Vivienne WestwoodEs sieht gut aus in Afrika

Die britische Exzentrikerin Vivienne Westwood hat eine neue Kollektion entworfen, die gleichzeitig ein Entwicklungshilfeprojekt für Kenia ist.

Vivienne Westwood posiert selbst im Werbemotiv für ihre in Kenia gefertigte Taschenkollektion.

Vivienne Westwood posiert selbst im Werbemotiv für ihre in Kenia gefertigte Taschenkollektion.

Früher stattete die britische Modedesignerin Vivienne Westwood die Punkband Sex Pistols mit Sadomaso-Accessoires und verballhornten Schottenröcken aus, heute leistet sie Entwicklungshilfe und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein. » No Future!«, dachte sie damals. »Save the Planet!«, sagt sie heute.

»Das ist doch ein und dasselbe«, findet sie. »Ich habe schon immer gedacht, wir sind eine gefährdete Spezies. Wir müssen etwas tun, damit der Planet und die Menschheit überleben.«

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Vivienne Westwood in Kenia
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Was sie derzeit tut: Sie lässt eine Accessoire-Kollektion in Kenia von den Ärmsten der Armen herstellen, denen sie einen gerechten Lohn zahlt. Das Ethical Fashion Programme des Internationalen Handelszentrums, eines Organs der UN-Sonderorganisation WTO, der Welthandelsorganisation, will Produzenten in Entwicklungsländern am Welthandel beteiligen. Es sind vor allem die Frauen, die so ihr Leben und ihren gesellschaftlichen Status in der Gemeinde verbessern können. In Kenia ist der Großteil der Armen weiblich, archaische Sitten machen es den Frauen schwer.

Im Sommer reiste Westwood mit dem Fotografen Juergen Teller, ihrem alten Freund, nach Nairobi, um die Produktionsstätten zu besuchen. »Wir hatten viel Spaß«, sagt Juergen Teller. »Wir waren Teil von etwas Gutem, nicht solche Fashion-Idioten.« Seine Bilder, die bei der Reise entstanden, wurden die Motive für die Anzeigenkampagne für Vivienne Westwood in dieser Saison. Sie zeigen ein Afrika ohne Giraffen, ohne Massai. Sie zeigen die Armut, das Prekäre des Kontinents und den Sinn für Schönes, den es dort trotzdem gibt.

Westwoods Accessoires sind auch keine Holzketten oder anderes »Touristenzeug«, wie sie sagt. »Es ist richtiges Design. Sie machen dort aus Tierknochen Knöpfe und Perlen aus Papierabfällen.« Die Stofftaschen, die auf yoox.com zwischen 85 und 245 Euro kosten, sind aus recycelten Materialien, bedruckt, mit expressiven Applikationen versehen und fügen sich in die Westwood-Ästhetik, die das Improvisierte kultiviert.

Vivienne Westwood hat das Handwerk des Designs nicht gelernt, sie war Grundschullehrerin, bis sie in den siebziger Jahren zur Mode fand. Für sie, die der Provinz entflohen war, sollte Kleidung nie hübsch aussehen, sondern ein Mittel der Provokation sein. Dieses Jahr wurde sie 70, ein Alter, in dem für eine Frau die Möglichkeiten zu provozieren schier unendlich sind. Einige Beispiele: ohne Unterhose zur Ordensverleihung bei der britischen Königin erscheinen, sich nackt fotografieren lassen, lange Haare und einen 25 Jahre jüngeren Mann haben (er heißt Andreas Kronthaler und hat bei ihr studiert).

Eine Massai-Frau, die Westwood traf, überreichte ihr einen mit Perlen und Tierfell verzierten Stab, den nur die Männer der Massai tragen dürfen. »Die Frau sagte, ich sähe so aus«, erzählt Vivienne Westwood, »als hätte ich in meiner Welt dieselben Rechte wie die Männer.«

 
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