City Guide BarcelonaRuhe und Licht

In Gràcia bin ich im Freien zu Hause von Karin Ceballos Betancur

Der Schriftsteller Eduardo Mendoza

Der Schriftsteller Eduardo Mendoza  |  © Joan Costa/Cover/Getty Images

Wenn Barcelonas Straßen die Flure der Stadt sind, dann sind die Plätze ihr Wohnzimmer. Es gibt sie überall, große und kleine, gepflegte und ungepflegte. Oft sind es Vorplätze von Kirchen oder ehemaligen Rathäusern, um die herum die Stadtviertel entstanden sind. Das Leben verlangsamt sich auf einem solchen Platz, kommt zur Ruhe – eine Wohltat, Barcelona ist nämlich generell eine sehr laute Stadt. Plätze sind Orte der Zusammenkunft, des Gesprächs. Aber selbst wenn man allein ist, fühlt man sich hier wohl. Auf einem Platz muss niemand seine Anwesenheit rechtfertigen. Man überquert ihn als Fußgänger oder setzt sich auf eine Bank und verwandelt sich augenblicklich in einen Beobachter.

Meine Lieblingsplätze liegen in Gràcia , einem Viertel, das seine dörflichen Eigenarten bis heute bewahrt hat. Denn früher war Gràcia ein Dorf, bis es von Barcelona aufgesogen wurde. Und das ging so schnell, dass keine Zeit blieb, um die Persönlichkeit zu ändern. Hier lebten immer viele Arbeiter und Handwerker, Schlosser, Schreiner. Ein paar ihrer Werkstätten sind inzwischen verschwunden, an ihrer Stelle haben Bars eröffnet, aber das lässt sich ja kaum vermeiden. Das Viertel ist eben in Mode gekommen.

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Es gibt viele Plätze, die mir gefallen: die Plaça de la Revolució zum Beispiel, weil sie wie ein See ist, aus dem die Carrer Verdi, eine der lebhaftesten Straßen des Viertels, entspringt. Aber wenn ich mich für einen einzigen Platz entscheiden müsste, wäre es die Plaça de la Virreina. Die Kirche an ihrer Stirnseite ist nicht besonders hübsch, und die Häuser, die sie umgeben, sind es auch nicht. Aber das Ensemble ist harmonisch. Ich mag Orte, die nicht so überdekoriert sind, dass sie wie Postkarten wirken. Für Reisende kann es ein Glück sein, einen Platz zu finden, an dem man ausruhen kann, ohne sich dabei zu langweilen.

Auf der Plaça de la Virreina fühlt sich Eduardo Mendoza zu Hause. Das Licht, der dunkle Stein, die Mischung aus Lärm und Ruhe – diesen Platz kann es so nur in Barcelona geben, sagt der katalanische Schriftsteller.

Auf der Plaça de la Virreina fühlt sich Eduardo Mendoza zu Hause. Das Licht, der dunkle Stein, die Mischung aus Lärm und Ruhe – diesen Platz kann es so nur in Barcelona geben, sagt der katalanische Schriftsteller.  |  © Gunnar Knechtel für DIE ZEIT

Wenn man auf der Plaça de la Virreina bei einem Glas orxata, katalanischer Mandelmilch, oder einem Bier sitzt, weiß man sofort, dass es diesen Platz so nur in Barcelona geben kann. Warum? Schwer zu sagen. Das Licht, die Farbe der Häuser, der dunkle Stein, der Geruch, die Mischung aus Lärm und Ruhe – er ist ganz einfach anders als andere Plätze. Wenn man die Leute beobachtet, die über die Plaza flanieren, kann man nicht genau sagen, ob es sich um ein armes oder um ein reiches Viertel handelt – das gefällt mir. Gràcia weiß nicht um seine Schönheit, ein großer Vorteil. Viertel wie das Barrio Gótico zum Beispiel sind mir ein wenig zu eitel. Sie rufen: Schaut, wie schön ich bin! Gràcia tut das nicht. Das Viertel nimmt jeden freundlich auf, aber es lebt sein Leben weiter. Man wird nicht zum Zuschauer eines Spektakels.


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Schreiben tue ich zwar nur zu Hause am Schreibtisch, aber wenn ich mit einem Freund verabredet bin oder ins Kino gehen möchte, lande ich oft auf der Plaça de la Virreina. Mein Lieblingslokal ist die gleichnamige Bar. Wenn das Wetter schön ist –, und das ist es in Barcelona fast immer – kann man dort auch im Freien sitzen. Selbst im Winter gibt es viel Licht, was vor allem die Nordeuropäer sehr schätzen. Mehr noch als die Wärme suchen sie bei uns die Sonne. Länder, in denen es viel regnet, mag ich nicht. Zum einen eben weil es viel regnet. Zum anderen aber auch, weil man alles stehen und liegen lassen muss, sobald die Sonne rauskommt, um die Gunst der Stunde zu nutzen.

Aufgezeichnet von Karin Ceballos Betancur

Eduardo Mendozas Roman Die Stadt der Wunder ist seinem Geburtsort, Barcelona, gewidmet.

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    • Schlagworte Bier | Kirche | Lärm | Mode | Sonne | Stadt
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