SachbuchLiebe und solche Sachen

Eva Illouz blickt uns ins Herz und entdeckt darin so manches Schmerzliche. Ihre Analyse ist gnadenlos, die Aussichten sind mau. von 

Die Soziologin Eva Illouz thematisiert in ihren Büchern die Liebe in Zeiten des Kapitalismus.

Die Soziologin Eva Illouz thematisiert in ihren Büchern die Liebe in Zeiten des Kapitalismus.  |  © Miss X/ photocase

Wer über die Liebe redet, hat schon verloren. Frauen gehen gerne in diese Falle, ewiges Nachgeforsche, wie es mit dem Herzen steht. Männer ziehen es vor, über Liebe, über diesen ganzen Plunder von Frauenfragen und Männerproblemen – zu schweigen. Insofern ist es nicht ganz egal, anders gesagt: typisch, dass hier eine Frau über das Buch einer Frau über die Liebe schreibt.

Ihr Buch Warum Liebe weh tut, erklärt die israelische Soziologin Eva Illouz, sei aus der Intimität unendlich vieler, langer Gespräche mit Freunden und Kollegen entstanden, es habe sich aus diesen Unterhaltungen quasi von selbst erhoben, als Notwendigkeit, etwas zu klären. Es habe sie fassungslos gemacht, in so vielen Geständnissen, Herzensergüssen, von diesem Elend zu hören, von dem »die zeitgenössischen romantischen und sexuellen Beziehungen« erfüllt sind.

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Dies Irae , Tag des Zorns. Nach Jahrzehnten der proklamierten sexuellen Befreiung, der ersehnten Gleichstellung der Geschlechter, der versuchten Emanzipation der Frauen und der Aufweichung männlicher Fassaden von Macht und Überlegenheit – kommt dies Buch als ein unfreundliches Resümee. Womöglich könne es »wie eine Anklageschrift gegen die Liebe in der Moderne erscheinen«, schreibt Illouz fast schuldbewusst. So ist es. Ihre Bilanz ist so trostlos wie das Haushaltsbudget von Griechenland. Die Rede ist von überzogenen Gefühlskonten, panischen Rückzügen, ausbleibenden Rettungsankern, tumulthafter Auflehnung gegen den Zusammenbruch von Hoffnungen. Die Koinzidenz der Phänomene mit den wirtschaftlichen Turbulenzen kommt nicht von ungefähr. In Zeiten, in denen kapitalistische Heilsversprechungen als dramatische Abwärtskaskaden in allen Medien erscheinen, wäre es nicht naiv, anzunehmen, dass ausgerechnet unsere fragile Gefühlswelt ungeprägt bleibt vom Einfluss eines global herrschenden Kapitalismus?

Es ist Illouz’ dritter Anlauf zu diesem Thema. Bücher von Illouz haben dieses Thema erkannt, gesetzt, bearbeitet, sie heißen Gefühle in Zeiten des Kapitalismus oder Konsum der Romantik , Illouz liebt es, über die Wunden der bürgerlichen Gesellschaft zu streichen. In der sie doch ein erfolgreiches Mitglied ist, Professorin für Soziologie und Anthropologie an der hebräischen Universität von Jerusalem, Mutter dreier Kinder, mit 50 Jahren eine weltläufige Wissenschaftlerin eines Typs, der alle ihre Theorien Lügen zu strafen scheint. Geht doch, scheint dieser Lebenslauf zu sagen. Wo liegen die Probleme?

Wer Illouz gelesen hat, wird nie mehr in aller Unschuld in diesem angesagten Restaurant für einen Jahrestag der Liebe den teuren Fensterplatz buchen oder naiv die Reise zu zweit in den Süden für eine individuelle Entscheidung halten, also blind sein gegenüber dem Ausleben von intimen Beziehungen als Konsumvergnügen. In ihrem neuen Buch verfolgt Illouz diese Spur, wie immer bewaffnet mit Analysen von Pierre Bourdieu und Überlegungen von Sigmund Freud, auch den Gedichten von Emily Dickinson und fetten Romanen von Jonathan Franzen. Sie hat aber den Blick noch einmal enger gestellt. So geraten die Gefühle selber in den Fokus, und wir, liebesbedürftige Wesen, die sich auf dem Terrain der Gefühle in konsumierendes Konsumgut verwandeln. Partnerschaftsbörsen sind dabei nur das extremste Beispiel dafür, wie Liebeswillige sich ausstellen, angefeatured wie eine Ware, was nur ein Vorgriff darauf ist, wie auch der Rest des Lebens sich zukünftig bei Facebook und Co um eine globale Vermarktungsstrategie herum organisieren lässt, für Freundschaften, Shoppen etc.

Die Analyse federt ab in einer Welt des 18. Jahrhunderts, die sich Illouz etwa in den Romanen von Jane Austen auftut. Dort findet sie das Individuum umhüllt von Familie und Freunden, es folgt seiner Lebensbahn im Rahmen eines ausgefeilten Systems von Zugehörigkeit und Ritualen, in dem sich Sozialbeziehungen dadurch erneuern, dass junge Menschen darin eingebunden werden. Eine Heirat empfiehlt sich dadurch, dass sie sozial passt und die Familie das nahelegt. Gefühle werden also freigiebig geäußert, in Seelenergüssen ohne lauernden Peinlichkeitsindikator, weil das Soziale genau das vorsieht. Männer verpflichten sich und halten Wort, weil sich darin männliche Standfestigkeit bestätigt. Welch ein Gegensatz zur späteren Moderne, in der Studien unentwegt mit dem tristen Befund aufwarten, dass es gerade die jungen Männer sind, die vor den Verpflichtungen einer Liebesbeziehung fliehen, schon gar vor der Zumutung, lebenslang ein Vater zu sein.

Illouz versichert, sie halte die vergangene Welt nicht per se für glücklicher, sie wolle nur auf die Mühen des modernen Ich verweisen, wie es nach dem Wegbrechen all dieser Strukturen auf einem unregulierten Heiratsmarkt sich ganz allein und selber an den Mann oder die Frau zu bringen hat – und jedes Zögern oder Scheitern noch individuell zurechnen lassen muss, als psychische Störung. Nun, diese Kapitel wirken tatsächlich so, als habe sich Illouz davontragen lassen von der sprichwörtlichen Ironie einer Austen, die alle Trauer über individuelle Verluste in ein Lesevergnügen verwandelt. Aber das Leben ist kein Roman, man möchte Illouz darauf verweisen, wie tapfer die Figuren der Austen den Schmerz ihrer wundgescheuerten Seelen überspielen, oder sie daran erinnern, dass lange vor Austen die Schmerzen der Individualisierung die Literatur beflügelten, etwa die Tragödien Shakespeares.

Leserkommentare
  1. Besonders Seite 1 ist klüger als das meiste, was in Zeitungen wie der Zeit zu soziologischer Literatur abgesondert wird. Ich finde Illouz auch durchaus geschickt darin, unsichtbares sichtbar zu machen und den Blick von außen auf die moderne Art des Lebens einzunehmen, werde gerade mit ihrem womöglich erhellendsten Werk "Die Errettung der modernen Seele" fertig. Kluge Gedanken.

    Aber:

    Illouz schält die Moderne und das Leben derart ab, dass nur noch wenige Ebenen Betrachtung finden, das scheint auch die Rezension hier zu Ihrem neuen Werk zu bestätigen. Weiterhin, an sich nichts verwerfliches, fischt Sie immer wieder in ähnlichen Gefilden und das Ausmaß an Redundanz in ihren Werken ist recht hoch. Freilich, das ist nicht an sich schlecht und darin ist Sie nicht die Einzige, nur frage ich mich dann, warum ich noch ein udn noch ein Werk kaufen sollte.
    Sie ist auch eine Autorin, die ziemlich viel von Ihrem Erleben auf das Anderer oder auf das was ist schliesst, wo sich durchaus auch andere Lesarten und Möglichkeiten noch ergeben. Sie ist sehr überzeugt von Ihrer Lesart. das finde ich an manchen Stellen übertrieben.

    Was meine persönlichen Erlebnisse und Einschätzungen angeht, so bin ich sehr nah bei ihr, wenn ich natürlich auch diese Gedanken nicht so tief und eloquent gewälzt habe.

    So, zuletzt noch eine wärmere und viel facettenreichere Studie, die dazu einen ganz großen Rahmen der modernen Identitätsentstehung abdeckt als Gegenempfehlung:

    Charles Taylor: Quellen des Selbst

    Eine Leserempfehlung
  2. der dritte Kommentar zu diesem Buch, den ich in einem Feuilleton lese, und auch jetzt bin ich nicht schlauer, was denn nun die Thesen sein sollen. Ist die Entwicklung nun begrüßenswert? Oder nicht? Oder wie? Oder was? Außer das übliche: Die Verhältnisse gehen zu Lasten der Frauen, und die Männer sind wie immer die Gewinner.

    Und was da nicht passt, wird halt passend gemacht. Zumindest von den Rezensent(innen). Da widerspricht frau sich dann schon gerne in nur einem Satz: "Männern böte sich ein wachsender Markt potenzieller Partnerinnen aller Altersgruppen, anders als Frauen, deren Körper frühe Verfallsdaten tragen". Ähm. Wenn die Frauen früher "verfallen", dann kommen mehr Männer auf eine Frau, und nicht umgedreht. Mit anderen Worten: Die Frauen haben die Auswahl in dieser Welt. Zumindest vor ihrem "Verfallsdatum". Und, wie jeder Mann täglich erfährt: So verhalten sie sich auch.

    Da denkt man sich nur noch ein leises "Frauen und Logik" (schreibts aber nicht, weil sonst wieder die Redaktionspraktikantin zuschlägt mit "Bitte pauschalieren sie nicht"). Und weiß, was man von dem Buch zu halten hat: Nur ein weiterer Versuch, die Welt ins Weltbild zu quetschen.

    Eine Leserempfehlung
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    einfach nicht verstanden. Und der von Ihnen beklagte Widerspruch existiert nur in Ihrem Kopf.

    "Männern böte sich ein wachsender Markt potenzieller Partnerinnen aller Altersgruppen, anders als Frauen, deren Körper frühe Verfallsdaten tragen". Ähm. Wenn die Frauen früher "verfallen"

    Das kann man mit den im Text vorhandenen Informationen ohne weiteres so schreiben und verstehen.

    Es bedeutet nämlich, dass, weil viele Männer nicht mehr bindungswillig sind, diese den Frauen, die gerne eine feste Bindung und eine Familie haben wollen, nicht zur Verfügung stehen und somit der "Markt" an attraktiven Männern kleiner wird und um diese die es gibt, streiten dann die Frauen mit Ihren Mitteln. Das geht alles aus dem Text hervor. Natürlich bedeutet es nicht, dass es nicht auch noch viele andere Männer gibt, die weniger attraktiv (in verschiedenen Beziehungen) sind, aber die bleiben zumeist bei den hohen Ansprüchen der Frauen außen vor. Das fasst dieser zitierte Satz so zusammen. Zusätzlich mitd em Faktum, dass Frauen eben für ihr erstrebtes Leben mit Familie und Sicherheit (die Frauen die das wollen) die Zeit wirklich davonläuft, wohingegen ein Mann oft auch mit 80 Frauen und Kinder haben kann.

    Mitnichten geht der Text nur gegen die Männer, er geht neutral mit dem um, wie heutzutage Gefühle und Liebe "gelebt" oder gewirtschaftet werden, von den Menschen die das tun, auch von Frauen.

    Ich finde im Übrigen auch die Art wie viele Frauen sich nur über ihr Äußeres definieren flach.

  3. einfach nicht verstanden. Und der von Ihnen beklagte Widerspruch existiert nur in Ihrem Kopf.

    "Männern böte sich ein wachsender Markt potenzieller Partnerinnen aller Altersgruppen, anders als Frauen, deren Körper frühe Verfallsdaten tragen". Ähm. Wenn die Frauen früher "verfallen"

    Das kann man mit den im Text vorhandenen Informationen ohne weiteres so schreiben und verstehen.

    Es bedeutet nämlich, dass, weil viele Männer nicht mehr bindungswillig sind, diese den Frauen, die gerne eine feste Bindung und eine Familie haben wollen, nicht zur Verfügung stehen und somit der "Markt" an attraktiven Männern kleiner wird und um diese die es gibt, streiten dann die Frauen mit Ihren Mitteln. Das geht alles aus dem Text hervor. Natürlich bedeutet es nicht, dass es nicht auch noch viele andere Männer gibt, die weniger attraktiv (in verschiedenen Beziehungen) sind, aber die bleiben zumeist bei den hohen Ansprüchen der Frauen außen vor. Das fasst dieser zitierte Satz so zusammen. Zusätzlich mitd em Faktum, dass Frauen eben für ihr erstrebtes Leben mit Familie und Sicherheit (die Frauen die das wollen) die Zeit wirklich davonläuft, wohingegen ein Mann oft auch mit 80 Frauen und Kinder haben kann.

    Mitnichten geht der Text nur gegen die Männer, er geht neutral mit dem um, wie heutzutage Gefühle und Liebe "gelebt" oder gewirtschaftet werden, von den Menschen die das tun, auch von Frauen.

    Ich finde im Übrigen auch die Art wie viele Frauen sich nur über ihr Äußeres definieren flach.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Das ist jetzt"
  4. Schaut so aus. Oder? Wie sollen all diese zerbrochenen Herzen eine zerbrechende Gesellschaft retten?

  5. Es gibt bereits Bücher, auch von deutschen Autoren wie etwa Erich Fromm, die diese Situation vor 50 Jahren vorhergeschrieben haben, eben weil sie die Liebe nicht alleine als eine schicksalhafte Angelegenheit betrachtet haben wie das in all den Romantikkomödien, Liebesfilmen und Happy-End Stories verklärend dargestellt wird. Erich Fromm stellt konkrete Thesen auf, z.B. die dass Liebe eine Aktivität ist. Er kritisiert den Kapitalismus weil dort nur als Aktivität zählt, was eine äußere Veränderung herbei führt und einen Gewinn erziehlt, der meistens nur das Ego befriedigt. Die seelische Aktivität hingegen, die in der Meditation, der Ruhe, dem bewussten Genuss liegt, gilt hingegen als Faulheit oder Müßiggang und wird nicht gewürdigt, weil sie keine sichtbare Aktivität darstellt. Dabei bezeichnet er es als die "höchste Aktivität" des Menschen und er zeigt auf, warum diese Aktivität eine Voraussetzung für die Liebe ist. Wer Fromm gelesen hat, den wundert nicht, weshalb dieser Tage Glücksratgeber und Liebeserklärer Hochkonjunktur haben.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich habe Fromm gelesen (allerdings "Haben oder Sein") und ich sehe durchaus, dass er wichtige Sachen anspricht, gerade im Bezug zur Frage der Identität bzw. was einen Menschen in der modernen Zeit ausmacht. Auch schreibt er, man habe selber die Wahl zu entscheiden, was für ein Mensch mans ein will. Einer der Hat oder einer der Ist. Kapitalismuskritik kommt selbstredend zur Sprache, denn die Habensseite ist nicht nur theoretisch an das Wirtschaftssystem gekoppelt. Das ist ja alles gut und ich stimme weitestgehend zu.

    Aber:

    Fromm benutzt einen zähen Brei aus Therapiesprache und Therapiebildern Bildern. Er ist ein Psychologe und kommt aus der Richtung der Psychoanalyse. Das können Sie zum Beispiel bei Illouz nachlesen, was er und andere tun und taten und wie das unsere Kultur geprägt hat (s.a. Therapeutischer Diskurs). Was Sie den Menschen für Flausen ind en Kopf setzten und wie sie alles mögliche als therapiebedürftig deklarierten und eine permanente Unsicherheit in den Köpfen schufen, der sich heutzutage praktisch kaum einer entziehen kann (Manche merken es nur nicht). Glauben Sie nicht? Dann sollten sie wirklich mal Illouz (nur als Stellvertreterin die dem viele Seiten widmet s.a. "Die Errettung der modernen Seele" ) lesen, Sie zeichnet es ganz deutlich nach. Und danach können Sie dann nochmal behaupten, Illouz Werk sei nicht wichtig.

    Das glaube ich allerdings nicht.

  6. Eine weitere These, die den Titel von Fromms Buch ausmacht "Die Kunst zu lieben" ist zudem, dass Liebe und Lieben auch eine Kunst ist bzw. eine Fähigkeit. Und aus dieser These heraus folgert Fromm, dass man auch etwas tun muss, um zu lieben. Das ist für viele vermutlich zunächst die unbequemste These, denn etwas zu tun erfordert vor allem Arbeit an einem selbst. Aber es bedeutet eben auch, dass man etwas tun kann und das sollte eigentlich fröhlich stimmen. Gerade bei jenen, die gemeinhin als attraktiv gelten und dennoch unglücklich sind fehlt häufig diese Einsicht und das ist auch nicht verwunderlich.

    Wenn man die Mann-Frau Diskussion verfolgt, nachdem man Fromm gelesen hat, dann muss man ihm erneut zustimmen. Dann erkennt man, dass Liebe oft, so wie von Fromm kritisiert, egoistisch aufgefasst wird. Es geht selten darum, dass man sich selbst für die Liebe öffnet. Fast immer geht es darum "den Richtigen" zu finden, wie schwer dies sei, etc. Diese Schicksalslogik wird uns auch in den ganzen Filmen vorgespielt. Der Romantik-Kitsch macht uns meiner Ansicht nach eher unglücklich und es ist leider oft die einzige Art wie wir Liebe "gezeigt" bekommen. Im Film wird die Liebe als das lösende Gefühl verkauft, was der Zuschauer oder die Zuschauerin im Happy End empfindet oder sich vorstellt. Aber im realen Leben muss vor allem der Alltag mit Liebe erfüllt sein, die Routine überliebt und die Verantwortung agenommen werden, all die Dinge, die zu langweilig sind für einen Film und deshalb nur selten thematisiert werden.

    4 Leserempfehlungen
  7. Ich habe Fromm gelesen (allerdings "Haben oder Sein") und ich sehe durchaus, dass er wichtige Sachen anspricht, gerade im Bezug zur Frage der Identität bzw. was einen Menschen in der modernen Zeit ausmacht. Auch schreibt er, man habe selber die Wahl zu entscheiden, was für ein Mensch mans ein will. Einer der Hat oder einer der Ist. Kapitalismuskritik kommt selbstredend zur Sprache, denn die Habensseite ist nicht nur theoretisch an das Wirtschaftssystem gekoppelt. Das ist ja alles gut und ich stimme weitestgehend zu.

    Aber:

    Fromm benutzt einen zähen Brei aus Therapiesprache und Therapiebildern Bildern. Er ist ein Psychologe und kommt aus der Richtung der Psychoanalyse. Das können Sie zum Beispiel bei Illouz nachlesen, was er und andere tun und taten und wie das unsere Kultur geprägt hat (s.a. Therapeutischer Diskurs). Was Sie den Menschen für Flausen ind en Kopf setzten und wie sie alles mögliche als therapiebedürftig deklarierten und eine permanente Unsicherheit in den Köpfen schufen, der sich heutzutage praktisch kaum einer entziehen kann (Manche merken es nur nicht). Glauben Sie nicht? Dann sollten sie wirklich mal Illouz (nur als Stellvertreterin die dem viele Seiten widmet s.a. "Die Errettung der modernen Seele" ) lesen, Sie zeichnet es ganz deutlich nach. Und danach können Sie dann nochmal behaupten, Illouz Werk sei nicht wichtig.

    Das glaube ich allerdings nicht.

    Antwort auf "Fromm vor 50 Jahren"
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    Ich kann nur schlecht beurteilen, ob Haben oder Sein wie ein zäher Brei geschrieben wurde, bei "Die Kunst zu Lieben" habe ich es für mich jedenfalls nicht so wahrgenommen. Im Gegenteil. Sie behaupten, Fromm und andere hätten den Menschen Flausen in den Kopf gesetzt. Auf dem Exemplar des genannten Buches steht ein Bestseller mit über 9 Millionen verkauften Exemplaren (seit 1950?). Es geht mir nicht um die genaue Zahl, jedoch glaube ich, dass der gesellschaftliche Einfluss von Fromm (leider) weit weniger groß ist als, etwa der der Privatsender mit ihren Scheinwelt-Produkten wie "Germany's Next Topmodel" oder "Deutschland sucht den Super Star". Diese Sendungen erreichen an einem einzigen Abend mehr als 10 Mio Jugendliche und können das zugrundeliegende Weltsichtmodell auch noch wöchentlich verbreiten - ein Modell das an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten ist.

    • LaSilas
    • 15. Oktober 2011 14:10 Uhr

    Die Autorin nimmt es für selbstverständlich, dass Menschen ein "Verfallsdatum" aufgestempelt haben. Ein Verfallsdatum tragen aber nur Waren, z. B. 01.12.2012. Dann ist die Ware verdorben. Wann sollte dieses Datum für den Menschen sein?

    Weiterhin macht sie einen Kotau vor der Werbegesellschaft, die Frauen Panik macht und Männern einredet, nur auf die Oberfläche der Haut und den perfekten Körper komme es an. Die glatte junge Frau als Statussymbol.

    Wenn man also Jugend und Schönheit als Währung der Frau ansieht, muss man auch vorher sagen, dass dieses Tauschgeschäft nur funktioniert, wenn der Mann Geld hat.

    Die vielen Millionen Männer ohne oder mit wenig Geld können dann an diesem Geschäft nicht teilnehmen. Da sie nicht mehr wissen, wie Liebe geht bzw. es nie gewusst haben, bleiben sie allein.

    Andere entscheiden sich für käufliche Erotik, die den pornografisierten Idealen eher entspricht. Und hier ist der Schnittpunkt zu den Ehen vieler reicher alter Männer, die junge Frauen heiraten.

    Es bleibt aber Illusion, auch wenn die Frau nach 10 Jahren gegen eine jüngere ausgetauscht wird. Ohne Würde erscheinen alte Männer, die ewig auf jugendlich machen, sich bemühen, in Jugendsprache als geil zu finden. Da hatten die früheren konservativen Alten wesentlich mehr Charakter und Würde als ein Dieter Bohlen.

    Die durch Filme und Werbung geweckten Erwartungen können aber weder Frauen noch Männer erfüllen. Perfektion hat nichts mit Liebe zu tun, die Medienwelt erzeugt Illusionen.

    2 Leserempfehlungen
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    Ein Verfallsdatum für Menschen ist unwürdig, da haben Sie recht. Die Gesellschaft stempelt es Frauenkörpern dennoch auf. Man denke nur an Udo Jürgens, der öffentlich behauptet hat, mit einer 40-jährigen Frau nicht mehr Sex haben zu wollen. Man denke an die vielen Frauen, die sich die Geischtszüge mit Botox zu Totenmasken lähmen, um dem faltenfreien Idealbild der Gesellschaft zu entsprechen. Das sind die traurigen Tatsachen. Viele Frauen machen mit ( http://karinkoller.wordpr... ). Man sollte gegensteuern und den Frauen wieder beibringen, sich selbstbewusst in den Spiegel schauen zu können und aus dem Mädchenkult auszubrechen.

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