Indische Klassik trifft R&B
Auf Samdhi, seinem neuesten Album, bringt Mahanthappa nun die Spannung zwischen dem elektrischen Sound des R&B seiner Jugend und Ideen aus der klassischen indischen Musik zum Leuchten. Man hört Mahanthappas volltönendes Altsaxofon, wie es über einem Bordun sanft durch die Oktaven gleitet wie durch ein Wasserbassin, in dem alle Bewegung leicht gedämpft wird. Mit Veränderungen seines Lippenansatzes umspielt er die Tonhöhen und treibt in schwebenden Bewegungen weit weg von der Intervallik der westlichen Musikkultur. Dann explodiert die Musik regelrecht. Man vernimmt ein vertrackt zirkuläres Thema, nervös und mit kantiger Virtuosität vorgetragen, während ein funky Puls die Bewegungsenergie hoch hält.
»Jede einzelne Melodie basiert auf der Tonfolge eines speziellen Raga«, erklärt Mahanthappa den komplizierten Bauplan seiner Stücke, »jede Taktfolge auf einem südindischen Akzentzyklus oder Polyrhythmus.« Auch mit dem konsequent durchgehaltenen Wechsel von Solostücken über einem Bordun und anschließenden bewegten Ensemblestücken knüpft er an Gepflogenheiten der klassischen indischen Musik an. Allerdings wirft Mahanthappa dem Ganzen ein sehr westliches Klangkostüm über, vorlaut, mitreißend, heiß, garniert nach allen Regeln der elektronischen Klangbearbeitung – ein wildes Hybrid. »Mit dieser Musik«, sagt Mahanthappa, »spreche ich alle Facetten meiner Persönlichkeit an: den Musiker, den an mathematischen Fragen interessierten Intellektuellen und meine Herkunft. Sie drückt aus, was es bedeutet, ein Inder in Amerika zu sein.«
Rudresh Mahanthappa: Samdhi (ACT/edel)
Rudresh Mahanthappa feat. Kadri Gopalnath & The Dakshina Ensemble: Kinsmen (PI Recordings/AVI)
- Datum 23.10.2011 - 12:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 6.10.2011 Nr. 41
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Dans un
jardin blanc
comme le sable
de la jeunesse
je vois solitaire
la main de la
vie et le souffle
du soleil.
Francesco Sinibaldi
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