Sich mit Wolfgang Beck zu unterhalten hat eine entschleunigende Wirkung. Wenn man ihn etwas fragt, überlegt er zuerst, neigt den Kopf zur Seite, führt die Hand zum Kinn, um dann vorsichtig nach einer Antwort zu suchen, der es nie um Originalität, aber immer um Angemessenheit geht. Diese Tugend der Nachdenklichkeit mag auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten vielleicht nicht immer sofort durchdringen, sie hat aber eine deutlich höhere Halbwertzeit als alle Originalitätssucht.

Zurückhaltung, Bescheidenheit, Understatement zeichnen den Verleger Wolfgang Beck aus. Man darf diese Tugenden aber nicht als defensiv missverstehen. Sie verbinden sich auf die verlässlichste Art mit Beständigkeit, Qualitätsbewusstsein und Beharrlichkeit . Der Beck Verlag ist ein Haus, das sich auf seine Maßstäbe verlassen kann. Wie guter Wein braucht auch Geist Zeit zu reifen – und den Beck Verlag hat sicher noch niemand bei einem Schnellschuss erwischt.

Seit 1974 leitet Wolfgang Beck den geistesgeschichtlichen und literarischen Teil des altehrwürdigen Beck Verlags (sein Bruder Hans Dieter ist für den juristischen Teil verantwortlich). Die meisten seiner Titel kommen aus der akademischen Welt, aber ihr Anspruch ist es, hineinzuwirken in die Gesellschaft . Jedoch nicht durch didaktische Verharmlosung, sondern durch die Brillanz des Arguments und den gedanklich guten Stil. Von Annemarie Schimmel über Hans-Ulrich Wehler bis zu Ralf Dahrendorf, von Saul Friedländer bis zu Fritz Stern hat dieses Haus Denker an sich gebunden, die nie blenden, aber immer wirken wollten.

In den Geschichtswissenschaften ist der Münchner Verlag fast ein Monopolist. Aber schon früh interessierte sich Wolfgang Beck für den Islam, ein Programmschwerpunkt, der dann erst nach dem 11. September so richtig ins Auge sprang. Dem steht die liebevoll gepflegte Orientalische Bibliothek zur Seite, in der zum Beispiel Claudia Otts sensationelle Neuübersetzung von Tausendundeiner Nacht erschien. Mit Ernst Tugendhat, Anthony Appiah und Amartya Sen ist die Philosophie im Haus verankert. Seit 1999 wurde ein literarischer Verlag unter anderem mit Paula Fox und Ernst Augustin aufgebaut, der sich aber neben den geistesgeschichtlichen Schwergewichten in der Wahrnehmung schwertut.

Einmal im Jahr auf der Frankfurter Buchmesse gibt es den Beck-Empfang im Hessischen Hof. Er ist schon deshalb berühmt, weil es sich dabei ausnahmsweise nicht um eine Verlagsparty, sondern um einen ernsten Vortrag handelt. Trotzdem kommen alle. Denn es ist mehr als ein bildungsbürgerliches Ritual. Durch die Jahrzehnte hat Wolfgang Beck in seinem Verlag ein Professoren-Parlament um sich versammelt, wie es einst in der Frankfurter Paulskirche zusammenkam: Historiker, Theologen und Politologen, die am Beispiel ihres Gegenstandes Maß nehmen, um die Verfasstheit des Gemeinwesens insgesamt zu analysieren. Eine Gelehrtenrepublik als Bürgergesellschaft, in der Engagement und Bildung sich gegenseitig befeuern. Bei einem typischen Beck-Abend zum Beispiel im Berliner Magnus-Haus mag dann Heinrich August Winkler mit Joschka Fischer über den Langen Weg nach Westen diskutieren, während aus dem Publikum Richard von Weizsäcker kenntnisreich historische Detailfragen geklärt wissen möchte. Wolfgang Beck, der all dies ermöglicht, feiert am heutigen Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren.