Wenn die Zeiten in Brüssel stürmisch werden, dann tritt José Manuel Barroso gern vor die Presse. Der EU-Kommissionspräsident liebt den großen Auftritt. "Die Finanzkrise ist eine ernsthafte Bedrohung", sagte er und versprach: " Europa wird seiner Verantwortung gerecht."

Barroso forderte härtere Kapitalauflagen für Banken, eine transparente Managervergütung und eine schärfere Aufsicht über Versicherungen und das Kreditgewerbe.

Es war der 1. Oktober 2008, als der Portugiese diese Ankündigungen machte. Und wie sieht es heute, drei Jahre später, aus?

Da jagt in Brüssel wieder ein Krisengipfel den nächsten . Wie damals kollabieren Banken, zuletzt traf es die belgisch-französische Dexia.

Jene Institute, die noch gesund sind, horten ihre nicht benötigten Milliarden bei der Europäischen Zentralbank , statt sie anderen Instituten zu höheren Zinsen zur Verfügung zu stellen. Der Kreislauf aus Kredit und Investition kommt in Gefahr. Das Ganze erinnert fatal an den Herbst 2008, als Europas Banken infolge des Lehman-Kollapses schwer erschüttert wurden.

Wenn das getan wurde, was der Kommissionspräsident versprochen hatte, warum wanken dann im Herbst 2011 schon wieder Banken ? Haben Europas Politiker versagt? Wer nach den Gründen für die Renaissance der Bankennot in Europa fragt, erhält in diesen Tagen erstaunlich klare Antworten.

Martin Schulz gibt die erste. Er ist Chef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, bald womöglich Präsident des gesamten Parlaments. "Europas Regierungen haben eine historische Chance verstreichen lassen", sagt Schulz. "Die Schockstarre des Jahres 2008 hätte ausgenutzt werden können für eine konsequente Zähmung der Finanzmärkte. Doch weil die Regulierung ausblieb, ging die Zockerei wieder los. Als wäre nichts geschehen."

Schulz sieht das Versagen – wie viele Parlamentarier – in erster Linie bei den Regierungen. Deren nationale Orientierung, so die gängige Denke in Brüssel, verhindert wirkungsvolle Gesetze.

Guy Verhofstadt, der liberale Vordenker im Parlament und frühere belgische Regierungschef, mag daher nicht von einer europäischen Krise sprechen, sondern von einer Führungskrise in der EU. "Niemand will Macht abtreten an Brüssel", sagt Verhofstadt.