RockgeschichteDie perfekte Form von Ruhm

Eine London-Reise auf den Spuren von Pink Floyd. Die legendäre Band, die es eigentlich längst nicht mehr gibt, bringt jetzt eine Werkausgabe heraus. von Christoph Dallach

Pink Floyd Anfang der siebziger Jahre (von links nach rechts): David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters, Richard Wright

Pink Floyd Anfang der siebziger Jahre (von links nach rechts): David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters, Richard Wright  |  © EMI Music

Vor der Eingangstür des Studios 3 in den Londoner Abbey Road Studios steht ein uniformierter Wachmann mit Metalldetektor und strengem Blick. Wer an ihm vorbeiwill, muss Tasche, Mobiltelefon und iPod abgeben und sich dann wie am Flughafen von Kopf bis Fuß abtasten lassen, bevor er den dunklen, etwas muffigen Studioraum betreten darf.

Eine bizarre Show, die sich nur eine Band wie Pink Floyd leisten kann, die auch in diesem Jahrtausend noch eine Aura von Geheimnis und Größenwahn umnebelt. Es geht darum, Medienvertreter, die aus aller Welt nach London gekommen sind, zu beeindrucken; ihnen ein Dutzend historischer, unveröffentlichter Pink-Floyd-Aufnahmen vorzuführen, die im Archiv Staub fingen und nun restauriert im Rahmen einer Werkausgabe als sensationeller Schatz vermarktet werden. Und um diesem Zirkus für Journalisten die angemessene Exklusivität zu verleihen, wird die betagte Musik eben an dem Ort vorgespielt, an dem sie einst entstand.

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Das »Wohnzimmer von Pink Floyd« nennen Abbey-Road-Angestellte das Studio 3 ehrfürchtig, wo unter großer Geheimnistuerei die sogenannte Listening Session stattfindet; hier spielte die Band vor Jahrzehnten berühmte Alben wie Wish You Were Here ein. Gleich nebenan ist das Studio 2, wo sich einst die Beatles einrichteten. »Ab und zu trafen wir uns auf dem Flur. Ich erinnere mich vor allem an einen Abend, als ich in ihr Studio schlich und staunend lauschte, wie sie den Song Lovely Rita für ihr Sgt. Pepper’s- Album vorbereiteten«, sagt Nick Mason und fügt hinzu, dass Paul McCartney damals regelmäßig bei Pink-Floyd-Konzerten aufgetaucht sei.

Mason sitzt in einem kleinen Aufenthaltsraum für Techniker über dem Studio 3 auf einem klapprigen Sofa, nippt an einer Tasse Tee und verfolgt auf einem Fernseher ohne Ton ein Wimbledon-Tennismatch, das ihn mehr zu interessieren scheint, als noch einmal über Pink Floyd Auskunft zu geben, die Band, deren Schlagzeuger er war und die immer noch sein Leben prägt: »Es vergehen keine 24 Stunden, ohne dass ich damit behelligt werde«, sagt er müde lächelnd. Der 67-jährige Brite spricht so geduldig und freundlich wie ein Märchenerzähler und sieht in Designerjeans, blau kariertem Oberhemd und Slippern sowieso nicht mehr aus wie ein Rockstar. Mehr wie ein Privatier, der irgendwo im Grünen sein Leben genießt und sich dort nur ungern stören lässt. Nick Mason war als Einziger bei Pink Floyd von Anfang bis Ende dabei und schien in dieser Gang von streitbaren, versponnenen Egozentrikern immer am zugänglichsten, weshalb er auch als eine Art Pink-Floyd-Vorstandssprecher fungiert.

An diesem Tag ist Mason, der sonst seine Zeit mit dem Sammeln und Vermieten alter Rennwagen verbringt, von seinem Landsitz kurz in die Stadt gerauscht, um Werbung für eine Neuauflage der renovierten dreizehn Pink-Floyd-Album-Klassiker wie Dark Side Of The Moon, The Wall oder Wish You Were Here zu machen, die zwischen 1967 und 1994 veröffentlicht wurden und die auch heute noch in einer krisengeschüttelten Branche für beständige Millionenumsätze sorgen.

Why Pink Floyd? ist der Titel der rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft gestarteten Wiederveröffentlichungskampagne. Warum dieser Titel? Das weiß auch Nick Mason nicht so recht. Ausnahmsweise hätten alle drei noch lebenden Bandmitglieder nichts dagegen gehabt. Das ist etwas Besonderes, denn Pink Floyd sind nicht nur eine der erfolgreichsten Bands, sondern auch eine der zerstrittensten. »Wir sind selten einer Meinung und kommunizieren meistens über Rechtsanwälte oder in dringenden Fällen per E-Mail, das reduziert das Konfliktpotenzial gewaltig«, sagt Mason lächelnd.

Leserkommentare
    • k2
    • 08. Oktober 2011 9:24 Uhr

    Wichtig war auch wie in Matala die Groupy Girls aussahen - mindestens so wie im Palast von Knossos musste es schon sein. Pink Floyd
    in Matala sah da etwas blass aus.

  1. Pink Floyd ist eine Legende - wenigstens für all jene, die darauf stehen und von Musik etwas verstehen!

    Oh, ich kann mich noch gut an "Die lange Nacht von Pink Floyd" auf RIAS 2 erinnern und den Tag danach:

    Vorab kaufte ich mir erstmal 5 neue ORWO-Kassetten für 20 Mark der DDR - war viel Geld, dass ich mir an den Wochenenden beim Zeitungsaustragen als Schüler und beim Sammeln von Sekundärrohstoffen verdiente.

    Dann war sie da - die "Lange Nacht":

    Bis 05.00 Uhr in der Frühe musste ich warten, dann kam DER TITEL: "Echoes Part Two"

    Halb Sechs schnell noch gefrühstückt und dann ging es ab zum Bus und in die Schule.

    In der letzten Stunde bin ich dann eingepennt - STABÜ-Unterricht.
    Der Lehrer rüttelte mich wach und so halb im Schlaf sagte ich ihm, warum ich so müde war.

    Von der "Penne" bin ich aber trotzdem nicht geflogen - nur einen Eintrag ins Klassenbuch gab es - wegen Unaufmerksamkeit während des Unterrichts.

    Vielleicht stand mein STABÜ-Lehrer auch auf PINK FLOYD?

    Er hat es mir nicht verraten.

    Eine Leserempfehlung
  2. ... in dem sich all die pupertären Fragen, Drängnisse, Unbekanntheiten, Hoffnungen und Ängste aufs Wunderbarste auflösen.

    Die Unbekanntheit der Einzelmusiker trägt sicher zur Identifikationseignung bei.

    Schön dass es die Musik gibt. Schade, dass es nicht mehr Album-Gruppen mit ähnlicher Heilswirkung gibt.

    Eine Leserempfehlung
  3. Wenn ich "digital remaster" lese, gehen bei mir regelmäßig die Warnlampen an - in den letzten Jahren standen solche Neuveröffentlichungen fast immer im Zeichen des unsäglichen "Loudness War" - grausam komprimierter Dynamikumfang mit Zahnschmerz-Sound.

    Ich würde gern erfahren wie es diesbezüglich um die aktuellen Pink-Floyd-Remasters steht, konnte aber bisher nichts genaues dazu finden.
    Weiß jemand mehr?

    • macdoc
    • 08. Oktober 2011 12:33 Uhr

    was sind dagegen viele der heutigen "Megastars"?
    Die einzige Frage die für mich bleibt: wozu brauchen wir diese "remastered" Aufnahmen?

  4. ... weil viele Aufnahmen sonst in ein paar Jahren aus dem Leistungsschutzrecht rauslaufen würden. Zwar wurde europaweit das Leistungsschutzrecht für Audio-Konserven erst von 50 auf 70 Jahre hochgesetzt, aber spätestens in 20 Jahren würden Musikverlage wieder vor dem Problem stehen, dass man ihre Aufnahmen aus den 60ern ohne Lizenzzahlungen an sie nachpressen könnte. Nur die Texter und Komponisten würden Geld bekommen (deren Urheberrecht läuft aktuell bis 70 Jahre nach deren Tod).

    Wenn die Aufnahmen remastert werden, erhalten die Verlage wieder den vollen Urheberrechts(/Leistungs-)schutz von aktuell 70 Jahren. Die Interpreten (derentwegen vorgeblich die Fristen verlängert wurden) sind bei der Remaster-Methode eh außen vor.

  5. 7. Skuril

    Drei lange Seiten, die praktisch keinen Inhalt haben...

  6. Selbst als alte Männer sind diese Herren einfach nur gut und genial im inszenieren von Klang und visueller Präsentation.
    Beispiel gefällig ? Einfach nur genießen man muss sich diese "Zeit" nehmen:
    http://www.youtube.com/wa...

    http://www.youtube.com/wa...

    http://www.youtube.com/wa...

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  • Schlagworte Roger Waters | Paul McCartney | Album | Band | iTunes | Cambridge
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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