Finanzkrise: Wer regiert hier eigentlich?
Deutschland, "die Märkte" und "die Politik": Wie ein Abgeordneter und ein Fondsmanager die Krise erleben.
© Spencer Platt/Getty Images

Ein Börsenmakler an der New Yorker Börse
Sie kennen sich nicht, doch ihre Wege kreuzen sich 365 Tage im Jahr. Nahezu alles, was der eine beruflich macht, hat Auswirkungen auf den anderen. Florian Toncar, 32 Jahre, Bundestagsabgeordneter der FDP und Mitglied im wichtigen Haushaltsausschuss. Andrew Bosomworth, 46 Jahre, Fondsmanager in München und Herr über 122 Milliarden Euro, die er vor allem in Staatsanleihen angelegt hat.
Toncars Einkommen ist völlig transparent: 7668 Euro im Monat, dazu 3984 Euro steuerfreie Kostenpauschale. Keine veröffentlichungspflichtigen Nebeneinkünfte. In Bosomworths Branche spricht man nicht über das Gehalt. Aber siebenstellig wird es sein, im Jahr.
Die beiden Männer sind Akteure in einem der härtesten Kämpfe, die derzeit auf der Welt ausgetragen werden: »die Politik« gegen »die Märkte« . Es geht darum, ob Geld die Welt regiert oder ob es noch die gewählten Parlamente sind; ob Politik noch handlungsfähig ist oder nur eine Marionette der Wirtschaft. Das Bild wird bestimmt von Klischees, seit drei Jahren geht das schon so, seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008. Oft lösen sich die Klischees bei näherer Betrachtung auf, und doch läuft ziemlich viel schief zwischen diesen beiden Welten. Wie viel, das zeigt sich schon an einem einzigen Tag.
Zwei Welten, zwei Geschwindigkeiten

Bosomworth ist Vice-President bei Pimco. Die Konzern-Tochter der Allianz hat sich auf Anleihen und Bonds spezialisiert und verwaltet ein Vermögen von einer Billion Dollar.
Wenn man Tempo hören könnte, wäre es sehr laut in diesem Handelsraum. Aber es ist leise. Fast niemand spricht, auch das Klingeln der Telefone ist heruntergedimmt. 50 Leute arbeiten hier an langen Tischreihen, jeder hat drei Monitore vor sich. Wechselkurse, Zinsschwankungen, politische Nachrichten, neueste Umfragen – was auf dem Globus geschieht, geschieht fast gleichzeitig auf diesen Bildschirmen.
Andrew Bosomworth ist um Viertel nach sieben an seinen Platz gekommen, wie jeden Morgen. Auf dem rechten Monitor sieht er die Meldungen der Nachrichtenagentur Reuters: Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien – für jedes Euro-Krisenland gibt es ein eigenes kleines Fenster. Fast jede Minute läuft eine neue Meldung, besonders wichtige Meldungen erscheinen in Rot.
Für Politiker sind Nachrichtenagenturen eine wichtige Informationsquelle. Der Fondsmanager Bosomworth aber braucht diese Agenturmeldungen kaum noch – er kennt viele davon schon, bevor sie gesendet werden. Bosomworth ist ständig online mit anderen Händlern, Analysten oder Notenbankern verbunden, überall auf der Welt. Dieser Onlinechat – eine Funktion, die jeder Bildschirm in jedem Handelsraum jedes Geldhauses bietet – vernetzt ihn mit anderen zu einem gigantischen Informationsbasar, einer weltumspannenden Gerüchteküche. Jede Information gelangt so innerhalb einer Sekunde von New York nach London, von Frankfurt nach München. Der Markt ist schneller als E-Mails, Telefonate, Agenturmeldungen oder Zeitungen.

ist Rechtsanwalt und seit 2011 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion.
Am 29. September, am Morgen der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm im Parlament, kann Florian Toncar sich Zeit lassen. Im Bundestag herrscht geschäftiges Brummen, vor dem Plenarsaal haben die TV-Sender ihre Kameras aufgebaut. Während Bosomworth in seinem Handelsraum die ersten Millionen anlegt, plaudert Toncar mit Kollegen. Wie ist die Stimmung, wird die Abstimmung so ausgehen, wie alle hoffen? Informationen werden hier im persönlichen Gespräch ausgetauscht. Die Saaldiener – die Damen im Kostüm, die Herren in schwarzem Frack mit weißer Fliege – reichen Wassergläser und tragen Botschaften für einzelne Abgeordnete herein.
»Mit Ihnen möchte ich nicht tauschen«, das ist der Satz, den der Abgeordnete Toncar in letzter Zeit am häufigsten gehört hat, wenn er mit Vertretern der Wirtschaft und des Finanzsektors gesprochen hat.
Schlechte Schulden, gute Schulden
Das »wichtigste einzelne Gesetzesvorhaben« mindestens dieser Wahlperiode, so hat Norbert Lammert, der Bundestagspräsident, das Gesetz über den Euro-Rettungsschirm genannt. Für Florian Toncar geht es an diesem Tag darum, die Demokratie wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Die Euro-Krise sei zu einer »äußersten Beanspruchung von Rechtsstaat und Demokratie« geworden. Schuld daran sind für ihn aber nicht die Märkte, Schuld ist die Politik. Sie habe die Demokratie verkauft, indem sie zu viele Schulden und den Staat damit erpressbar gemacht habe.





Wenn man die Demokratie in Deutschand ernst nähme, könnte sich die Frage gar nicht so stellen:
"Deutschland, "die Märkte" und "die Politik": Wie ein Abgeordneter und ein Fondsmanager die Krise erleben."
In einer Demokratie regiert der Bürger, das Volk.
Alle anderen sind Dienstleister am Volk.
Da das nicht so ist, haben wir auch keine echte Demokratie.
Tatsächlich sind die Politiker in vielen Fällen die Marionetten der Wirtschaft.
Es gibt aber folgendes:
Die Wirtschaft ist dem Menschen untertan
nicht der Mensch ist der Wirtschaft untertan.
das ist doch vollkommener Schwachsinn, nur linke Parolen.
Die Märkte gibt es nicht . Es sind viele, viele unabhängige Einzelakteure, genau wie in der Politik.
Eins unterscheidet sie jedoch grundlegend.
Wenn ein Akteur am Markt gegen die Wirklichkeit handelt, ist er ruckzuck pleite.
Wenn ein Politiker gegen die Wirklichkeit handelt, ist nicht er persönlich, sondern sein Volk pleite, und es dauert meist bis nach seiner Amtszeit, weil er einen ganzen Staat verzockt.
das ist doch vollkommener Schwachsinn, nur linke Parolen.
Die Märkte gibt es nicht . Es sind viele, viele unabhängige Einzelakteure, genau wie in der Politik.
Eins unterscheidet sie jedoch grundlegend.
Wenn ein Akteur am Markt gegen die Wirklichkeit handelt, ist er ruckzuck pleite.
Wenn ein Politiker gegen die Wirklichkeit handelt, ist nicht er persönlich, sondern sein Volk pleite, und es dauert meist bis nach seiner Amtszeit, weil er einen ganzen Staat verzockt.
"Dass ihre Rente auch in Bosomworths Handelssaal erwirtschaftet wird, darauf kämen wohl die wenigsten."
Genauer:
"Dass mit ihrer Rente auch in Bosomworths Handelssaal gezockt wird, darauf kämen wohl die wenigsten."
"Die Entscheidung, 17 unterschiedliche Länder in einer Währungsunion zusammenzubinden, hat dazu geführt, dass die einen immer stärker und die anderen immer schwächer wurden."
das stimmt nicht.
es hat nur das schuldenmachen erleichtert.
und die staaten haben zugegriffen.
sie sind deswegen nicht schwächer sondern sie machen europa damit schwach. jetzt zahlen alle.
die finanzmärkte haben genau darauf spekuliert. geld für die schwachen, weil die anderen zahlen werden.
und die politik macht mit ...
Der härteste Kampf dieser Art ist aber doch immer noch der zwischen Mineralöl-Konzernen um Marktanteile an der Tankstelle!
Spass beseite:
Was sich hier gegenübersteht, sind doch nicht die beiden Herren hier - die sind eher belanhlos.
"In einer Welt ohne Staatsschulden müssten die Fondsmanager noch mehr riskieren"
In einer Welt ohne Staatsschulden gäbe es kein Fondsmanager.
Diese menschen Treiben es bis unermessliche weil sie wissen das sie für die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht Verantworten müssen. Warum auch? es wurde bisher nie ein Exempel statuiert.
Müssten sie Verantwortung Fürchten würden sie Zehnmal überlegen bevor sie handeln.
Schön wäre es.
Herr Bosomworth, wie seine Kollegen und Chefs sind ihren Herren (den Kunden) Rechsnschaft schuldig. Ihre Arbeit mündet auch nur in einem Ergebnis, das als Grundlage für ein Angebot dient. Wer Geld anlegt/spart schaut darauf wem er sein Geld anvertraut und bestimmt damit was er von Bosomworth und Kollegen erwartet.
Zitat: "In einer Welt ohne Staatsschulden müssten die Fondsmanager noch mehr riskieren"
Den Satz unterschreibe ich nicht im Hinblick auf die Qualität vieler Staatsanleihen und den Vorgaben der Regulierung, richtiger wäre:
"in einer Welt ohne Staatsschulden müssten Fondsmanager mehr wirtschaftlichen Sachverstand haben."
Und hier liegt die Krux begraben. Gäbe es keine Staatsschulden, dann würden die Billionen an Ersparnissen anderen Investments zur Verfügung stehen.
Teile der Billionen würden nach guten Start-ups suchen, andere Teile würden nach interessanten Produktentwicklungen suchen, usw., usw. Schon Ludwig Erhard sagte: "Das Geld gehöhrt in die Wirtschaft".
Weil aber die Planwirtschaftler und Umverteiler mit ihren simpel Lösungen und den Wahlversprechen auf Pump von uns gewählt werden, steckt das Geld heute da wo es ist. In dem Versprechen uns unser Geld, durch unsere zukünftigen Steueren, mit Zinsen wieder zurück zu zahlen.
Schön wäre es.
Herr Bosomworth, wie seine Kollegen und Chefs sind ihren Herren (den Kunden) Rechsnschaft schuldig. Ihre Arbeit mündet auch nur in einem Ergebnis, das als Grundlage für ein Angebot dient. Wer Geld anlegt/spart schaut darauf wem er sein Geld anvertraut und bestimmt damit was er von Bosomworth und Kollegen erwartet.
Zitat: "In einer Welt ohne Staatsschulden müssten die Fondsmanager noch mehr riskieren"
Den Satz unterschreibe ich nicht im Hinblick auf die Qualität vieler Staatsanleihen und den Vorgaben der Regulierung, richtiger wäre:
"in einer Welt ohne Staatsschulden müssten Fondsmanager mehr wirtschaftlichen Sachverstand haben."
Und hier liegt die Krux begraben. Gäbe es keine Staatsschulden, dann würden die Billionen an Ersparnissen anderen Investments zur Verfügung stehen.
Teile der Billionen würden nach guten Start-ups suchen, andere Teile würden nach interessanten Produktentwicklungen suchen, usw., usw. Schon Ludwig Erhard sagte: "Das Geld gehöhrt in die Wirtschaft".
Weil aber die Planwirtschaftler und Umverteiler mit ihren simpel Lösungen und den Wahlversprechen auf Pump von uns gewählt werden, steckt das Geld heute da wo es ist. In dem Versprechen uns unser Geld, durch unsere zukünftigen Steueren, mit Zinsen wieder zurück zu zahlen.
das Geldsystem!
In einer Welt ohne Staatsschulden gäbe es auch keine Staatsanleihen – und ohne Staatsanleihen müsste Bosomworth das Geld seiner Kunden in viel riskantere Papiere stecken
Ohne Staatsschulden wuerde ueberhaupt kein Geld existieren, denn genau so gelangt das Geld doch erst in Umlauf und wird von den Banken per Kreditvergabe und "Mindestdeckung" durch einfach Buchungssaetze vermehrt! Die Zinsen und Zinsenzinsen erldeigen dann den Rest...
http://www.baselife.de/bl...
(Sloterdijk)
Danke für den Link. Den Stammbaum hätte ich gerne detailierter. ;-)
(Sloterdijk)
Danke für den Link. Den Stammbaum hätte ich gerne detailierter. ;-)
"Die Wirtschaft ist dem Menschen untertan
nicht der Mensch ist der Wirtschaft untertan."
deswegen hat man die Verantwortung, per Wahl, die Regierung legitimiert.
Die Politik, im Rahmen der Welt, eines der führensten Industrieländer, ist nicht durch Reisepolitik und Umbau der eigenen Partei inkl. Umbau des ganzen Landes zu alt bekannten Mustern des minimalisierten Überwachungswahn, zu leisten, Nie und Nimmer!
wie ja seit vielen Jahren immern deutlich wird und durch schleichende Prozesse nicht mehr zu überdecken/verstecken sind.
So zerissen wie Europa, ist es im eigenen Lande schon lange.
Die Grundlagen dazu, sind die selben ausschlaggebenden Kritärien, wie sie es in Europa sind!
Die Gleichen!
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