Menschen werden zu Objekten seiner Theorie
Das ist eine der Broschüren, die mir Peter Hartz zu Beginn unseres Treffens in die Hand gedrückt hatte: »Minipreneure« steht darauf und »Chancen für arbeitslose Frauen und Männer, die ihr Leben neu gestalten wollen«. Das neue Konzept des Peter Hartz sind Selbsthilfegruppen aus je 20 Arbeitslosen, die gemeinsam Geschäftsideen entwickeln. Einmal pro Woche solle sich die Gruppe mit einem Trainer treffen. »Die Seele des Konzeptes ist der A-Trainer, am besten ein ehemaliger Arbeitsloser, der wieder einen Job hat.« Ein paar Pilotgruppen hätten sich schon zusammengefunden, sagte Hartz.
Ob ich mir eine Gruppe anschauen könne, wollte ich wissen. »Nein«, sagte Hartz. »Es ist noch viel zu früh.« Mir bleiben also nur der Prospekt und seine Worte, um diesen neuerlichen Versuch, den Menschen Arbeit zu bringen, zu verstehen. In der Broschüre wird nicht an großen Versprechen gespart: »Ziel ist, das Modell auf alle erwerbsfähigen Arbeitslosen auszudehnen«, lese ich. Hartz will, dass die Arbeitslosengruppen ausschwärmen, um in ihren Dörfern und Städten nach Beschäftigung zu suchen: »Wir liefern den totalen Arbeitsmarkt«, sagt er und merkt nicht, wie mich diese Wortwahl zusammenzucken lässt. »Dieses Konzept ist so faszinierend«, sagt er. »Wenn Sie das jetzt bundesweit nehmen, kriegen Sie auch das Problem der Langzeitarbeitslosen in Deutschland gelöst.«
Viel später, als ich noch einmal die Broschüre durchblättere, werde ich lange überlegen, ob ich diese Beharrlichkeit bewundernswert finde oder tragisch. Jetzt frage ich ihn nur: »Warum machen Sie das?« – »Ich muss ja das Problem noch lösen«, sagt er. »Es ist ja lösbar.« Ich denke daran, wie mir Hartz von seiner kranken Frau erzählte, davon, dass auch er Ärzte brauchte, um die letzten Jahre zu überstehen. »Warum können Sie nicht sagen, ich gehe jetzt nach Hause, ich kümmere mich um meine kranke Frau, um mich und um meine Pferde und lass die Arbeitslosen in Ruhe?«, frage ich ihn. »Das wäre eine Alternative«, sagt er. »Aber das gelingt Ihnen nicht?« – »Man darf nie aufgeben«, sagt Peter Hartz.
Nach dem Essen bringt er mich zu Fuß zur Saarbrücker Bahnhofstraße. Viele Menschen sitzen da herum. Alg-II-Empfänger, würde Peter Hartz sagen, Hartz-IVler, würden sie wohl sagen. Ich weiß nun, dass es bitter ist, wenn solch eine Reform den eigenen Namen trägt. Aber ich weiß auch, dass sich der Mann, der diese Ideen hatte, zumindest in den drei Stunden, die wir sprachen, nicht darum sorgte, ob es nicht ebenso bitter ist, mit dieser Reform zu leben. Vielleicht ist auch das eine Eigenart dieses Idealismus, der die Mauer zur Ideologie reißt, vielleicht ist es die zwangsläufige Folge, dass jemand, der glaubt, zu wissen, wie die Welt sein müsste, sich für diejenigen, die in dieser Welt leben, kaum mehr interessieren kann, dass sie ihm Objekte seiner Theorie sind, nicht Menschen, die wollen und wünschen dürfen, die ablehnen und aufbegehren können.
Der Text ist dem Buch Ideale – Auf der Suche nach dem, was zählt der ZEITmagazin-Autorin Julia Friedrichs entnommen, das am 12. Oktober bei Hoffmann und Campe erscheint.
- Datum 06.10.2011 - 16:58 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 6.10.2011 Nr. 41
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Peter Hartz ist im März 2010 mit dem Projekt Minipreneure im Saarland gestartet und seither sind Pilotgruppen gekommen und gegangen, die Teilnehmerzahl ist verschwindend gering
Dass die Autorin keine Gruppe besuchen durfte, hat nichts damit zu tun, dass es, wie Hartz sagt, zu früh ist, sondern eher damit, dass er nichts vernünftiges in diesen Gruppen vorzuweisen hat.
Dieses Projekt sollte gar zwischendurch einmal mit einem Bildungsträger durchgezogen werden und die angehenden Minipreneure sollten dafür Bildungsgutscheine besorgen. Auch daraus wurde nichts.
Bereits im Herbst 2008 hat Hartz das Projekt erstmals im Saarland vorgestellt und scheiterte, weil die Argen es nicht finanzierten. Dann ging er 2010 damit erneut an die Öffentlichkeit, zwischendurch sollte es ein Bildungsträger richten, jetzt preist es Hartz offensichtlich wieder selbst an.
Im März 2011 sagte die Geschäftsführerin der Minipreneure-Zentrum gGmbH in einem Interview mit dem Saarländischen Rundfunk, die Finanzierung des Projektes Minipreneure müsse noch geklärt werden. Warum ist Hartz dann bereits im März 2010 damit an den Start gegangen, wenn ein Jahr später immer noch nichts geregelt war?
bei dem letztendlich sämtliche Fördermittel des Arbeitsmarktes in die Kassen der Lizenznehmer wandern sollen:
http://www.s-o-z.de/?p=19441
Peter Hartz scheint sich nur noch Gedanken darüber zu machen, wie man staatliche Fördergelder zugunsten dubioser gGmbH's und anderer Absahner locker machen kann. Dieses gar nicht so neue Horrorkonzept sollte schnellstmöglich auf Nimmerwiedersehen in den Schredder wandern.
Gruß
Janna
P. s.: Ich hatte leider bisher keine Zeit, alle Beiträge hier zu lesen. Es könnte also sein, dass schon Links über die Hintergründe dieses schauderhaften Betrugssystems "Minipreneure" hier eingestellt worden sind. Dann bitte ich darum, dass man mir das nochmalige Einstellen eines solchen Links hier nachsehen möge.
Tut mir leid, es sollte natürlich heißen: ...bei dem letztendlich sämtliche Fördermittel des Arbeitsmarktes in die Kassen der LizenzINHABER wandern sollen.
Gruß
Janna
bei dem letztendlich sämtliche Fördermittel des Arbeitsmarktes in die Kassen der Lizenznehmer wandern sollen:
http://www.s-o-z.de/?p=19441
Peter Hartz scheint sich nur noch Gedanken darüber zu machen, wie man staatliche Fördergelder zugunsten dubioser gGmbH's und anderer Absahner locker machen kann. Dieses gar nicht so neue Horrorkonzept sollte schnellstmöglich auf Nimmerwiedersehen in den Schredder wandern.
Gruß
Janna
P. s.: Ich hatte leider bisher keine Zeit, alle Beiträge hier zu lesen. Es könnte also sein, dass schon Links über die Hintergründe dieses schauderhaften Betrugssystems "Minipreneure" hier eingestellt worden sind. Dann bitte ich darum, dass man mir das nochmalige Einstellen eines solchen Links hier nachsehen möge.
Tut mir leid, es sollte natürlich heißen: ...bei dem letztendlich sämtliche Fördermittel des Arbeitsmarktes in die Kassen der LizenzINHABER wandern sollen.
Gruß
Janna
Der arme Mensch, so hoch oben in Deutschlands Eliten
und dann verurteilt.
Ich denke, dass in Deutschland viele Menschen fluchen,
wenn sie den Namen/Ausdruck Hartz hören.
Schön dass die Redaktion den Ausdruck Nutten verwendet...
Diese Heuchelei von diesem Manne ist einfach nur widerlich! Der hat ganz genau gewusst, was er mit der Einführung von Hartz 4 bezweckt.
den armen Perter Hartz.
http://www.abendblatt.de/...
Wer mit Maschmeyer ins Bett geht braucht nicht weinen, da wurde mit vollem Kalkül, die Ausbeutung des dt. Michels vorangetrieben. Die Autorin sollte sich etwas schämen, solch einen Volksverräter auch noch als Opfer darzustellen.
Empfehlung für den nächsten Artikel Rürup and Maschmeyer die missverstandenen Wohltäter D-lands.
Frau Friedrichs kümmern sie sich lieber mal um das Thema Altersarmut, und dann überdenken sie den Artikel nochmal.
Wie bei manchen Politiker kann es ja vll doch noch sein, dass er einfach unglaublich dumm ist und es daher nicht sehen konnte, obwohl es derart offensichtlich war.
Sieht man doch auch bei Leyen immer wieder. Man sieht sofort, dass ihre Ideen völlig bescheuert sind, aber die werden trotzdem durchgezogen
Vll ist die Frau ja so dumm, ich weiß es nicht oder irgend etwas anderes stimmt nicht, vll auch bösartig oder auch etwas völlig anderes.
Irgend einen Grund muss es wohl haben, einen wirklich guten sehe ich dabei aber nicht.
Müntefering, Clement, Schröder, Steinmeier, Gabriel, v. Dohnanyi etc.
Natürlich wußte auch J. Fischer Bescheid, bei dem Rest der grünen Truppe bin ich mir nicht sicher.
den armen Perter Hartz.
http://www.abendblatt.de/...
Wer mit Maschmeyer ins Bett geht braucht nicht weinen, da wurde mit vollem Kalkül, die Ausbeutung des dt. Michels vorangetrieben. Die Autorin sollte sich etwas schämen, solch einen Volksverräter auch noch als Opfer darzustellen.
Empfehlung für den nächsten Artikel Rürup and Maschmeyer die missverstandenen Wohltäter D-lands.
Frau Friedrichs kümmern sie sich lieber mal um das Thema Altersarmut, und dann überdenken sie den Artikel nochmal.
Wie bei manchen Politiker kann es ja vll doch noch sein, dass er einfach unglaublich dumm ist und es daher nicht sehen konnte, obwohl es derart offensichtlich war.
Sieht man doch auch bei Leyen immer wieder. Man sieht sofort, dass ihre Ideen völlig bescheuert sind, aber die werden trotzdem durchgezogen
Vll ist die Frau ja so dumm, ich weiß es nicht oder irgend etwas anderes stimmt nicht, vll auch bösartig oder auch etwas völlig anderes.
Irgend einen Grund muss es wohl haben, einen wirklich guten sehe ich dabei aber nicht.
Müntefering, Clement, Schröder, Steinmeier, Gabriel, v. Dohnanyi etc.
Natürlich wußte auch J. Fischer Bescheid, bei dem Rest der grünen Truppe bin ich mir nicht sicher.
Er hat sein bestes Getan (und da steckt sehr viel Arbeit
und Aerger drin) einen Sozialplan zu schaffen. Wenn der
nichts taugt, kann ihn jede Regierung sofort wieder abschaffen, aber offenbar hat keiner eine bessere Idee.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg
Allerdings nur Ver~.
Er hat den Satz "Eigentum verpflichtet" neu definiert.
Der heißt jetzt "Eigentum verpflichtet zum abgeben, wenn man sowieso nichts mehr hat". Wenn es dann weg ist, wird einem "großzügig" geholfen.
Geschreibsel mal gelesen? Das ist nicht nur eine literar-ästhetische Zumutung, sondern wirkt zudem wie ein mit Absicht verflachtes Kauderwelsch zur Deregulierung von Hirnaktivitäten, was da als Bericht der Hartz-Kommission veröffentlicht wurde - annodazumal. Dieses Pamphlet kann quasi als theoretisch-abstraktes Konstrukt von einem Versuch, eine neue Welt zu schaffen, darstellen, in der keine Regeln gelten sollen. Quasi als Prototyp in Wort, was Jobcenter in reali darstellen.
Allerdings nur Ver~.
Er hat den Satz "Eigentum verpflichtet" neu definiert.
Der heißt jetzt "Eigentum verpflichtet zum abgeben, wenn man sowieso nichts mehr hat". Wenn es dann weg ist, wird einem "großzügig" geholfen.
Geschreibsel mal gelesen? Das ist nicht nur eine literar-ästhetische Zumutung, sondern wirkt zudem wie ein mit Absicht verflachtes Kauderwelsch zur Deregulierung von Hirnaktivitäten, was da als Bericht der Hartz-Kommission veröffentlicht wurde - annodazumal. Dieses Pamphlet kann quasi als theoretisch-abstraktes Konstrukt von einem Versuch, eine neue Welt zu schaffen, darstellen, in der keine Regeln gelten sollen. Quasi als Prototyp in Wort, was Jobcenter in reali darstellen.
Die Reformen waren dringen nötig, aber nur ein Bruchteil dessen was noch nötig ist!
sie sind wirklich einer aus dem tal der ahnungslosen
war das was 2005 begann.
Was bisher geschah, ist schon mehr.
Und was am Ende dieses Neoliberalismus, wenn er durch ist, trotz der Hoffnungen seiner Profiteure, das Ganze sein wird, nun, das wird für viele bitter. Da bin ich sicher.
Übrigens, Profiteur ist nicht der, der aufstocken muss auf ca.890 Euro/Monat weil er nicht bereit in 24 Stunden drei Jobs zu machen ( USA ), sondern alle die, die an dem niedrigen Lohnkostenanteil ihre Freude haben.
sie sind wirklich einer aus dem tal der ahnungslosen
war das was 2005 begann.
Was bisher geschah, ist schon mehr.
Und was am Ende dieses Neoliberalismus, wenn er durch ist, trotz der Hoffnungen seiner Profiteure, das Ganze sein wird, nun, das wird für viele bitter. Da bin ich sicher.
Übrigens, Profiteur ist nicht der, der aufstocken muss auf ca.890 Euro/Monat weil er nicht bereit in 24 Stunden drei Jobs zu machen ( USA ), sondern alle die, die an dem niedrigen Lohnkostenanteil ihre Freude haben.
... nur hat der halt die falschen Schlüsse gezogen. Wie das eben so ist, wenn Betriebswirtschaftler glauben mit ihren Rezepten eine Volkswirtschaft erklären zu können.
absurd ist, dass das wahre Vebrechen hier nicht einmal ansatzweise erwaehnt wird, die Zwangsverstaatlichung von Sozialversicherungsbeitragen im Rahmen der HartzIV Reform.
Es wäre interessant gewesen zu erfahren, welche Definition Hartz von "Arbeit" hat. Gilt ein Aufstocker bereits in seinen Augen als mit Arbeit versorgt? Oder glaubt er tatsächlich, mindestens 4 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze finden/kreieren zu können? Letztenendes ist es auch eine Frage, in wie weit man den Druck noch erhöhen muss/kann, wenn es einfach nicht genug Arbeit gibt.
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