Atomendlager "Eine glatte Lüge"

Das Salzbergwerk Asse ist faktisch ein Endlager: Michael Sailer über die Suche nach sicheren Standorten für Atommüll

DIE ZEIT: Die EU fordert Entsorgungspläne, Niedersachsen stellt Gorleben infrage, ein aktuelles Memorandum fordert eine erweiterte Standortsuche – kommt wieder Schwung in die Endlagerdiskussion?

Michael Sailer: Das hoffe ich sehr. Das Bundesumweltministerium will noch dieses Jahr ein neues Entsorgungsgesetz vorlegen. Es sollte auf einem möglichst breiten Konsens beruhen, nur so macht es Sinn.

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ZEIT: Das Memorandum stammt von der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen. Sie stellt fest, dass chemische Gifte, die toxischer und langlebiger sind als radioaktive Stoffe, problemlos endgelagert werden. Wieso beurteilt unsere Gesellschaft industriebedingte Risiken so unterschiedlich?

Sailer: Hochgiftige Schwermetalle sind tatsächlich ähnlich problematisch wie radioaktive Stoffe. Unsere Gesellschaft nimmt nukleare Risiken aber stärker wahr.

ZEIT: Diese laufende Chemikalien-Entsorgung werten die Autoren des Memorandums als Beispiel dafür, dass sichere Endlager in der Praxis längst funktionieren. Stimmen Sie zu?

Sailer: Bei sorgfältiger Standortwahl und Einlagerung der Stoffe ist eine Endlagerung möglich. Das ist entscheidend, denn grundsätzlich benötigen wir sowohl für chemische wie für radioaktive Abfälle sichere Endlager.

ZEIT: Die Anforderungen an atomare Endlager wurden massiv verschärft. Zunächst sollten sie einige 10.000 Jahre überdauern, bis zur nächsten Eiszeit. Dann wurden eine Million Jahre daraus. Das duldbare Strahlenrisiko wurde weit unter die natürliche Strahlenbelastung gesenkt, auf 0,1 Millisievert. Nun werden 0,01 Millisievert gefordert. Sind so hohe Sicherheitsansprüche überhaupt noch garantierbar?

Sailer: Eine Million Jahre sind geologisch ein kurzer, durchaus vorhersagbarer Zeitraum. Er soll gewährleisten, dass der Endlagerstandort geologisch stabil ist und nicht durch Effekte wie Vulkanismus oder Grabenbewegungen ganz anders aussieht.

Füllort auf der 750-Meter-Sohle: Rechts neben dem Schacht befindet sich ein Container mit einem Handfußkontaminationsmonitor, der die Strahlung anhaftender radioaktiver Verunreinigungen misst. | 360-Grad-Panorama: Stefan Sobotta

ZEIT: Da es sich nicht nur um ein naturwissenschaftlich-technisches Problem handelt – wie lässt sich die notwendige Akzeptanz für ein Endlager erreichen?

Sailer: Wichtig ist zunächst die Einsicht, dass wir eine endgültige Lösung für die Beseitigung radioaktiver Stoffe schaffen müssen. Wir können sie nicht wegzaubern. Und da sich die Diskussion jetzt erübrigt, ob solche Lager die Kernenergie fördern oder nicht, könnte und sollte man das Thema politisch streitfrei stellen und gemeinsam einen Weg suchen, der zum Endlager führt.

Leser-Kommentare
  1. alles eine Frage der Zeit.
    In Deutschland sind bisher die meisten verlassenen Salzbergwerke innerhalb von 50-60 Jahren zusammengebrochen. Das liegt in der Natur der Dinge, Salz ist wasserlöslich und Wasser gibts da unten nunmal genug in unseren Breiten.

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    Die brechen zusammen wenn sie nicht verfüllt werden. Das Salz fließt (auch ohne Wasser) und dann bricht das Bergwerk zusammen. Übrigens: Wenn da unten viel Wasser wäre, dann gäbe es den Salzstock nicht mehr. Löslichkeit und so...

    Die brechen zusammen wenn sie nicht verfüllt werden. Das Salz fließt (auch ohne Wasser) und dann bricht das Bergwerk zusammen. Übrigens: Wenn da unten viel Wasser wäre, dann gäbe es den Salzstock nicht mehr. Löslichkeit und so...

    • Crest
    • 10.10.2011 um 17:32 Uhr

    War das Michael Sailer, der da gesprochen hat, der Michael Sailer von der RSK?

    Ich erspare mir den Verweis auf die Punkte, die mich so verblüffen. (Ich denke aber die "üblichen Verdächtigen" wissen bescheid.)

    Herzlichst Crest

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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/wg

    der Text liest sich mit der tendenz zum Übersimplifizieren schon sehr seltsam.
    "Von keiner Fachkenntnis getrübt" wäre hier wohl die korrekte Umschreibung.

    Allein das Vorhandensein synsedimentärer und aus dem liegenden migrierter KW verlangt nach einer sachlicheren Darstellung als solchen Nebelkerzen wie der, zugegeben hirnrissigen, Frage nach einer "Explosionsgefahr". Wenn einem nämilch anläßich solcher Entlastungsausbrüche einmal Teile der Strecke um die Ohrne gefolgen sind, dann macht die verhältnismäßg greinge Methanmasse auch nichts mehr!

    Glück auf!

    MfG Karl Müller

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/wg

    der Text liest sich mit der tendenz zum Übersimplifizieren schon sehr seltsam.
    "Von keiner Fachkenntnis getrübt" wäre hier wohl die korrekte Umschreibung.

    Allein das Vorhandensein synsedimentärer und aus dem liegenden migrierter KW verlangt nach einer sachlicheren Darstellung als solchen Nebelkerzen wie der, zugegeben hirnrissigen, Frage nach einer "Explosionsgefahr". Wenn einem nämilch anläßich solcher Entlastungsausbrüche einmal Teile der Strecke um die Ohrne gefolgen sind, dann macht die verhältnismäßg greinge Methanmasse auch nichts mehr!

    Glück auf!

    MfG Karl Müller

  2. Jetzt bin ich verwirrt: Michael Sailer vom Ökoinstitut (!) saht das die Lagerung in einem Salzstock eine sichere Methode ist um die radioaktiven Abfälle zu lagern. Man dürfe nur nicht die Fehler wie in der Asse machen eine Bergwerk zu nehmen, was soweit bis an die Ränder des Salzstocks abgebaut ist. Zusätzlich sieht er zwischen der Endlagerung von chemotoxischen und radiotoxischen Müll prinzipiell keinen Unterschied - außer das die Lagerung der radioaktiven Abfälle stark emotionalisiert ist.
    So: Was ist jetzt vom Dauerargument der bösen Endlagerung von radioaktiven Abfällen noch übrig? Der Atomausstieg ist da und plötzlich ist das Problem auch weg?

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    • tobmat
    • 11.10.2011 um 13:15 Uhr

    So einfach geht es wenn man sein Ziel erreicht hat. Die Endlagerung war doch nie ein wirkliches Thema. JEder wusste das man sie braucht und die Frage war nur wie und wo. Sowas klären aber Experten und keine Politiker. Das Thema war aber fantastisch geeignet um damit Politik zu betreiben. Die Grünen haben die Suche während ihrer Regierungszeit kurzer Hand verboten und hatten damit einen politischen Dauerbrenner zur Hand.

    • tobmat
    • 11.10.2011 um 13:15 Uhr

    So einfach geht es wenn man sein Ziel erreicht hat. Die Endlagerung war doch nie ein wirkliches Thema. JEder wusste das man sie braucht und die Frage war nur wie und wo. Sowas klären aber Experten und keine Politiker. Das Thema war aber fantastisch geeignet um damit Politik zu betreiben. Die Grünen haben die Suche während ihrer Regierungszeit kurzer Hand verboten und hatten damit einen politischen Dauerbrenner zur Hand.

  3. Die brechen zusammen wenn sie nicht verfüllt werden. Das Salz fließt (auch ohne Wasser) und dann bricht das Bergwerk zusammen. Übrigens: Wenn da unten viel Wasser wäre, dann gäbe es den Salzstock nicht mehr. Löslichkeit und so...

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    das ist ja auch das Problem, bei einem Bergwerk wurde ja praktisch die Füllung rausgenommen, dann kann das Wasser erst sein Werk verrichten.
    Würde den ein Atommüllendlager verfüllt werden? Das sollte doch eigentlich nicht sein, denn das würde die Rückholbarkeit ziemlich erschweren.

    das ist ja auch das Problem, bei einem Bergwerk wurde ja praktisch die Füllung rausgenommen, dann kann das Wasser erst sein Werk verrichten.
    Würde den ein Atommüllendlager verfüllt werden? Das sollte doch eigentlich nicht sein, denn das würde die Rückholbarkeit ziemlich erschweren.

  4. das ist ja auch das Problem, bei einem Bergwerk wurde ja praktisch die Füllung rausgenommen, dann kann das Wasser erst sein Werk verrichten.
    Würde den ein Atommüllendlager verfüllt werden? Das sollte doch eigentlich nicht sein, denn das würde die Rückholbarkeit ziemlich erschweren.

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    Wir doch in dem Interview ausführlich besprochen: Wenn Salzstock, dann keine Rückholung und entsprechend Verfüllung. Für ein rückholbare Lagerung würde vermutlich eine Granitformation verwendet.
    Allerdings hätte ich gedacht das Sailer mit dem Interview etwas neues sagen würde und von seiner alten Meinung abweichen würde. Dem ist nicht so. Sailer wurde schon früher als Nestbeschmutzer bezeichnet, da er Gorleben nicht als mögliches Endlager ausschließen wollte: http://www.castor.de/pres...

    Wir doch in dem Interview ausführlich besprochen: Wenn Salzstock, dann keine Rückholung und entsprechend Verfüllung. Für ein rückholbare Lagerung würde vermutlich eine Granitformation verwendet.
    Allerdings hätte ich gedacht das Sailer mit dem Interview etwas neues sagen würde und von seiner alten Meinung abweichen würde. Dem ist nicht so. Sailer wurde schon früher als Nestbeschmutzer bezeichnet, da er Gorleben nicht als mögliches Endlager ausschließen wollte: http://www.castor.de/pres...

    • konnat
    • 10.10.2011 um 18:07 Uhr

    Eine stolze Fahne auf dem Turm.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Wir doch in dem Interview ausführlich besprochen: Wenn Salzstock, dann keine Rückholung und entsprechend Verfüllung. Für ein rückholbare Lagerung würde vermutlich eine Granitformation verwendet.
    Allerdings hätte ich gedacht das Sailer mit dem Interview etwas neues sagen würde und von seiner alten Meinung abweichen würde. Dem ist nicht so. Sailer wurde schon früher als Nestbeschmutzer bezeichnet, da er Gorleben nicht als mögliches Endlager ausschließen wollte: http://www.castor.de/pres...

  6. die beiden Begriffe "Gorleben" und "Leukämie" und dann sagt mir dass das Ding der Weisheit letzter Schluss sei.

    Weiter "Atomkraft Leukämie".. und dann "Endlager Kreb"

    Jeder der noch Atomstrom kauft ist wie ein Raucher im Kindergarten.

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    sorry..

    Es bleibt zwar weiterhin rätselhaft warum genau da die Leukämierate höher sein soll und nicht neben Kohlemeilern oder im Schwarzwald wo deutlich höhere radioaktive Belastungen gemessen werden, aber man kann es ja mal googlen. Glauben muss man es trotzdem nicht.

    • Crest
    • 10.10.2011 um 19:53 Uhr

    das Googeln von "Gorleben" und "Leukämie" liefert soviel (besser: sowenig) Erkenntnis wie das Googeln von "Apollo" und Verschwörung".

    Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass sich die Gesellschaft gegenüber dem letzteren als vergleichsweise resistent erwiesen hat und der "Verschwörung" deshalb wenig Bedeutung beimisst.

    Das ist bei "Leukämie" und "Gorleben" anders. Es hat sicher ganz unterschiedliche Ursachen, dass hier vergleichbarer Unsinn sozialpsychologisch auf ganz unterschiedlich fruchtbaren Boden fällt. Ein Grund liegt darin, dass das Erkennen des Unsinns von "Gorleben" und "Leukämie" ein sehr viel vernetzteres Wissen voraussetzt, also ein stabiles ausgebautes "mindmap".

    Wikipedia nährt allerdings die Illusion, es genügten einige patchwork-Schnipsel als Ersatz für ein konsolidiertes Wissen.

    Dem ist nicht so.

    Herzlichst Crest

    sorry..

    Es bleibt zwar weiterhin rätselhaft warum genau da die Leukämierate höher sein soll und nicht neben Kohlemeilern oder im Schwarzwald wo deutlich höhere radioaktive Belastungen gemessen werden, aber man kann es ja mal googlen. Glauben muss man es trotzdem nicht.

    • Crest
    • 10.10.2011 um 19:53 Uhr

    das Googeln von "Gorleben" und "Leukämie" liefert soviel (besser: sowenig) Erkenntnis wie das Googeln von "Apollo" und Verschwörung".

    Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass sich die Gesellschaft gegenüber dem letzteren als vergleichsweise resistent erwiesen hat und der "Verschwörung" deshalb wenig Bedeutung beimisst.

    Das ist bei "Leukämie" und "Gorleben" anders. Es hat sicher ganz unterschiedliche Ursachen, dass hier vergleichbarer Unsinn sozialpsychologisch auf ganz unterschiedlich fruchtbaren Boden fällt. Ein Grund liegt darin, dass das Erkennen des Unsinns von "Gorleben" und "Leukämie" ein sehr viel vernetzteres Wissen voraussetzt, also ein stabiles ausgebautes "mindmap".

    Wikipedia nährt allerdings die Illusion, es genügten einige patchwork-Schnipsel als Ersatz für ein konsolidiertes Wissen.

    Dem ist nicht so.

    Herzlichst Crest

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