Es ist der Bodenseehalbinsel Höri, Heimat der Gourmetzwiebel Höri-Bülle, ein Stachel im Herzen, dass ihre berühmtesten Söhne in der Idylle nicht glücklich wurden. Otto Dix lebte hier seit 1936 in der inneren Emigration, Hermann Hesse litt unter der schlechten Laune seiner Frau (die daher rührte, dass Hesse die Reformidee mit der Selbstversorgung und dem Gemüsegarten vor allem in der Theorie gut fand und seiner Frau die Praxis, sprich die Gartenarbeit, überließ).

Dabei lesen die Leute in der Zeitung sowieso lieber die Kochrezepte als das Feuilleton – also was kümmern uns Dix und Hesse, wenn es die umwerfend aromatische, mild-scharfe Höri-Bülle gibt? Sie wurde gerade auf der Höri bei strahlender Sonne mit sanfter Hand geerntet (die Bülle ist sehr druckempfindlich). Sehr gut schmeckt sie roh, zu Käse und Schinken, oder zu einem fruchtigen Essig. Markus Bruderhofer, der einen Delikatessenladen auf der Höri und im Internet hat, legt die Zwiebeln in Balsamessig ein. Wir wollen die kleine Insel nicht unnötig kränken, aber mit einer der anderen milden Zwiebelsorten, die derzeit geerntet werden, schmeckt das Rezept auch.

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Die Zwiebeln schälen (dabei eventuell einen der zahlreichen Tricks anwenden, die das Tränen verhindern sollen, oder einfach losheulen). Wasser mit Salz aufkochen, Essig, Honig und Zucker dazugeben und mischen. Thymian waschen und die Zweige mit den Gewürzen in Einmachgläser geben. Zwiebeln in die Gläser füllen und mit dem Sud begießen. Die geschlossenen Gläser werden im Einkochtopf auf 80 Grad erhitzt, diese Temperatur muss dann 10 Minuten lang gehalten werden.

Wenn man keinen Einkochtopf hat, kann man die Zwiebeln auch im Backofen einkochen. Dafür die Gläser, die alle gleich groß sein sollten, in die mit Wasser gefüllte Fettpfanne stellen, wobei sie sich nicht berühren sollten. Die Fettpfanne auf die unterste Schiene des Backofens stellen. Um Temperatur und Einkochzeit zu bestimmen, sollte man seinen Ofen ein bisschen kennen. Richtwerte: bei 150 bis 170 Grad, bis Luftbläschen im Glas aufsteigen, das dauert zwischen 70 und 80 Minuten. Dann den Ofen auf 120 Grad zurückschalten und weitere 90 Minuten einkochen. Ofen abschalten, die Zwiebeln bei geschlossener Tür noch etwa 30 Minuten nachgaren lassen.

Höri-Bülle in Balsamessig

1 kg Höri-Bülle
700 ml Wasser
50 g Steinsalz
250 ml Balsamessig
etwa Apfel-Quitten-Balsamessig
20 g Honig
70 g Rohrohrzucker
3–4 Zweige frischer Thymian
Lorbeerblätter
Pfefferkörner
Wacholderbeeren
Senfkörner