Bibeltreuer BiologieunterrichtIm Namen des Herrn

Bibeltreue Christen gründen Privatschulen. Was lehren sie im Biologieunterricht? von Bernd Kramer

Nicht nur lesen und schreiben sollen Anne Seegers Kinder in der Schule lernen, sondern auch biblische Werte. »Aber wer soll die vermitteln, wenn es an staatlichen Schulen nur noch wenige Christen gibt?« Zusammen mit anderen Eltern aus freikirchlichen Gemeinden hat die 35-Jährige darum eine eigene Grundschule in Braunschweig gegründet, die ersten 15 Jungen und Mädchen besuchen sie seit diesem Sommer. Die Morgenandacht steht fest auf dem Stundenplan. Seeger schwärmt, wie inspiriert ihre zwei Söhne heimkämen. »Weil sie keinen Bruch erleben zwischen der Schule und dem, was wir ihnen zu Hause vermitteln.«

Braunschweig ist die jüngste Schulneugründung evangelikaler Christen, also jenes Teils der Protestanten, der sich strikt an der Bibel orientiert und diese teils wörtlich auslegt. Die Zeitschrift ideaSpektrum, ein Organ der bibeltreuen Bewegung, zählt deutschlandweit 92 evangelikale Privatschulen – mit steigenden Anmeldezahlen. Allein im vergangenen Jahr ist die Schülerzahl um mehr als fünf Prozent gewachsen, auf über 33.000. Das ist zwar immer noch eine Minderheit aller Schüler, nicht einmal ein Prozent, aber eine, die wächst.

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Dabei machten bibeltreue Christen bislang eher als Schulverweigerer auf sich aufmerksam. Erst vor wenigen Wochen unterlagen Paderborner Baptisten, die ihre Kinder nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen lassen wollten, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Schulpflicht diene dazu, urteilten die Straßburger Richter, die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern.

Solche Fälle legen die Frage nahe, wie es eigentlich zugeht in den evangelikalen Schulen, die ja auch die staatlichen Bildungsziele erfüllen müssen . Haben zumindest die Gemäßigten im bibeltreuen Spektrum ihren Frieden mit dem deutschen Bildungswesen gemacht? Oder lässt das Privatschulrecht Inseln zu, auf denen Kinder nur das lernen, was ins religiöse Weltbild passt?

Große Pause am Freien Christlichen Gymnasium Düsseldorf. Wenn Ulrich Falk, 56, Baptist und stellvertretender Schulleiter, summend durch die Aula schreitet, die Lesebrille auf die Stirn geschoben, und vorbeirennende Schüler freundlich grüßt, hat man nicht den Eindruck, an einer weltabgewandten Schule zu sein. Ein Neubau, viel Glas, viel Licht, in den Klassenräumen hängen interaktive Whiteboards statt Schiefertafeln. Ulrich Falk ist begeistert von der Wertevermittlung im Schulleben. Diese Werte formuliert er dabei so allgemein, dass sie jeder Atheist ohne zu zögern unterschreiben könnte: Respekt, Nächstenliebe, Mitgefühl.

Nach einer Andacht am Morgen hätten die Schüler zum Beispiel plötzlich die Idee gehabt, einen Spendenlauf für die Tsunami-Opfer in Japan zu organisieren. »Innerhalb einer Woche haben die das gestemmt«, sagt Falk. »Komplett in Eigenregie.«

Der Rheinisch-Bergische Verein Freie Christliche Schule hat Erfolg mit seinem Konzept: Fünf Schulen betreibt er, das Düsseldorfer Gymnasium kam 2003 dazu und im vergangenen Jahr eine Gesamtschule in Siegburg. Was überrascht: Laut Verein stammt ein Großteil der Schüler inzwischen aus Familien, die weder übermäßig gläubig sind noch einer evangelikalen Gemeinde angehören. Moderner Unterricht, der über Wissensvermittlung hinausgeht – es sind die üblichen Vorstellungen von der Idylle Privatschule, die auch bei den evangelikalen Bildungsanbietern die Anmeldezahlen steigen lassen.

Leserkommentare
  1. geantwortet habe.
    Es ging um den sogenannten totalitären Christlichen Glauben, nicht um den totalitären Gott.
    Deshalb habe ich hingewiesen, dass die anderen an den selben Gott glauben.

    Antwort auf "Totalitärer Gott?"
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    Habe auch eher das Stichwort aufgenommen, um auf das Problem hinzuweisen.

    • kyon
    • 15. Oktober 2011 16:26 Uhr

    Warum nur wollen Menschen wie Sie "echt christlich" sein, also einer nachjesuanischen religiösen Konstruktion folgen, und nicht jesuanisch sein, also wie der jüdische Kyniker Jesus?

    Die "Christen" wurden nur in der Anfangsphase verfolgt, nach Konstantin verfolgten sie selber.

    Die Ethik der Feindesliebe übrigens hat der Mann aus Nazareth abgekupfert, sie stammt von den Kynikern in Griechenland und wurde 500 Jahre vor "IHM" erdacht."ER" selbst zählt deshalb auch wie Johannes der Täufer auch zu den jüdischen Kynikern.

    Antwort auf "Keine Angst..."
  2. 235. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

  3. Habe auch eher das Stichwort aufgenommen, um auf das Problem hinzuweisen.

  4. 237. [...]

    Entfernt. Anmerkungen zur Moderation senden Sie gern an community@zeit.de Danke, die Redaktion/mk

  5. Warum nicht? Bildung ist eine Ware wie jede andere auch. Wenn für bibeltreue Unterrichtsinhalte eine Nachfrage besteht (was offenkundig der Fall ist), mache ich als Bildungsunternehmen ein diesbezügliches Angebot, das - im Idealfall von möglichst vielen Kunden - wahr genommen wird.
    Angebot und Nachfrage. Völlig normale Marktwirtschaft eben.

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    • kyon
    • 15. Oktober 2011 17:19 Uhr

    Wollen Sie etwa eine religiöse Indoktrination Bildung nennen?
    Ich würde eher von Ver-Bildung sprechen, und davor sollten Kinder eigentlich geschützt werden.

    Im körperlichen Bereich werden sie das auch, wie es beispielhaft bei der Rettung von Kindern von Zeugen Jehovas geschieht, wenn sie entgegen dem Willen ihrer Eltern Bluttransfusionen erhalten.

    Warum gilt dieser Schutz nicht bei einer religiösen Indoktrination, die Kinder oft lebenslang quälen?

    • fegalo
    • 15. Oktober 2011 16:54 Uhr

    @ _bla_ 185
    Zitat: „Wissenschaftlich völlig falsche Vorstellungen sind auch in anderen Bereichen weit verbreitet, lösen dort aber komischerweise nicht derartigen Protest aus.“

    Exakt! Die Erklärung dafür scheint mir zu sein, dass die Evolutionstheorie, speziell durch ihre Begründungsszenarien der Selektion und Mutation, das Herzstück materialistischer Weltanschauung darstellt. Ohne eine materialistische Story der Entstehung und Entwicklung des Lebendigen ist der weltanschauliche Materialismus, diese moderne Wissenschaftsreligion, nicht zu halten. Es geht nicht eigentlich um die Frage „Entwicklung oder nicht“, sondern um die Frage: „mechanistische Erklärung oder nicht“. In gewissen Kreisen tobt ein Weltanschauungskampf um die Durchsetzung der alleinigen Deutungshoheit des Naturalismus.

    Das Beschwören irgendwelcher Gefahren durch Schöpfungsgläubige ist geradezu grotesk irrational, als diese Gesellschaft mit all ihren Werten und kulturellen Leistungen bis vor wenigen Jahrzehnten so gut wie ausschließlich von Schöpfungsgläubigen aufgebaut wurde.

    Was den geradezu physisch greifbaren Hass auslöst, ist nichts weiter als die Weigerung religiös orientierter Menschen, sich unter das ideologische Diktat des Naturalismus zu begeben. Da kann einem Dawkins auch mal der Kragen platzen. So hat er schon einer wildfremden Frau die Kette mit Kreuz vom Hals gerissen, um später bei der Vernehmung anzugeben, ein solches Kreuz sei eine Beleidigung seiner Intelligenz…

    Antwort auf "@des pudels kern II"
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    Da kann einem Dawkins auch mal der Kragen platzen. So hat er schon einer wildfremden Frau die Kette mit Kreuz vom Hals gerissen, um später bei der Vernehmung anzugeben, ein solches Kreuz sei eine Beleidigung seiner Intelligenz…
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    ist eine glatte Lüge. Nehmen Sie diese zurück, oder liefern Sie Belege.

    Im übrigen ist die Evolutionstheorie einfach eine Tatsache, ihre Gültigkeit ist mit überwältigenden empirischen Belegen untermauert. Ob man an sie glaubt ist also gerade keine Frage von Ideologien oder Weltbildern mehr!

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    Ohne eine materialistische Story der Entstehung und Entwicklung des Lebendigen ist der weltanschauliche Materialismus, diese moderne Wissenschaftsreligion, nicht zu halten.
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    Doch, die Evolution hat damit doch gar nichts zu tun. Wüsste man nichts über die Entstehung des Lebens - das wäre doch nur eine weitere offene Frage, ich als Erzmaterialist würde eben dann sagen: "Weiß ich nicht" und wäre doch ebenso materialistisch wie zuvor!

    sie schrecken ja echt vor nix zurück. Zum Rest ihres Kommentars, wachen sie auf. Die Evidenz in Form von Fossilien, Genetik etec geht nicht davon weg, dass sie über die bösen Materialisten schimpfen. Diese Verschwörungstheorien helfen ihnen vielleicht, sich nicht mit den Erkenntnissen der Wissenschaft auseinanderzusetzen, aber mehr auch nicht.

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    Da kann einem Dawkins auch mal der Kragen platzen. So hat er schon einer wildfremden Frau die Kette mit Kreuz vom Hals gerissen, um später bei der Vernehmung anzugeben, ein solches Kreuz sei eine Beleidigung seiner Intelligenz…
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    ist eine glatte Lüge. Nehmen Sie diese zurück, oder liefern Sie Belege.

    Im übrigen ist die Evolutionstheorie einfach eine Tatsache, ihre Gültigkeit ist mit überwältigenden empirischen Belegen untermauert. Ob man an sie glaubt ist also gerade keine Frage von Ideologien oder Weltbildern mehr!

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    Ohne eine materialistische Story der Entstehung und Entwicklung des Lebendigen ist der weltanschauliche Materialismus, diese moderne Wissenschaftsreligion, nicht zu halten.
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    Doch, die Evolution hat damit doch gar nichts zu tun. Wüsste man nichts über die Entstehung des Lebens - das wäre doch nur eine weitere offene Frage, ich als Erzmaterialist würde eben dann sagen: "Weiß ich nicht" und wäre doch ebenso materialistisch wie zuvor!

    Antwort auf "@ _bla_ 185"
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    • fegalo
    • 15. Oktober 2011 17:57 Uhr

    Zitat: „Doch, die Evolution hat damit doch gar nichts zu tun. Wüsste man nichts über die Entstehung des Lebens - das wäre doch nur eine weitere offene Frage, ich als Erzmaterialist würde eben dann sagen: "Weiß ich nicht" und wäre doch ebenso materialistisch wie zuvor!“

    Logisch gesehen hat die Evolution in der Tat nichts zu tun mit ihrer materialistischen Erklärung. Allerdings wird letztere im Weltanschauungskampf immer als das eigentliche Kernstück der Evolution mitgedacht und verteidigt. Ohne die Evolution nämlich gibt es GAR keine materialistische Erklärung für das Leben, DAS ist der Punkt.

    Sie dürfen gerne bekennen: „Ich weiß nicht“ und Materialist sein und bleiben. Aber welche Argumente haben Sie dann noch gegen die bösen „Fundamentalisten?“

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