Beförderung : Das Zitat … und Ihr Gewinn

Ambrose Bierce sagt: Ein Egoist ist ein unfeiner Mensch, der für sich mehr Interesse hat als für mich.

Der Volkswirt war siegessicher, als er seine Bewerbung auf den Weg brachte. In der Nachbarabteilung war eine Führungsposition frei geworden, und er passte perfekt ins Profil. Das Vorstellungsgespräch lief so gut, dass er sich schon befördert sah. Doch sein Chef, der Abteilungsleiter, legte ein Veto gegen den Wechsel ein. Begründung: Der Volkswirt sei für seine Abteilung im Moment unersetzbar. Damit zerschellte das Traumschiff der Beförderung an den Klippen der Realität.

Eine Ausnahme? Nein, die Seuche dahinter hat große Firmen fest im Griff: Kleinstaaterei. Jeder Abteilungsfürst ist sich selbst am nächsten und hält – frei nach dem US-Autor Ambrose Bierce – seine Interessen für wichtiger als die der Firma, erst recht als die des Mitarbeiters. Jede fähige Arbeitskraft, die geht, bedeutet ein Problem für ihn und seine Abteilung. Und Probleme sind unerwünscht!

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

So entsteht eine groteske Situation: Wer seinen Job perfekt erledigt, erhöht damit nicht die Wahrscheinlichkeit auf seine Beförderung – sondern produziert selbst den Klebstoff, der ihn genau a n diesem Sessel festhält . Nur eine List kann helfen. Denn worum geht es Ihrem Chef? Er will sicherstellen, dass seine Abteilung auch nach Ihrem Abgang reibungslos funktioniert. Wenn Sie also in der eigenen Firma wechseln wollen und dazu den Segen Ihres Chefs brauchen – denken Sie für ihn mit! Die entscheidende Frage lautet: Wer wird Ihre Arbeit erledigen, wenn Sie nicht mehr da sind? Kluge Mitarbeiter bauen von langer Hand einen Nachfolger auf (was später auch gut fürs Networking ist) oder stellen die Wechselbereitschaft eines interessanten Kandidaten sicher. Nur ein solcher Vorschlag, ein Rundum-sorglos-Paket, kann einen klammernden Chef doch noch zum großzügigen Personalspender machen – schließlich lässt er sich gerne nachsagen, dass die besten Pferde aus seinem Stall kommen.

Diese Taktik funktioniert erst recht dann, wenn Sie Ihrem Chef ankündigen, wie Sie in Ihrer neuen Funktion – sofern möglich – mit ihm kooperieren werden, zum Beispiel in Meetings gemeinsame Projekte voranbringen. Oder den Einfluss des gemeinsamen Bereiches stärken. Solche Argumente, die den Vorteil des Chefs betonen, sind der beste Weg, um doch noch das begehrte Reiseticket zu ergattern – und den Provinzbahnhof der Abteilung auf elegante Weise zu verlassen.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Da braucht es keinen Coach

Wer mehr verspricht als er tut und nur dann etwas tut, wenn der Chef in der Nähe ist und wer die "10 Goldenen A" beherrscht, der ist klar im Vorteil:

Alle
Anfallenden
Arbeiten
Auf
Andere
Abschieben
Anschließend
Anscheissen
Aber
Anständig

Wer diesem Grundsatz folgt, der ist nicht nur "teamfähig", sondern der wird auch weniger gemobbt, weil er den Mobbern immer ein Stück voraus ist.

Derjenige welcher hat zwar keine "Freude an der Arbeit", dafür zeigt er sich wenigstens "flexibel und initiativreich"!

Das ist genau das Bild, von dem Heinrich Mann in seinem "Der Untertan" berichtete.

Solche Diederich Heßlings gibt es heute mehr als vor Jahrzehnten, denn die Amerikanisierung unserer Gesellschaft mit all ihren (a-)sozialen Auswüchsen macht dies erst möglich.