ZEITmagazin: Herr Adrià, Sie haben drei "Michelin"-Sterne und zählen zu den weltweit besten Köchen. Was haben Sie als Kind gern gegessen?

Ferran Adrià: Pommes!

ZEITmagazin: Das hört sich ganz normal an.

Adrià: Ich war ein ganz normales Kind mit einer normalen Familie und führte ein normales Leben. Sie werden nichts Seltsames in meiner Kindheit finden. Ich habe meinen Eltern keine Probleme bereitet, auch nicht in der Pubertät. Und mit 17 Jahren war ich weg.


ZEITmagazin: Warum sind Sie so früh ausgezogen?

Adrià: Weil ich Urlaub auf Ibiza machen wollte. Dafür brauchte ich Geld und fand Arbeit als Tellerwäscher. So habe ich in der Gastronomie angefangen und war zum ersten Mal frei. Das ist doch der Traum von jedem Jugendlichen.

ZEITmagazin: Sie brachen damals die Schule ab. Warum?

Adrià: Ich war ein guter Schüler, aber zu dieser Zeit war die Freiheit für mich wichtiger. Es war auch nie mein Traum, irgendeine Lehre zu machen. Manchmal ist das Leben doch viel leichter, als man sich das so vorstellt.

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ZEITmagazin: Bereuen Sie, die Schule nicht abgeschlossen zu haben?

Adrià: Über das, was du nicht mehr ändern kannst, sollst du dich nicht ärgern. Wenn meine Eltern sich stur gestellt hätten und gesagt hätten, du musst weiter auf die Schule gehen, dann würden wir jetzt nicht zusammensitzen und sprechen.

ZEITmagazin: Waren Ihre Eltern derart liberal, dass Sie machen konnten, was Sie wollten?

Adrià: Meine Eltern waren weder konservativ noch liberal. Ihre Haltung, dass ein 17-Jähriger tun kann, was er will, war für Spanien 1980 allerdings ungewöhnlich. Sie war aber grundlegend für meine Karriere.

ZEITmagazin: Haben Sie schon als Jugendlicher nach den Sternen gegriffen?

Adrià: Nein, es kam einfach so, ich habe nicht danach gesucht. Ich konnte vielleicht davon träumen, ein guter Koch zu werden, aber das war schon das höchste der Gefühle.