Röslers Reise Noch zu retten?
In dieser Woche reist Wirtschaftsminister Philipp Rösler nach Athen, um der griechischen Wirtschaft zu helfen. Doch was braucht das Land wirklich? Eine Spurensuche
Die Rettung Griechenlands beginnt im Keller der Sarantoporou-Straße 14. Dort liegt in einem fensterlosen, stickigen Raum eine alte Autokarosserie, daneben steht ein Tisch mit Werkzeug, davor ragt ein Roboterarm vom zerkratzten Marmorfußboden in den Raum, versehen mit merkwürdigen Armaturen. »Das«, sagt Costas Voliotis und zeigt auf das Ende des Arms, »das ist das Modernste, was es auf der Welt gibt. Ein Roboter mit Augen.«
Voliotis hat ungekämmtes Haar, trägt eine alte Jeans und ein verwaschenes schwarzes T-Shirt. Doch er ist nicht nur ein verrückter Technik-Freak mit eigenem Hobbykeller. Das wird wenig später, oben in seinem Büro, im dritten Stock der Inos GmbH, offenbar. Der Ingenieur blickt kurz auf den Bildschirm seines Computers, klickt die Internetkonferenz mit den Kollegen in Deutschland und den USA weg und startet einen Film: Da sind die Roboterarme wieder, diesmal in einer Detroiter Fabrik, installiert neben einem Fließband. Auf dem werden neue Autokarossen transportiert, die Arme bewegen sich an dem Blech entlang, die Roboteraugen sehen dabei jeden Spalt und geben das an einen Computer weiter. Eine ganz neue Prüftechnik haben die Griechen damit entwickelt, und sie spart dem Autohersteller viel Zeit und damit Geld. Für den Ingenieur beweist sie: »Wir können etwas«, sagt er, schweigt eine Weile und setzt abschwächend hinzu: »Verkauft wird das aber über Deutschland. Uns würde das wahrscheinlich niemand zutrauen.«
Voliotis kennt die täglichen griechischen Horrormeldungen: Erst Anfang der Woche musste die Regierung die Größe der Löcher im Haushalt wieder einmal nach oben korrigieren. Erneut hat die EU die Entscheidung über neue Kredite aufgeschoben. Zahlt sie nicht, ist das Land bald pleite. Unaufhaltsam scheint der Staatsbankrott näher zu rücken. Immer lauter werden die Spekulationen über einen Ausstieg des Landes aus dem Euro. So desolat ist die Lage inzwischen, dass sogar ein kompletter Neuanfang nicht mehr utopisch scheint. Erinnerungen an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg werden wach – und an eine alte Idee. Ist den Griechen vielleicht nur noch durch einen Marshallplan zu helfen? Die Wirtschaft des Landes würde damit durch ein vom Ausland kontrolliertes und finanziertes Programm wieder aufgebaut werden. Wir retten Griechenland, indem wir statt der Haushaltslöcher viele kleine Inos GmbHs finanzieren. Und damit den Aufschwung. Warum eigentlich nicht?
Zumindest Wirtschaftsminister Philipp Rösler findet die Idee so plausibel, dass er an diesem Donnerstag zu seiner ganz persönlichen Marshall-Rettungsreise nach Athen aufbrechen wird, mit 50 Unternehmern und jeder Menge Journalisten. Schon vor Wochen hatte der Minister immer mal wieder mit dem großen M-Wort gespielt. Allerdings nutzte das der griechischen Wirtschaft wenig, im Gegenteil. Denn zwischendrin dachte der Minister ebenso gern und ebenso öffentlich über den Sinn einer Insolvenz von Euro-Mitgliedsländern nach. Prompt kriselten die Börsen, und prompt wurden die Kreditkonditionen für griechische Unternehmer noch schlechter. Wer investiert schon in einem insolventen Land? Nichts hätten die generellen Überlegungen des Ministers über die Zahlungsunfähigkeit von Euro-Ländern mit dem speziellen Fall Griechenland zu tun, heißt es seither stereotyp im Ministerium. Ach, nein?
Jetzt jedenfalls will der Minister zur Abwechslung kurz mal mit guten Nachrichten aus Athen helfen. Auf seiner 24-stündigen Stippvisite wird er den mitreisenden Mittelständlern aus der Solarbranche, dem Maschinenbau und der Nahrungsmittelindustrie raten, ihr Geld dort zu investieren. Er wird den Coralia Hightech-Park besuchen, der Regierung technische Hilfe für die Modernisierung des Staatsapparates versprechen und Unterstützung beim Aufbau einer Förderbank wie der deutschen KfW zusichern. Und dann wird er wieder abreisen. Marshall im Eilverfahren, sozusagen.
Dimitris Vergados kann darüber nur melancholisch lächeln. Was Rösler tue, sei ja nicht falsch, sagt der Finanzexperte vom SEV, dem griechischen Unternehmerverband, und er sagt es in tadellosem Oxfordenglisch. Aber dann setzt er mit einer Frage nach: »Würden Sie danach Ihr Geld in Griechenland investieren?« Er lehnt sich in seinem schweren Lederstuhl zurück und bricht schließlich das beredte Schweigen. Natürlich brauche die griechische Industrie Investitionen aus dem Ausland. Aber dass bei Rösler keine großen Unternehmen mitreisten, zeige doch die wahre Lage. Solange nicht klar sei, ob die Euro-Zone auseinanderfalle, solange täglich über die Pleite seines Landes spekuliert werde und die Märkte nicht glaubten, dass dessen Schuldenproblem wirklich gelöst sei, werde auch die Krise nicht aufhören. Griechenland helfen? Für Vergados heißt das: Europa muss erst einmal die gemeinsame Zukunft der Währungszone überzeugend erklären.
Gleichgültig, mit wem man in diesen Tagen in Athen redet, dieses Argument hört man immer wieder. Bei so viel Unsicherheit investiere niemand, also schrumpfe die Wirtschaft weiter, also nehme der Staat noch weniger ein, also stiegen die Schulden noch weiter an. Was wiederum die Wahrscheinlichkeit eines Bankrotts erhöhe. Kurz: Die Lage sei einfach trostlos. Ein junger Grieche, einer der vielen, die sich im Café stundenlang an einer Tasse Mokka festhalten und dabei über den Umzug ins Ausland nachdenken, sagt: »Der Letzte macht das Licht aus!«
- Datum 06.10.2011 - 07:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 6.10.2011 Nr. 41
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" ... Die wurden geköpft."
Klingt spannend.
Ganz klar, Griechenland benötig dringend eine Kräftigung der Wirtschaftsleistung. Und es benötigt eine schlanke Staatsverwaltung, die wirtschaftsfreundlich bei effizienter Regelvorgabe und -kontrolle arbeitet.
In einem Umfeld mit täglichen Streiks, Straßenkämpfen und mit nervtötenden Verwaltungsauseinandersetzungen wird kein Unternehmen sich gern etablieren.
Dieses Wort hätte ich gern näher erläutert?
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Vielleicht beginnend mit der Frage: Welche "Wirtschaft"? Die Binnen-Wirtschaft? Der Tourismus? Die Export-Industrie?
Dieses Wort hätte ich gern näher erläutert?
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Vielleicht beginnend mit der Frage: Welche "Wirtschaft"? Die Binnen-Wirtschaft? Der Tourismus? Die Export-Industrie?
Dieses Wort hätte ich gern näher erläutert?
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Wirtschaftsfreundlich im Sinne der Regeln von Walter Eucken und Ludwig Erhard. Natürlich für alle Zweige und Branchen - was sonst?
Wirtschaftsfreundlich im Sinne der Regeln von Walter Eucken und Ludwig Erhard. Natürlich für alle Zweige und Branchen - was sonst?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und Polemik. Danke, die Redaktion/se
Pleite sein - aber dies impliziert keinesfalls, dass die Griechen auch noch als Enlager für Nicht-Persönlichkeiten wie Philipp Rösler herhalten möchten...
Er sollte allen als abschreckendes Beispiel gelten, die evtl. je in die Versuchung geraten in ein solch vergiftetes Biotop wie die FDP einzutreten...
Freundliche Grüße
Pleite sein - aber dies impliziert keinesfalls, dass die Griechen auch noch als Enlager für Nicht-Persönlichkeiten wie Philipp Rösler herhalten möchten...
Er sollte allen als abschreckendes Beispiel gelten, die evtl. je in die Versuchung geraten in ein solch vergiftetes Biotop wie die FDP einzutreten...
Freundliche Grüße
"Zumindest Wirtschaftsminister Philipp Rösler findet die Idee so plausibel, dass er an diesem Donnerstag zu seiner ganz persönlichen Marshall-Rettungsreise nach Athen aufbrechen wird,"
Ist ein solcher Besuch mit solchen Aussagen denn mit dem deutschen Parlament abgestimmt?
Oder wird hier heiße Luft produziert?
Ehrlich gesagt sehe ich im Fall Griechenland nichts als Absichtserklärungen, Beruhigungspillen und potemkinsche Dörfer. Ich glaube, der User Einwegpseudo hat das griechische Problem auf den Punkt gebracht, in dem er die rhetorische Frage stellt, ob nicht schon irgendwelche Leute in Griechenland das Fakelaki zählen - Schmiergelder, garantiert steuerfrei.
Ehrlich gesagt: ich sehe für Griechenland in der jetzigen Verfassung kaum Chancen, aus dem Dilemma heraus zu kommen. Griechenland hat auf Grund seiner Strukturen und Mentalitäten - und hier meine ich das Bestechungsunwesen, die Günstlings- und Vetternwirtschaft im Umfeld "staatstragender Famlien" - zur Zeit in Europa nichts zu suchen.
Wenn Griechenland wirklich wieder auf die Beine kommen soll, muss es raus aus dem EURO und auch raus aus der EU. Um den Fachkräfteabstrom einzuschränken, müssen massive Reisebeschränkungen für Griechen her, ebenso müssen im Ausland lebende Griechen bewogen werden, in ihr Heimatland zurück zu kehren. Für diejenigen, die im Ausland leben muss eine Steuerpflicht her, die ähnlich derer ist, die in den USA gilt. Das Eintreiben dieser Steuern übernimmt dann das Land, in dem die griechischen Staatsbürger leben und arbeiten.
Ehrlich gesagt sehe ich im Fall Griechenland nichts als Absichtserklärungen, Beruhigungspillen und potemkinsche Dörfer. Ich glaube, der User Einwegpseudo hat das griechische Problem auf den Punkt gebracht, in dem er die rhetorische Frage stellt, ob nicht schon irgendwelche Leute in Griechenland das Fakelaki zählen - Schmiergelder, garantiert steuerfrei.
Ehrlich gesagt: ich sehe für Griechenland in der jetzigen Verfassung kaum Chancen, aus dem Dilemma heraus zu kommen. Griechenland hat auf Grund seiner Strukturen und Mentalitäten - und hier meine ich das Bestechungsunwesen, die Günstlings- und Vetternwirtschaft im Umfeld "staatstragender Famlien" - zur Zeit in Europa nichts zu suchen.
Wenn Griechenland wirklich wieder auf die Beine kommen soll, muss es raus aus dem EURO und auch raus aus der EU. Um den Fachkräfteabstrom einzuschränken, müssen massive Reisebeschränkungen für Griechen her, ebenso müssen im Ausland lebende Griechen bewogen werden, in ihr Heimatland zurück zu kehren. Für diejenigen, die im Ausland leben muss eine Steuerpflicht her, die ähnlich derer ist, die in den USA gilt. Das Eintreiben dieser Steuern übernimmt dann das Land, in dem die griechischen Staatsbürger leben und arbeiten.
Einfach im gesamten EURO-Zone die Mwst auf 30% erhöhen und davon die Eurobonds finanzieren. Wir hätten dann wieder für etliche Jahre Ruhe.
...Mwst-Erhöhungen sind identisch mit Lohnkürzungen. Die Binnenwirtschaft würde (noch mehr) einsacken, soziale Ungleichheit (noch mehr) erhöht und du schaffst die einen schönen Schwarzmarkt, bei solchen Steuern lohnt der sich nämlich dann langsam.
Ja, genau. Mit den Eurobonds könnten die Kapitalkräftigen ihre Einlagen mehren, finanziert von denen, für die die Mehrwertsteuer eh schon die letzten Euros aus dem Portemonnaie saugt.
Das ist dann das letzte Stadium des Finanzkapitalismus, bei dem die reichsten 10 % der Bevölkerung die finalen 99 % des Vermögens an sich bringen.
Und dann haben wir die Revolution, und dann den bankenlosen Kommunismus. Ich finde es super! Wir könnten genauso schön leben, wie die Nordkoreaner.
...Mwst-Erhöhungen sind identisch mit Lohnkürzungen. Die Binnenwirtschaft würde (noch mehr) einsacken, soziale Ungleichheit (noch mehr) erhöht und du schaffst die einen schönen Schwarzmarkt, bei solchen Steuern lohnt der sich nämlich dann langsam.
Ja, genau. Mit den Eurobonds könnten die Kapitalkräftigen ihre Einlagen mehren, finanziert von denen, für die die Mehrwertsteuer eh schon die letzten Euros aus dem Portemonnaie saugt.
Das ist dann das letzte Stadium des Finanzkapitalismus, bei dem die reichsten 10 % der Bevölkerung die finalen 99 % des Vermögens an sich bringen.
Und dann haben wir die Revolution, und dann den bankenlosen Kommunismus. Ich finde es super! Wir könnten genauso schön leben, wie die Nordkoreaner.
Pleite sein - aber dies impliziert keinesfalls, dass die Griechen auch noch als Enlager für Nicht-Persönlichkeiten wie Philipp Rösler herhalten möchten...
Er sollte allen als abschreckendes Beispiel gelten, die evtl. je in die Versuchung geraten in ein solch vergiftetes Biotop wie die FDP einzutreten...
Freundliche Grüße
...könnten sie uns schon diesen Gefallen tun, und ihn behalten.
...könnten sie uns schon diesen Gefallen tun, und ihn behalten.
...und für die ABFALLENTSORGUNG zuständig«, sagt Minister Giorgos Papakonstantinou und verspricht, dass künftig viele Projekte SCHNELLER und LEICHTER GENEHMIGT werden sollen."
Wetten, daß er im Geiste schon das "Fakelaki" zählt?
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