeitsplätze ins Leben rufen. Ein Ingenieur, der ein Produkt designt und mit Hilfe von BWLern vertreibt, schafft massenweise Arbeitsplätze für die Herstellung, den Vertrieb, die Reparatur etc der Produkte...

    Alle Teile der Gesellschaft profitieren von ihrer Bildungselite! Aber gerade Studenten haben so wenig Geld zur Verfügung, Studenten aus Arbeiterfamilien hatten schon vor den Studiengebühren oft Schwierigkeiten dabei, ihre Familie zur Unterstützung für ein Studium zu bewegen. Muss man denn ihr Leben noch härter machen als es schon ist? Wollen wir wirklich auf Talente verzichten, oder junge Menschen dazu zwingen, sich zu verschulden?

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  • Serie Zeitgeist
  • Schlagworte Bildungspolitik | OECD | Bildung | Design | Dollar | Exzellenzinitiative
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