Schlecht fürs Klima: Plasma-Fernsehgeräte verbrauchen viel Energie. © Toru Yamanaka/AFP/Getty Images

Ein Fernseher im Ökodesign – das klingt nach einer Holzkiste aus nachhaltiger Forstwirtschaft mit pedalbetriebenem Bildwechsel. Gemeint sind damit aber Plasma, LCD und Co. Seit einem Jahr schon müssen neue Geräte der europäischen Ökodesign-Richtlinie genügen. Etwa indem sie im Ruhezustand Energie sparen.

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft sollen nun alle Geräte zeigen, wie sparsam sie wirklich sind. Vom 30. November an müssen sie ein Energieeffizienz-Label tragen, wie man es von Kühlschränken kennt: mit farbigen Stufen vom grünen A (gut!) bis zum roten G (ruinös!).

In 96 Prozent der deutschen Haushalte steht mindestens ein Fernsehapparat, in vielen stehen gleich mehrere. Vier Stunden hockt der Durchschnittszuschauer täglich davor. Und vier große Kraftwerke werden benötigt, um alle Fernseher der Republik mit Strom zu versorgen. Nach Hochrechnungen des Fraunhofer ISI gehen jährlich knapp 16 Terawattstunden Energie auf das Konto deutscher Fernseher und ihres Zubehörs; dabei entstehen sechs Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid – Tendenz steigend. Um diese Entwicklung aufzuhalten, gilt eben ab November die Kennzeichnungspflicht. Und ab April 2012 dürfen keine Apparate der miesen Effizienzklassen E bis G mehr hergestellt werden.

Wie viel Strom ein Fernseher frisst, hängt davon ab, was hinter seiner Scheibe geschieht: In den alten Röhrengeräten feuerte eine heiße Glühkathode Elektronen, die von starken Magneten abgelenkt wurden. In Plasmabildschirmen entzünden sich Millionen winziger Neongaslämpchen, um das Bild zusammenzusetzen. Beides braucht enorm viel Energie – trotz Verbesserungen immer noch bis zu siebenmal mehr als sparsamere Technik. Die steckt heute in den meisten Neugeräten.

Hintertürchen für eingebaute Festplatten und Empfänger

Hier teilen sich zwei Techniken die Arbeit: Durchsichtige Flüssigkristalle erzeugen Pixel für Pixel das Bild (Liquid Crystal Display, LCD), sind aber selbst relativ schwach. Damit der Zuschauer etwas erkennen kann, muss von hinten beleuchtet werden. Anfangs steckten hierfür spezielle Leuchtstoffröhren (Kaltkathoden-Fluoreszenzlampen, CCFL) in den Bildschirmen, mittlerweile werden meist die sparsameren Leuchtdioden (LED) eingesetzt. Allerdings gibt es »schlaue« LED, die ausgehen, wenn sie nicht gebraucht werden (»local dimming«) – und »dumme«: Die brennen nicht nur die ganze Zeit, es kostet sogar noch zusätzlich Strom, sie künstlich abzudunkeln. So ist LCD nicht automatisch sparsamer als Plasma; sonst brauchte es ja auch keine umständliche Kennzeichnung.

Selbst die Faustregel »Je größer der Bildschirm, desto höher der Stromverbrauch« gilt nur mit Ausnahmen, da manche Hersteller die modernste und damit effizienteste Technik nur in ihre größten und teuersten Modelle einbauen. Ein weiterer Faktor, der es dem Verbraucher erschwert zu vergleichen, sind Zusatzfunktionen wie eingebaute Festplatten oder Empfänger. Für sie gibt es in der Energielabel-Richtlinie ein Hintertürchen: Ein Apparat voller Funktionsfülle darf mehr Strom verbrauchen, ohne in die nächste Effizienzklasse abzurutschen. A bis G stellen also keine absoluten Sparklassen dar, sondern relative Bewertungen.

Daher lohnt es sich, beim Einkaufsbummel – neben dem Blick auf den Buchstabencode – den absoluten Jahresstromverbrauch der Geräte zu vergleichen. Auch ihn muss das neue Label ausweisen. Umweltschützer haben schon einmal ausgerechnet: Im Laufe eines durchschnittlichen Fernseherlebens von zehn Jahren haben Besitzer eines sparsamen Geräts mehrere Hundert Euro weniger auf der Stromrechnung.